Kippertest 1/2026

Der Ford F-Line als 8×4-Kipper

Mit der F-Line-Serie erweitert Ford Trucks seine Palette um wendige, kompakte Verteiler-Trucks, die so mit dem F-Max nicht darstellbar wären. Wir konnten den F-Line als 8×4-Kipper testen. Dabei wirkt der Triebstrang in seiner Kombination etwas aus der Zeit gefallen.

Ford F-Line 4145 DL
Der F-Line 4145 DL ist der stärkste Vierachser im Ford-Trucks-Programm. Er ist für einen 8×4-Dreiseiten-Kipper sogar mit der langen Kabine relativ leicht und bietet mit 17,7 t viel Nutzlast. Die weit auseinander stehenden Achsen sind den langen Parabelfedern geschuldet. (Bild: bd/Domina)

Während sich Fords Fernverkehrs-Zugmaschine F-Max mittlerweile in durchaus wahrnehmbarer Stückzahl auf unseren Autobahnen tummelt, sind die Trucks der erst 2024 lancierten F-Line kaum wahrnehmbar. Diese Familie von Verteiler-Trucks ist noch recht jung und teilt sich in drei Sparten auf: Da sind Sattelzugmaschinen, der F-Line als Solo-Lkw in 6×2- oder 4×2-Achsformel und die Bau-Serie mit 8×4 Fahrgestellen für Betonmischer und als Solo-Vierachser. Letztere sind sowohl als besonders leichte Mischer wie auch als leichte oder robuste Kipper konfigurierbar. Auch eine batterieelektrische Version der F-Line-Baureihe steht bei Ford Trucks bereits in den Startlöchern.

Unser Kandidat mit der Typbezeichnung 4145 DL ist als leichter Straßen-Vierachser und Verbrenner konzipiert, mit durchaus erstaunlichen Details. Denn er kommt mit einem einfach übersetzten Doppelachs-Aggregat daher, wo die meisten Konkurrenten auf eine doppelt übersetzte Außenplaneten (AP)-Achse setzen. Das Argument der besseren Bodenfreiheit, das die AP-Fraktion mit ihren schmalen Achsgehäusen anführt, zählt für einen überwiegend im Straßeneinsatz agierenden Vierachser nicht wirklich. Und beim F-Line fallen die großen Banjos des Differenzialgehäuses kaum auf. Die Konstrukteure des Chassis haben darauf geachtet, dass nichts hervorsteht, was irgendwo hängen bleiben könnte. Sogar die Kühlwasserleitungen des Retarders und die Hydraulikschläuche zum Nebenabtrieb sind sauber und hoch verlegt, wie selten bei einem 8×4 gesehen. Dieser F-Line wird deshalb auch im leichten Gelände kaum Probleme mit der Bodenfreiheit haben.

Ford F-Line 4145 DL
Das Aufstellen der Trigenius-Kippbrücke geht schnell mit der Meiller-Hydraulik. (Bild: bd/Domina)

Kunststofffeder als Pendelachse

Ein anderes Feature erregt die Aufmerksamkeit unseres Kipper-Experten Josef Ernstberger noch mehr: „Da schau her – der hat ja eine Kunststofffeder als Bogie (Pendelachse) an den beiden Hinterachsen. Das ist mal was Neues!“ Fakt ist: Diese Kunststoff-Bretter federn überaus angenehm, leise und sollen sehr formbeständig über die gesamte Lebensdauer sein. Wie lange die in der Praxis ist, wissen wir nicht, zumal die Lebensdauer solcher Komposit-Federn stark einsatzabhängig ist. Dass es sich hier um einen ausgewiesenen Straßen-Kipper handelt, darauf weist auch der kleine Ölwannen-Schutz hin – er ist aus Plastik. Die Ölwanne selbst ist aus Aluminium. Aufgebaut hat die Ford-Trucks-Zentrale in Crailsheim den 4145 DL (D steht hier vermutlich für „Doppelkabine“ und L für „Low“, also niedriges Dach) mit einer Meiller Trigenius-Dreiseiten Kippbrücke mit Bordmatik und Meiller-Rollplane. Die sitzt bei Nichtgebrauch sauber gefaltet unter ihrer „Blechgarage“ und lässt sich per Fernbedienung öffnen und schließen, beide Vorgänge in flotter Manier und bis zum Heckabschluss ohne manuelle Spann- oder Sicherungsarbeit. Klappe zu – fertig.

Einfach bedienbare (Direkt-)Tasten

Die fast würfelförmige Kabine mit flachem Dach und ohne äußere Sonnenblende zu erklimmen, ist für junge sicher leichter als für ältere Chauffeure. Die erste Stufe liegt immerhin 46 cm über dem Boden. Anstelle eines Auftritts und einer Dachreling zur Kontrolle des Ladevorgangs gibt es ein Außenstaufach für Verschmutztes, das man nicht so gern in der Kabine hat. Der Fahrerplatz ähnelt, was die Farbgebung der Armaturen und Anzeigen angeht, dem F-Max. Aus dem Cluster leuchten in blau die zentralen Anzeigen, eingerahmt von Drehzahlmesser und Tacho in analoger Ausführung. In der Mittelkonsole thront der Sekundär-Bildschirm, darunter ein paar wichtige Direkttasten mit einem richtigen Lautstärke-Regler. Hier auch wichtig: Das Tastenfeld für die Differenzialsperren nebst Schalter zur Aktivierung des Nebenabtriebs. Heizungs- und Klimaregelung folgen, auch wie früher, richtigen und leicht bedienbaren Drehreglern. Sehr gut. Weniger fein sind allerdings die Geräusche, die der Klima-Lüfter – mit jeder weiteren Stufe lauter – verursacht, bei einem gleichzeitig strömungstechnisch nur angenehmen Lüftchen. Da könnte man noch dran arbeiten.

Ford F-Line 4145 DL
Unter der Frontklappe: Kühlwasser-Ausgleichsbehälter oben links, Wischwasser in der Mitte. Motoröl-Kontrolle und Nachfüllen geht nur bei gekippter Kabine direkt am Motor. (Bild: bd/Domina)

Kräftiges Triebwerk

Während die ersten Exemplare der Ford Trucks noch mit zwölfstufigen ZF-Getrieben bei uns eingeführt wurden, rüstet Ford Otosan alle F-Max und F-Line mit einem eigenen 16-Gang-Getriebe aus, voll automatisiert versteht sich. Damit stammen Motor und Getriebe aus eigener Fertigung. Der Ecotorq-Sechszylinder mit 12,7 l Hubraum ist ein kräftiges, aber keineswegs schweres Triebwerk. Er produziert eine füllige Leistungskurve, die sich aus 2.500 Nm Drehmoment bei Drehzahlen zwischen 1.000 und 1.200 Umdrehungen entwickelt. So schneidet die Leistungskurve bereits bei 1.000 Umdrehungen die 330 PS-Marke. Will sagen: Der Ecotorq ist ein durchzugsstarkes Triebwerk mit viel Leistung in einem Drehzahlbereich (1.000 bis 1.200/min) der gleichzeitig auch die sparsamste Zone des spezifischen Volllast-Verbrauchs markiert. Das ist ein Triebstrang, der jeder Belastung im Kipperbetrieb gerecht wird. Erst recht, wenn wir die enorme Spreizung des 16-Gang, ebenfalls Ecotorq genannten Getriebes, ins Kalkül ziehen. Sie reicht von 14,1:1 im niedrigsten Gang bis zum ins Schnelle übersetzten 16. mit 0,82:1. Ein so genanntes Overdrive-Getriebe also. Das Ganze gepaart mit einer Übersetzung von 4,08 in den beiden Antriebsachsen ergibt einen zugkräftigen Antriebsstrang, genau wie ihn ein Kipper braucht.

Ford F-Line 4145 DL
Der 12,7 l große Ecotorq-Motor ist eigentlich eine wahre Wuchtbrumme, was das Leistungsangebot im Verbrauchs-Bestpunkt um den Bereich des maximalen Drehmoments angeht. Auf Grund der kurzen Gesamtübersetzung kurbelt er aber meistens im Bereich um 1.400/min. Hier kann er nicht sparsam sein. (Bild: bd/Domina)

Hohe Marschdrehzahl schon bei Teillast

Wir leihen uns 17,5 t 16/32er Schotter im Steinbruch und fahren im Handling-Modus Richtung Startpunkt der Messstrecke. Das flache Rollstück zwischen Langenbruck und Ingolstadt-Süd können wir störungsfrei durchmessen, ebenso die für einen Kipper ja nicht unwichtigen Landstraßen-Etappen. Auf der Autobahn fällt zunächst die hohe Marschdrehzahl auf: Bei 84 km/h kurbelt der Ecotorq mit knapp 1.400 Touren im höchsten Gang. Das schon bei Teillast, was keineswegs gut ist. Würden wir hier per Gaspedal Volllast abfordern, stünde tatsächlich bereits hier die Nennleistung von 450 PS an. Normalerweise würde man die Nennleistung durch eine Rückschaltung über einen oder gar zwei Gänge abrufen. Nicht so hier. Dass eine derart kurze Marschfahrt-Übersetzung nicht gerade Verbrauchsrekorde erzielen kann, liegt nahe. Und so ist es auch: Die Etappe „Ebene Rollautobahn“ absolviert der F-Line mit 30,7 l/100 km, wo vergleichbare 8×4-Kandidaten (Arocs 3145, Volvo FH 460 und Scania G 450 XT) im Schnitt über alle Drei nur 26,8 l/100 km konsumierten. Der Vergleich hinkt hier ausdrücklich nicht: Die Bedingungen für den F-Line waren nicht weniger als ideal mit 20 °C und fast Windstille. Ein ähnliches Bild ergibt sich auf den Landstraßen, wenn gleich sich die übermäßig kurze Übersetzung hier in beeindruckenden Bergsteigezeiten verwandeln lässt. Aber auch das kostet: nämlich insgesamt 13 % mehr Verbrauch über die „Landstraße gesamt“, in Litern konsumierte der F-Line hier 37 l/100 km, die drei genannten Konkurrenten im Schnitt 32,9 l/100 km. Aber wie gesagt: Die Berge geht der F-Line sogar noch einen Tick schneller hoch als die genannten drei klassengleichen Mitbewerber.

Erstaunlich direkte Lenkung

Die Fahreindrücke sind aber keineswegs enttäuschend: Der F-Line als 8×4-Kipper spurt mit erstaunlich direkter Lenkung sauber über Landstraße und Autobahn, die Kabine ist straff, aber nicht unbequem gefedert, soweit passt alles. Ok, die Prometeon-Reifen neigten exakt im Bereich zwischen 62 und knapp 65 km/h zu einem unangenehmen Heulen – aber eben nur in diesem schmalen Geschwindigkeitsbereich. Ich frage mich allerdings nach so einem Testtag: Was bewegt Ford Otosan, den Antriebsstrang derart drehzahlorientiert auszulegen? Da ist ein drehmomentstarker Motor, ja eine wahre Wuchtbrumme, der seine Power bei niedrigen Drehzahlen nicht ansatzweise zeigen darf, weil insgesamt zu kurz übersetzt.

16 Gänge statt Overdrive

Das Getriebe mit seinen 16 Stufen erscheint für die projektierten Einsätze ebenfalls wie aus der Zeit gefallen, wie diese Triebstrang-Abstimmung. Bei den heutigen Motoren (und der Ecotorq kann das auch) gibt es Drehmoment ohne Ende, da braucht niemand mehr 16 Gänge. Ein Overdrive-Getriebe mit 12 Gängen täte es da auch: Da lässt sich trefflich im direkten Gang über die Landstraße kurbeln, der Overdrive dient dann zur spritsparenden Drehzahlabsenkung auf den in der Praxis meist kurzen Autobahnstrecken. Aber so ein Getriebe hat Ford Otosan mit dem ZF-Getriebe ausgemustert, zu Gunsten der eigenen Schaltbox.

Ford F-Line 4145 DL
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Was bleibt dann noch? Klar, die Achsübersetzung. Die dürfte ruhig ein gutes Stück länger sein. Ich hab’s mal durchgerechnet: Um mit diesem Getriebe im höchsten Gang, 84 km/h Marschgeschwindigkeit bei, sagen wir nur 1.100, statt 1.400 Umdrehungen zu realisieren, bräuchte man eine Achsübersetzung von i=3,25. So eine Achse muss man aber auch im Regal haben. Ob Ford Trucks die hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein Motor, ein Getriebe und zu wenig Auswahl an Achsen: Für einen so differenzierten, auf Spritsparen geeichten Markt wie den unsrigen, reicht diese „Eins für alle Einsätze“-Philosophie jedenfalls nicht.

Pro & Kontra: Ford Trucks F-Line als 8×4-Kipper

Leichtes, aber robustes Fahrgestell
hohe Nutzlast
drehmomentstarker Motor
gute Bedienbarkeit
geräumige Kabine mit Ruheliege
Abstimmung Antriebsstrang
lautes Klima-Gebläse
hohe erste Stufe