
Wie Dreger Tiefbau digitale Werkzeuge integriert
Die Digitalisierung von Baustellen ist kein Selbstzweck. Für Dreger Tiefbau aus Sassenberg im Münsterland steht deshalb nicht die möglichst umfassende Ausstattung mit digitaler Technik im Vordergrund, sondern deren konkreter Nutzen für die tägliche Arbeit.

Digitalisierung muss das Arbeiten auf den Baustellen einfacher machen und unterstützen“, sagt Daniel Dreger. Sein Unternehmen mit 35 Mitarbeitern ist im Straßen-, Tief- und Erdbau sowie bei Abbrucharbeiten tätig. Zunehmend kommen auch Aufträge im Bereich Renaturierung hinzu. Die Kunden sind vor allem Gemeinden, Kommunen, Städte und Versorger in der Region. Der Einstieg in die Digitalisierung erfolgte bei Dreger über die Vermessung. Mit einem Roverstab wurden Gelände, Höhen und Punkte erfasst und anschließend im Büro zu digitalen Geländemodellen und Planungsdaten verarbeitet. Damit wurden Vermessung, Planung und Bauausführung enger miteinander verknüpft.
Planungsdaten auf einen Klick
Im nächsten Schritt kamen digitale Lösungen direkt auf den Baumaschinen zum Einsatz. Zunächst wurden Maschinen mit 2D-Steuerungen ausgerüstet, später folgte der Schritt zur 3D-Maschinensteuerung. Unter anderem wurden ein Cat Kettenbagger 323 und ein Cat Deltalader 299 entsprechend ausgestattet. Die Planungsdaten stehen damit direkt in der Fahrerkabine zur Verfügung. Für Dreger ersetzt die Technik allerdings keineswegs das Fachwissen. Gerade bei der 3D-Steuerung seien korrekte Geländedaten, eine sauber kalibrierte Maschine und zuverlässige Korrektursignale entscheidend. Der Unternehmer weist darauf hin, dass Fehler häufig auf ungenaue Ausgangsdaten, Maschinenverschleiß oder schwierige Empfangsbedingungen zurückzuführen sind. Auch mit digitaler Unterstützung müsse ein Maschinist wissen, wie ein Planum anzulegen ist und einen Plan lesen können.

Entsprechend wichtig ist für das Unternehmen die Einbindung der Mitarbeiter. Neue Anwendungen werden schrittweise eingeführt und durch Weiterbildung ergänzt. „Digitalisierung beginnt nicht mit der Software, sondern mit den Mitarbeitern, die damit arbeiten. Erfahrung, Augenmaß und Fachwissen bleiben entscheidend“, erklärt Dreger.
Weitgehend papierlos
Mittlerweile reicht die Digitalisierung über Vermessung und Maschinensteuerung hinaus. Für die Zeiterfassung nutzen die Poliere iPads, auf denen die Arbeitszeiten der Mitarbeiter erfasst werden. Auch eine Drohne kommt zum Einsatz. Mit den dabei erzeugten digitalen Geländemodellen lassen sich Flächen und Mengen ermitteln, Baufortschritte dokumentieren sowie Aufmaße und Abrechnungen vorbereiten. Mit zunehmender Digitalisierung wächst zugleich die Bedeutung einheitlicher Datenstrukturen und Abläufe. Dafür wurde bei Dreger eine eigene Stelle für IT-Themen geschaffen. Ziel ist es, Informationen möglichst ohne Medienbrüche zwischen Baustelle und Büro zu übertragen und langfristig weitgehend papierlos zu arbeiten.

Der Weg dorthin erfordert nach Einschätzung des Unternehmens allerdings mehr als die Anschaffung entsprechender Technik. „Wir mussten viel lernen, Mitarbeiter erst mal heranführen und uns umstellen“, beschreibt der Experte den bisherigen Prozess. Strukturen, Abläufe und Prozesse mussten angepasst und einheitliche Begriffe festgelegt werden. Für Daniel Dreger bleibt dabei der persönliche Kontakt zu Kunden und Mitarbeitern ein wichtiger Bestandteil. Entscheidend sei die Kombination aus technischem Know-how und praktischem Baustellenverständnis.
