
Hands-on mit neuen Kompaktladern und Kettenbaggern
In die Europazentrale nach Tessenderlo hatte Hyundai die Fachpresse eingeladen. Zusätzlich zu einer spektakulären Maschinendemo gab es die Möglichkeit zum Hands-on mit zahlreichen Neuheiten.

Zur Einstimmung lieferte Sanho Shin, CEO Europa, einen Überblick über den derzeitigen Status des Baumaschinengeschäfts und erläuterte die geplanten Schritte für die nahe Zukunft. Für Hyundai hat das Jahr 2026 in Europa sehr vielversprechend begonnen und die Verantwortlichen sind optimistisch, diese positive Tendenz mit einem erweiterten Maschinenportfolio – trotz der aktuellen Krisen – erhalten zu können. Im Strategie-Papier „Vision 2030“ hat sich der Hersteller ambitionierte Ziele gesetzt: Mit einem Wachstum von zwölf Prozent (!) möchte Hyundai zu den großen Playern weltweit gehören. Das größte Potenzial für Zuwächse erwartet das Unternehmen im Bereich der Kompaktmaschinen, folglich soll dieser Sektor weiter ausgebaut werden. Auch im Bereich der Digitalisierung und der smarten Maschinen sieht sich Hyundai in einer Führungsrolle, wofür die neue Kettenbagger-Generation durchaus als Sinnbild stehen darf.
Das Motto der zweiwöchigen Veranstaltungsreihe „Hyundai Experience“ durfte durchaus wörtlich genommen werden. Zunächst wurden die Neuheiten bei einer nächtlichen Maschinenshow überaus eindrucksvoll in Szene gesetzt. Am folgenden Tag stand das Hands-on-Erlebnis im Vordergrund. Hierzu hatte das Team einen Querschnitt seines Baumaschinenprogramms auf das Gelände der ehemaligen ENCI-Grube in Maastricht transportiert. Was heute eine imposante Industriekulisse bildet, diente seit Anfang des 20. Jahrhunderts dem Kalkmergel-Abbau und der Zementherstellung.

Zuwachs für die Next-Generation-Kettenbagger
Während auf der Bauma 2025 ja die größeren Bagger HX 360 und HX 400 bereits ihren großen Auftritt hatten und zwischenzeitlich der HX 300 als Ergänzung hinzugekommen ist, standen bei der Hyundai Experience nun die Modelle HX 230 und HX 260 im Rampenlicht. Da diese Baggergewichtsklasse erfahrungsgemäß in der Bauindustrie am stärksten nachgefragt wird, erzeugen neue Angebote in diesem Segment stets große Aufmerksamkeit. Nun verfügt Hyundai also auch in diesem wichtigen Bereich über zwei hochmoderne Bagger, die bezüglich ihrer Ausstattungs- und Leistungsmerkmale den höchsten Industriestandards entsprechen. Über die besonderen Features der neuen Hyundai-Bagger-Generation berichteten wir ja bereits in der Ausgabe bd-09/2025.
Kompaktlader ergänzen das Programm
Neu im Programm sind drei Kompaktlader-Modelle mit einer Raupen- und zwei Radversionen. Wobei „neu“ nur bedingt zutrifft, da in den 90er-Jahren bereits Kompaktlader von Hyundai angeboten wurden, die in Europa jedoch keine besonders große Verbreitung fanden. Die aktuellen Maschinen sind aus einer Kooperation mit Daedong-Kioti entstanden. Für den Einsatz auf der Baustelle würde ich ja immer die Raupen-Version bevorzugen. Das Kettenlaufwerk bringt einfach so viel mehr an Traktion und Stabilität, was diese Maschinengattung erstaunlich leistungsfähig macht. Dementsprechend gespannt war ich, wie sich der HT 100 schlagen würde. (Mein Testeindruck siehe unten)

Neuer Minibagger
Einen weiteren Neuzugang gibt es in der Minibagger-Klasse mit etwa 1,0 t Betriebsgewicht. Stammte der Vorgänger des HX 10AZ noch aus einer OEM-Kooperation, handelt es sich bei der aktuellen Maschine um ein Produkt der Schwestermarke. Zur Verbesserung der Bedienbarkeit gibt es nun seitlich montierte Joysticks, die das Handling spürbar erleichtern. Als Antrieb dient ein Kubota-Motor, der eine Leistung von 7,6 kW (10,35 PS) bei angenehmer Lautstärke entwickelt. Der kleinste Hyundai-Bagger ist leicht am charakteristischen Rohrausleger wiederzuerkennen, Letzterer steht für eine gewichtsoptimierte Lösung. Mittels eines ausfahrbaren Laufwerks lässt sich eine minimale Durchfahrtsbreite von 730 mm realisieren. Damit empfiehlt er sich für Einsätze in Innenräumen und wäre somit auch prädestiniert für eine zukünftige Elektrifizierung.
Abbruch-Bagger neu im Programm
Erstmals bietet Hyundai einen Longfrontbagger ab Werk. Auf Basis des HX 520A hat der Hersteller zusammen mit dem niederländischen Spezialisten STC eine Abbruch-Maschine mit Auslegerwechselsystem, verstellbarem Unterwagen und Kippkabine entwickelt. Mit einem drei Tonnen schweren Abbruchwerkzeug kann in 27 m Höhe gearbeitet werden. Da das Fahrwerk auf eine Breite von drei Metern reduzierbar ist, kann die Maschine vergleichsweise einfach zwischen den Einsatzstellen umgesetzt werden. Er bewegt sich in Bezug auf Einsatzgewicht und Reichhöhe in einer der meistverbreiteten Größenklasse von HRD-Baggern in Europa und besitzt damit recht gute Erfolgschancen.

Dumper in 4×4-Ausführung
Bestellbar ist erstmals auch ein zweiachsiger Knicklenker-Dumper. Der HA 45 vereint die Vorteile eines Starrrahmen-Muldenkippers mit der Wendigkeit und dem Allradantrieb eines Knicklenkers. Er spielt seine Vorteile auf anspruchsvollen, jedoch grundsätzlich festen Fahrbahnen aus. Der Rollwiderstand ist geringer als bei der dreiachsigen Bauform und es treten deutlich geringere Scherkräfte bei Kurvenfahrt auf, wodurch die Fahrbahn geschont wird. Bei gelegentlichem, moderatem Geländeeinsatz kommt er dennoch besser voran als ein Starrrahmenkipper mit Hinterachsantrieb. Der Hyundai verfügt über eine Nutzlast von 41 t in einer Mulde mit knapp 26 m³ Fassungsvermögen. Der Scania-Dieselmotor mit 368 kW (500 PS) treibt über ein elektronisch gesteuertes 8-Gang-Getriebe von ZF die beiden Planetenachsen an.
Fazit
Dies war mein persönlicher Eindruck von einer sehr gelungenen Veranstaltung, bei der das gesamte Gastgeberteam mit Freude bei der Sache war. Mit dem aktuellen Maschinenportfolio befindet sich Hyundai auf der Höhe der Zeit und tritt zu Recht selbstbewusst auf. Die Kompaktlader sind gewiss eine willkommene Ergänzung im Programm, jedoch hätten sich insbesondere die deutschen Händler gewiss noch lieber einen kleinen Radlader gewünscht. Doch auch in dieser Richtung soll dem Vernehmen nach etwas in der Pipeline sein.
Hands-on im neuen Kompaktlader HT 100
Der Einstieg erfolgt über die Fronttür, die zum Öffnen unter das Dach schwingt. Großgewachsene Fahrer sollten sie allerdings behutsam betätigen, um schmerzhafte Kollisionen zu vermeiden. Davon abgesehen funktioniert die Betätigung der Tür problemlos, und sie kann auch in geöffneter Position arretiert werden. Bauartbedingt gibt es bei dieser Fronttür-Aufhängung keinen Platz für Schalter oder Displays in der oberen Ecke der Kabine. Folglich sind diese weiter unten vor den Joysticks platziert. Das fest montierte Laufwerk macht einen ausgesprochen aufgeräumten Eindruck, und zwangsläufig anfallender Schmutz kann über die schrägen Abdeckungen direkt abrutschen oder vergleichsweise einfach entfernt werden. Alle Schmiernippel des Vertikal-Hubgerüstes sind von der Seite ohne Verrenkungen zu erreichen.

Ein hydraulischer Schnellwechsler gehört zur Serienausrüstung und erleichtert das Austauschen von Anbaugeräten, deren Aufnahme dem Standard für Kompaktlader entspricht. Da die Kompaktlader in dem überdachten ehemaligen Mischbett vorgeführt wurden, war das vorhandene Material sehr trocken. In der staubigen Umgebung war ich dankbar für die geschlossene Kabine; durch deren serienmäßige Heizung und Klimaanlage lässt es sich hier gut aushalten. Die Inbetriebnahme erfolgt weitgehend intuitiv und gibt keine großen Rätsel auf. Die Drehzahl kann per Drehschalter oder mittels Fußpedal reguliert werden. Sobald die Maschine rückwärts fährt, erscheint das Bild der Heckkamera auf dem Display, welches ruhig ein wenig größer sein dürfte. Mit dem verdichteten Mergel hat der HT 100 keine Probleme; er ist flott unterwegs und die Schaufel lässt sich mühelos füllen.
Zum Standard gehört eine Hubgerüst-Dämpfung. Dies macht das Fahren komfortabler und es fällt unterwegs weniger Material aus der Schaufel. Mit seinen 54,9 kW scheint er ausreichend motorisiert zu sein und so ist man schnell eingegroovt und die übliche Raupenkompaktlader-Gute-Laune kommt auf! Insgesamt macht die Maschine einen soliden ersten Eindruck. Auf jedweden Schnickschnack wurde komplett verzichtet; für den überwiegenden Teil der Anwendungsfälle dürfte das vollkommen ausreichen.

