
Neue Akzente mit Großbaggern und knickgelenkten Dumpern
JCB präsentierte der europäischen Fachpresse in der Firmenzentrale in Rocester zahlreiche Neuheiten im Erdbewegungssegment. Das dichtgedrängte Programm hielt einige bemerkenswerte Highlights bereit. Zwei davon stammen aus dem Bereich der knickgelenkten Dumper – und mit dem neuen Kettenbagger 520 X, der bislang größten Maschine des Herstellers, haben wir sogar eine Runde gedreht.

Pressetermine bei JCB sind erfahrungsgemäß bis ins letzte Detail durchorganisiert, und die Teilnehmer können sicher sein, dass das Team stets noch eine Überraschung im Köcher hat. Dies galt auch für die jüngste Veranstaltung.
Außergewöhnliche Projekte, welche die technologische Führerschaft auch außerhalb der eigenen Branche unter Beweis stellen sollen, haben bei dem britischen Familienunternehmen ja bereits Tradition. In der Vergangenheit konnte das hauseigene Entwicklerteam bereits Geschwindigkeitsrekorde mit Baggerladern, Traktoren und dem schnellsten Dieselfahrzeug überhaupt aufstellen. Zusätzlich zu dem technischen Erkenntnisgewinn erzeugen solche Aktionen in einer breiten Öffentlichkeit das Bewusstsein für britische Ingenieurskunst und bieten nicht zuletzt die Chance, sich als innovativer Arbeitgeber zu profilieren.

In den vergangenen Jahren hat JCB das Thema Wasserstoff als alternative Antriebsform ja mit großem Einsatz vorangetrieben. Da lag es nahe, mit dem hauseigenen Wasserstoff-Verbrennungsmotor den Beweis für dessen uneingeschränkte Leistungsfähigkeit anzutreten. Dass der JCB-Chairman Lord Bamford ein großer Verfechter der Wasserstofftechnologie ist, dürfte hinlänglich bekannt sein; und so war es wenig verwunderlich, dass er den Impuls zu einem Rekordversuch mit einem wasserstoffbetriebenen Fahrzeug gegeben hat.
Wasserstoff-Baggerlader serienmäßig verfügbar
Er war folglich auch persönlich anwesend, als das 1.600 PS starke Rennfahrzeug mit dem Namen „Hydromax“ während der Dinner-Veranstaltung feierlich enthüllt wurde. Doch nicht nur Freunde des Rennsports kamen auf ihre Kosten. Der Hersteller gab auch bekannt, dass der Baggerlader 3CX mit dem hauseigenen H2-Motor ab sofort serienmäßig verfügbar ist. Im Vergleich zur Vorserienversion haben die Ingenieure die Treibstofftanks, welche zusätzlich mit einem Verbundwerkstoff ummantelt sind, auf das Kabinendach verlegt. Die Behälter sind für einen Betriebsdruck von bis zu 350 bar ausgelegt und eine Füllung soll für einen üblichen Arbeitstag ausreichend sein. Auch auf die nachvollziehbare Frage potenzieller Anwender nach den Tankmöglichkeiten hat der Hersteller eine Antwort: Die Firma Hykit, an der JCB Anteile hält, bietet den passenden H2-Tankbehälter auf einem 3,5-t-Pkw-Anhänger an. Damit ist JCB weltweit der erste Hersteller, der einen zugelassenen Wasserstoff-Verbrennungsmotor sowie eine praxistaugliche Peripherie anbieten kann. Es wird spannend zu beobachten sein, inwieweit sich die Technologie auch auf dem europäischen Kontinent durchsetzen kann. Erste Projekte mit Konzernkunden sind bereits auf dem Weg.

Transportlösungen für die Baustelle
Aus dem Bereich der knickgelenkten Dumper kündigte der Hersteller gleich zwei Neuheiten an. Das – bislang – größte Modell mit 9 t Nutzlast wird nun auch mit der Dual-Drive-Technologie verfügbar sein. Hierbei lässt sich der gesamte Fahrerstand mit Sitz und Bedienteilen innerhalb der Kabine um 180 Grad drehen. Dies bedeutet einen erheblichen Gewinn an Bedienkomfort und Sicherheit, da der Fahrer jederzeit und ohne Verrenkungen in die gewählte Fahrtrichtung blicken kann. Da das Fahrzeug sowohl mit Front- als auch mit Seitenschwenkmulde erhältlich sein wird, sind maximale Produktivität und Flexibilität auf beengten Baustellen garantiert.
Die zweite Neuheit in diesem Produktsegment ist nicht einfach eine Programmerweiterung nach oben, sondern stellt vielmehr die Rückkehr zu einem ehemaligen Format dar. Immerhin hatte JCB ja bereits seit Ende der 1980er Jahre diverse Knicklenker-Dumper mit einer Nutzlast oberhalb von 10 t im Portfolio. Diese Projekte waren jedoch Anfang der 2010er Jahre eingestellt worden. Mittlerweile haben sich die Anforderungen des Marktes jedoch gewandelt: Wendige Zwei-Achs-Dumper mit kompakten Abmessungen und einer Kabine finden immer mehr Einsatzgebiete. Dies gilt insbesondere, wenn durch entsprechende Bereifung ein geringer Bodendruck garantiert werden kann.

Genau diese Eigenschaften erfüllt der Prototyp des 715, welcher eine Nutzlast von 12,75 t bei einer Muldenkapazität von gut 7 m3 aufweist. Seine Command-Plus-Kabine sitzt vergleichsweise tief auf dem Rahmen, was das Ein- und Aussteigen deutlich erleichtert. Im Inneren findet der Fahrer die, von den X-Serie-Baggern bekannte, JCB-UX-Bedieneroberfläche vor. Zusammen mit dem niedrigen Schwerpunkt, dem Knick-Pendelgelenk und einer großvolumigen Bereifung macht die Maschine einen sehr geländegängigen Eindruck. Ob es als Teampartner zu den neuen Leistungsbaggern auch zu einer Reaktivierung der Drei-Achs-Dumper kommen wird, bleibt noch abzuwarten.
Baggerlader und Walzenzüge
Baggerlader gelten ja hierzulande quasi als vom Aussterben bedrohte Art. Auch auf der Insel war deren Verbreitung schon mal größer, jedoch gibt es dort gewisse Tendenzen einer vorsichtigen Wiederbelebung dieses Marktes. Durch ihre unbestrittene Vielseitigkeit könnten sie jungen Firmengründern als Einstieg in die Selbstständigkeit dienen. Aus diesem Grund bietet JCB nun eine preisoptimierte Variante ihres beliebten 3CX Sitemasters an, welche mit einem Einstandspreis von 55.000 Pfund (66.000 Euro) die Investition erleichtern soll.
Walzenzüge für den Erd- und Straßenbau hat JCB ja seit 2005 mit der Übernahme von Vibromax im Programm, zuletzt waren diese jedoch nicht auf dem deutschen Markt verfügbar. Jetzt hat das Unternehmen die Baureihe erweitert und mit Stufe-V-Motoren ausgestattet, womit insgesamt 5 Modelle mit Dienstgewichten zwischen 5,4 t und 15 t zur Verfügung stehen. Die Maschinen haben alles zu bieten,was man von einem aktuellen Verdichtungsgerät, bis hin zur Online Dokumentation, erwarten kann. Da sie aus einer der großen JCB-Produktionsstätten in Indien stammen, dürften sie auch ein recht attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen.
Fazit
JCB hat in den vergangenen Jahren erhebliche Summen in die Erprobung der Wasserstofftechnologie investiert. Jetzt ist sie erstmals auf dem Markt verfügbar. Inwieweit sie sich im Vergleich zu den zwischenzeitlich hoch entwickelten Elektroantrieben als Ergänzung im Bereich Zero-Emission profilieren kann, wird die Zukunft zeigen. Die neuen großen Bagger (Mein Testeindruck siehe Kasten Maschinentest) machen echt was her und sollten ihre Abnehmer im Abbruch und bei der Gewinnung finden. Damit verfügt JCB nun im Segment der Kettenbagger über ein wettbewerbsfähiges Angebot zwischen 15 und 52 t. Insbesondere den hiesigen JCB-Händlern fehlt dann eigentlich nur noch eine Neuauflage der Mobilbagger zu ihrem Glück.
Hands-on im neuen Kettenbagger 520 X
Was mich betrifft, waren natürlich die beiden Kettenbagger 420 X und 520 X die unangefochtenen Highlights der Veranstaltung. Der neue 420 X basiert zu großen Teilen auf dem bereits bekannten 370 X. Jedoch wurden für besonders anspruchsvolle Einsätze zahlreiche Komponenten nochmals robuster ausgeführt. So wurde der Stahlbau von Ausleger und Stiel verstärkt, während der Unterwagen um eine Laufrolle verlängert und mit einem kräftigeren Fahrmotor versehen wurde. Ein größerer Durchmesser bei Hub- und Stielzylindern sorgt für größere Kräfte, welche von einem gleichfalls verstärkten Drehkranz aufgenommen werden.
Bei dem 520 X handelt es sich um eine komplette Neukonstruktion und er ist tatsächlich die größte Maschine, die bei JCB jemals gebaut wurde. Je nach Ausstattung wiegt er zwischen 52 t und 57t, während die Löffelgröße zwischen 2,8 m³ und 3,5 m³ liegt. Die beiden Neuzugänge führen die gefällige Formensprache der 2018 erstmals eingeführten Serie-X-Bagger fort. Dies bedeutet: Klare Linien, glatte Flächen und Schrägen an dem oberen Abschluss der Seitenflächen des Oberwagens. Dazu gehört auch die Command-Plus-Kabine, welche einen angenehmen Mix aus physischen Schaltern und einem 10-Zoll-Touch-Display bereithält. Nachdem ich also in der Kabine des 520 X Platz genommen hatte, konnte es nach einer sehr kurzen Orientierung auch schon losgehen. Mit dem Druck auf den unmissverständlich roten Startknopf wurde der Cummins X12 Sechszylinder Dieselmotor gestartet. Da es kurz zuvor ja noch kräftig geregnet hatte, war nun reichlich Feuchtigkeit in der Innenluft und die Scheiben begannen zu beschlagen. Mit ein paar intuitiven Klicks auf dem Display war die richtige Einstellung der Klimaanlage jedoch schnell gefunden und die freie Sicht sogleich wiederhergestellt.

Vom Start weg fühlte sich die Maschine sehr vertraut an, das dürfte auch an den bewährten Komponenten liegen, beginnend mit den hydraulischen Vorsteuergebern über den Kayaba-Steuerblock bis hin zu den Kawasaki-Pumpen. Das Schwenkwerk verfügt über zwei Hydraulikmotoren, die den Oberwagen mit einem Schwenkmoment von 157 kNm auf eine maximale Drehzahl von gut 10 U/min beschleunigen. Das Heckgewicht ist auch in einer hydraulisch absetzbaren Version lieferbar. Dieses dürfte die erste Wahl sein, wenn die Maschine häufiger umgesetzt werden muss. In diesem Fall sollte ebenfalls der mechanisch verstellbare Unterwagen geordert werden, der zusammen mit den schmalen Bodenplatten beim Transport die magische Breite von 3,0 m unterschreitet. Die Demo-Maschine war mit dieser variablen Variante, die noch ein wenig mehr an Gewicht in den Unterwagen bringt, ausgestattet. Tatsächlich verfügte der 520 X selbst mit einem vollen Löffel des nassen Lehm-Fels-Gemischs über eine souveräne Standruhe.
Der Bagger ist mit seinen 298 kW (400 PS) ordentlich motorisiert, was sich beim Probebaggern in kurzen Arbeitsspielen widerspiegelte. Bevor die nun verfügbaren Bagger für den Markt freigegeben wurden, war eine vierjährige Testphase vorausgegangen. Laut Produktmanager Mirko Heßler, war das Ziel des JCB-Entwicklungsteams bei der Auslegung der neuen Maschinen, mindestens das Leistungsniveau der branchenführenden Mitbewerber zu erreichen. Nach meinem ersten Eindruck scheint dies durchaus gelungen zu sein. Die deutschen Kunden dürften jedenfalls darauf gespannt sein, ob sie einen der großen JCB-Bagger auf der diesjährigen Steinexpo-Messe live erleben können.


