
Technologiesprung im Asphaltstraßenbau
Die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) hat mit der Neufassung der TL Asphalt StB und ZTV Asphalt StB wichtige Weichen für die Zukunft des Asphaltstraßenbaus gestellt. Wir ordnen mit Knut Johannsen, Leiter der FGSV-Arbeitsgruppe Asphaltbauweisen und Leiter Forschung & Technik bei Vinci Construction Deutschland, die zentralen Änderungen und deren Auswirkungen auf Praxis, Technik und Nachhaltigkeit ein.

Die wichtigsten Neuerungen
Eine der zentralen Änderungen ist die neue Struktur des Regelwerks. Die ZTV Asphalt StB wurde in zwei Teile gegliedert: Teil 1 für den Neubau und Teil 2 für die Erhaltung. Diese Differenzierung trägt den unterschiedlichen Anforderungen deutlich besser Rechnung und verbessert die Anwendbarkeit in der Praxis, da wir es im heutigen Straßenbau häufig mit einer Mischung aus beidem zu tun haben. Ein richtiger Innovationssprung für die Bauweise ist zudem die Einführung des temperaturabgesenkten Asphalts als Regelbauweise. Damit wird eine im Ausland bereits mit wesentlichen Marktanteilen etablierte Bauweise auch im deutschen Regelwerk verankert.

Das veränderte Prüfverfahren und die Folgen
Der klassische Ring- und Kugel-Wert wird schrittweise durch moderne rheologische Prüfmethoden ersetzt, insbesondere durch den Einsatz des Dynamischen Scherrheometers (DSR). Das ist von großer Bedeutung, da nur so neue Zusätze und Additive überhaupt sachgerecht bewertet und in das Regelwerk integriert werden können. Moderne Prüfverfahren sind die Grundvoraussetzung für technischen Fortschritt. Zusätzlich wurden Asphaltmischgutsorten, die sich seit vielen Jahren bewährt haben, in das Regelwerk aufgenommen und andere verändert. Damit stehen mehrere Möglichkeiten standardisiert zur Verfügung.
Deshalb wird der Gesundheitsschutz gestärkt
Die Anforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz steigen. Ein klarer Fortschritt ergibt sich durch die Verankerung der temperaturabgesenkten Bauweise als Regelbauweise. Insbesondere die Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwerts für Dämpfe und Aerosole bei der Heißverarbeitung von Bitumen gewinnt zunehmend an Bedeutung. In der Praxis wird die Einhaltung dieser Grenzwerte kaum noch ohne den Einsatz moderner Absauganlagen der zweiten Generation an Asphaltfertigern möglich sein. Diese sind zwar vertraglich in der Regel nicht explizit vorgeschrieben, stellen jedoch eine einfache und zugleich sichere Lösung dar, um die Anforderungen zuverlässig zu erfüllen. Damit ist die Grundlage für die Umsetzung der derzeit von den Verbänden und der BG Bau erarbeiteten Branchenlösung gelegt.
„Die Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwerts für Dämpfe und Aerosole bei der Heißverarbeitung von Bitumen wird in der Praxis kaum noch ohne den Einsatz moderner Absauganlagen der zweiten Generation an Asphaltfertigern möglich sein.“
Sie führt direkt und unmittelbar zu einer deutlichen Verringerung gasförmiger Emissionen wie Dämpfe und Aerosole aus heißem Bitumen. Damit ist das Baustellenpersonal geringeren gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.
Wiederverwendung von Asphalt als Schlüssel
Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Der mit Abstand größte Hebel für alle Umweltwirkungen liegt in der Wiederverwendung von Asphalt! Entscheidend ist die Optimierung der gesamten Prozesskette: Vom Ausbau über die Separierung und Aufbereitung bis hin zur Wiederverwendung im Mischwerk und beim Einbau. Ziel muss es sein, Qualitätsverluste konsequent zu vermeiden. Eine wichtige Rolle spielen hierbei Prozesse wie Downcycling durch Vermischung, Versprödung infolge von Oxidation sowie Kornverfeinerung durch Abrasion und mechanische Zerkleinerung. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Asphaltgranulat-Management zu. Hier besteht weiterhin erheblicher Bedarf an leistungsfähiger und präziser Maschinentechnik, um hochwertige Recyclingprozesse sicherzustellen.
Konsequenzen für Anwender und Baumaschinenhersteller
Für Maschinenhersteller eröffnet sich ein klares Innovationsfeld – auch in der Recycling- und Mischwerkstechnik – während Anwender entsprechende Technologien verstärkt in ihre Abläufe integrieren müssen, um langfristig rechtssicher, effizient und nicht zuletzt wettbewerbsfähig arbeiten zu können.