
Warum noch aufgraben?

Unsere unterirdische Infrastruktur ist entscheidend für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Lebensqualität. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und die Minimierung von Eingriffen in Umwelt, Verkehr und Lebensräume. Grabenlose Verfahren bieten dafür vielfältige Lösungen: Sie ermöglichen den Neubau, die Erneuerung und die Sanierung von Leitungen mit deutlich geringeren Eingriffen in die Oberfläche und können Bauzeiten, Aushub, Transporte und Verkehrsbeeinträchtigungen reduzieren.
Damit diese Potenziale stärker genutzt werden, setzt sich unser Verband dafür ein, die grabenlose Bauweise als festen Bestandteil einer modernen Infrastrukturplanung zu etablieren. Genau hier setzt die Arbeit des BGT an. Wir bündeln die Kompetenz der Branche und bringen ausführende Unternehmen, Hersteller, Planer, Auftraggeber und weitere Akteure zusammen. Gleichzeitig tragen wir das Wissen über Verfahren und Einsatzmöglichkeiten nach außen.
Fundierte Bewertung ermöglichen
Mit Fachveranstaltungen, Vorträgen, Veröffentlichungen und dem direkten Dialog wollen wir insbesondere Auftraggebern, Planern, öffentlichen Institutionen und politischen Entscheidern eine fundierte Bewertung der unterschiedlichen Bauweisen ermöglichen. Denn noch immer wird bei vielen Bauvorhaben zuerst die offene Bauweise als Ausgangspunkt betrachtet und erst anschließend geprüft, ob ein grabenloses Verfahren möglich ist. Wir wollen dazu beitragen, dass diese Reihenfolge umgekehrt wird: Dabei geht es uns nicht darum, eine bestimmte Technologie zu propagieren, sondern darum, die jeweils technisch, wirtschaftlich und ökologisch sinnvollste Lösung stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Die unterschiedlichen Bauweisen sollten bereits in der Planungsphase technologieoffen gegenübergestellt und anhand von Kosten, Bauzeit, Umweltwirkungen, Eingriffen und Lebenszyklus betrachtet werden.
Für technologieoffene Regelwerke
Gegenüber der Politik bringt der BGT die Erfahrungen der Praxis in die Diskussion ein. Wir setzen uns für technologieoffene Regelwerke und Ausschreibungen, faire Wettbewerbsbedingungen und eine stärkere Berücksichtigung von Lebenszykluskosten und Umweltwirkungen ein. Gerade bei der anstehenden Modernisierung unserer Infrastruktur müssen politische und rechtliche Rahmenbedingungen Innovation ermöglichen, anstatt bestimmte Bauweisen durch tradierte Vorgaben faktisch zu bevorzugen.
„Die unterschiedlichen Bauweisen sollten bereits in der Planungsphase technologieoffen gegenübergestellt und anhand von Kosten, Bauzeit, Umweltwirkungen, Eingriffen und Lebenszyklus betrachtet werden.“
Gleichzeitig sehen wir eine wichtige Aufgabe darin, die Leistungsfähigkeit der Branche sichtbar zu machen. Erfolgreiche Projekte zeigen, dass grabenlose Verfahren längst nicht mehr nur Speziallösungen für schwierige Randbedingungen sind. Ob beim Neubau oder der Modernisierung von Wasser-, Abwasser-, Energie- und Telekommunikationsnetzen – das Spektrum der Verfahren ist sehr breit und wird durch neue Technologien kontinuierlich erweitert.
Der BGT versteht sich deshalb als Schnittstelle zwischen Praxis, Planung, Auftraggebern und Politik. Wir wollen Wissen vermitteln, den Erfahrungsaustausch fördern, Vorbehalte abbauen und die Rahmenbedingungen für den Einsatz grabenloser Verfahren verbessern. Unser Ziel ist, dass bei jedem Infrastrukturprojekt die Frage selbstverständlich gestellt wird: Welche Bauweise ist unter den gegebenen technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen die beste?
Grabenloses Bauen soll dabei nicht als Gegensatz zum klassischen Tiefbau verstanden werden. Es ist vielmehr ein wichtiger Bestandteil des gesamten Bauens unter der Erde und damit ein entscheidender Baustein für eine leistungsfähige, ressourcenschonende und zukunftsfähige Infrastruktur. Denn die Frage der Zukunft lautet nicht mehr, ob wir grabenlos bauen können. Sie lautet, warum wir dort noch aufgraben, wo wir es nicht müssen.
