Baggertest 1/2026

Der Komatsu-Kettenbagger PC 220LCi-12

Die Neuauflage dieses weit verbreiteten Baggers war lange erwartet worden. Auf der zurückliegenden Bauma hat Komatsu den PC 220LCi-12 dann vorgestellt. Wir haben jetzt in Hannover die Gelegenheit genutzt, die brandneue Maschine ausgiebig zu testen.

Komatsu PC 220LCi-12
Neue Kabine, neues Design und neue Technik. Der PC 220LCi-12 im Einsatz auf dem werkseigenen Demo-Gelände von Komatsu in Hannover. (Bild: bd/Bömer)

Das Design der bisherigen Komatsu-Kettenbagger war bereits Anfang der 2000er Jahre mit der Serie-7 angelegt worden. Zwischenzeitlich gab es einige Stufen der Modellpflege mit aufgefrischtem Erscheinungsbild der Kabine sowie einer aufgewerteten Arbeitsumgebung für den Fahrer. Außerdem hat der Hersteller die Antriebsmotoren entsprechend der jeweils aktuellen Abgasstufe mehrfach angepasst. Die Systeme für eine intelligente Maschinensteuerung sind zuletzt in der erweiterten Version iMC 2.0 erschienen. Alles in allem hat Komatsu eine sehr ausgereifte Bagger-Baureihe geschaffen. Dennoch gab es auch hier und dort Stimmen, die anmerkten, dass besonders die Kabine zuletzt ein wenig in die Jahre gekommen sei.

Da Bagger zum Kern des Komatsu-Baumaschinenprogramms gehören, nimmt der Hersteller grundlegende Änderungen erst dann vor, sobald deren Marktreife ausreichend abgesichert ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn es so zentrale Bereiche der Maschine wie das Steuerungssystem betrifft. Wenn bei Standardbaggern jetzt also erstmals eine elektro-hydraulische Vorsteuerung zum Einsatz kommt, ist davon auszugehen, dass die neue Technologie jedwede Testreihe erfolgreich absolviert hat. Der PC 220LCi-12 ersetzt mit einem Betriebsgewicht von zirka 24 t künftig den PC 210-11. Während frühe Modelle noch aus japanischer Produktion stammen, sollen sie in Zukunft im britischen Werk des Herstellers vom Band laufen.

Komatsu PC 220LCi-12
Klare Linien: Das Oberwagen-Deck ist komplett flach gehalten, der bisherige Motorhauben-Buckel ist entfallen. (Bild: bd/Bömer)

Der erste Eindruck

Schon von Weitem wird auf dem werkseigenen Demo-Gelände in Hannover deutlich, dass es sich um eine komplett neue Maschinenkonstruktion handeln muss. Bei der Suche nach einer unverwechselbaren Formensprache besteht ja stets die Gefahr, sich zu verzetteln oder Bauteile zu entwerfen, die kostspielig in der Herstellung (und als Ersatzteil!) sind, ohne dabei einen direkten Mehrwert für den Anwender mit sich zu bringen. Den Komatsu-Designern ist dabei ein wirklich guter Kompromiss gelungen: Der PC 220LCi-12 wirkt modern mit klaren Linien und verzichtet auf Spielereien. Der übliche Motorhauben-Buckel ist entfallen, dafür wurde das Oberwagendeck um 170 mm angehoben und schließt nach oben bündig mit dem Kontergewicht ab.

Eine direkte Sicht nach hinten wäre somit theoretisch möglich, jedoch liefert das Bild der Heckkamera deutlich wertvollere Informationen über das, was sich beispielsweise unmittelbar hinter der Maschine befindet. Die seitlichen Weitwinkelkameras sind geschützt in trapezförmigen Leisten platziert. Letztere haben die Designer farblich abgesetzt. Sie bilden damit einen optischen Akzent als Abschluss der Seitenverkleidungen nach oben. Am Rahmen des Oberwagens und im unteren Teil des Heckgewichts sind anthrazitfarbene Abdeckungen zu erkennen, diese waren bei der Demo-Maschine noch Platzhalter für ein Antikollisionssystem, welches im Laufe dieses Jahres verfügbar sein wird. Bei der iMC-Version wurden die GPS-Antennen vollständig im Aufbau integriert, was sie vor Beschädigung oder unautorisiertem Eigentumsübergang schützt.

Neu ist auch die Kabine mit einem frischen Design, mehr Volumen und größeren Glasflächen. Doch dazu später mehr. Die Stahlbaukomponenten der Ausrüstung machen zwar einen vertrauten Eindruck, sind jedoch verstärkt worden, um den gesteigerten Kräften Rechnung zu tragen. Gleiches gilt für die Aufnahme des Auslegers im Oberwagen, wo die Blechstärken der Wangen ebenso erhöht worden sind. Dank des neuen elektro-hydraulischen Steuerschiebers konnte die Schlauchführung vereinfacht werden, da ja sämtliche Niederdruckleitungen aus der Kabine entfallen. Auch der Aufstieg zum Oberwagen hat Komatsu neugestaltet. Er erfolgt jetzt von der Seite und bietet rutschsichere Trittstufen mit beidseitigen Handläufen, die einen echten Dreipunkt-Kontakt gewährleisten. Sämtliche Filter befinden sich auf der rechten Seite, ebenso wie der Ad-Blue-Tank, welcher nun vom Boden aus erreichbar ist.

In der Kabine

Die neue Kabine dürfte den stärksten ersten Eindruck bei potenziellen Kunden und Anwendern hinterlassen. Der Wegfall der hydraulischen Vorsteuerleitungen war der perfekte Anlass, um bei der Kabinen-Gestaltung noch einmal bei Null anzufangen. Was sofort auffällt: Sie wirkt größer. Dies wird auch durch den Blick in die technischen Daten bestätigt. Der Volumenzuwachs beträgt laut Komatsu 16 %. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen fallen die Säulen zierlicher aus, was gleichbedeutend mit einem höheren Glasanteil ist. Besonders fällt dies an der rechten Kabinenseite auf. Dort ist nämlich die vordere Konsole komplett entfallen und die Scheibe reicht bis zum Boden. Es handelt sich hier zwar sicher nicht um eine Haupt-Blickachse, jedoch schadet die direkte Sicht auf das Fahrwerk nie, besonders bei Hindernissen oder beim Verladen auf den Tieflader. Im Kabinendach gibt es jetzt ein großes Polycarbonat-Fenster, das bei Bedarf mit einem Rollo beschattet werden kann. Weitere Neuerung für eine klare Sicht: Die Serie-12 ist mit einem kräftig dimensionierten Parallelogramm-Wischer ausgestattet, der auch den unteren Teil der Frontscheibe bestreicht. Es scheint außer mir also noch ein paar mehr Leute gegeben zu haben, die den bisherigen Radial-Scheibenwischer als etwas unterdimensioniert für so einen ausgewachsenen Bagger empfunden haben.

Komatsu PC 220LCi-12
Ein Highlight der Serie-12: Die neue Kabine bietet mehr Raum (16%), mehr Beinfreiheit (30%) und mehr Glas. (Bild: bd/Bömer)

Wenig auffällig ist im Vergleich dazu die Frontkamera an der linken Ecke der Kabine, die in Kombination mit den Seiten und Heckkameras ein vollständiges 360-Grad-Bild auf das Display liefert. Dieses sogenannte KomVision-System gehört vernünftigerweise zur Standardausrüstung der Maschine. Die linke Steuerkonsole lässt sich jetzt hochklappen, was den Einstieg verbreitert und das Risiko minimiert, beim Aussteigen mit einem Kleidungsstück einzufädeln und dadurch ins Straucheln zu geraten. Bekanntlich passieren ja die meisten Unfälle mit Baumaschinen beim Auf- und Absteigen. Hat der Fahrer auf dem Sitz Platz genommen, geht die Entdeckungstour weiter. Um die vollständig geöffnete Tür vom Fahrersitz aus zu schließen, gibt es jetzt einen Griff. Und wer schon öfter in einem Komatsu-Bagger gesessen hat, dem fällt gleich auf: Die blauen Folientaster sind Geschichte! Stattdessen gibt es einen 8-Zoll-Touchscreen, der bei der iMC-Maschine durch einen weiteren mit 10,1-Zoll-Bildschirmdiagonale ergänzt wird. Obwohl physische Schalter zu einer aussterbenden Spezies gehören, sind für häufig genutzte Funktionen wie Wischer und Licht noch gut zugängliche Gummi-Taster vorhanden.

Die Maschinen für den europäischen Markt liefert der Hersteller mit ergonomischen Joysticks, welche der Form nach den skandinavischen Modellen ähneln, die eigens für die Verwendung mit Tiltrotatoren entwickelt wurden. Dabei sind deren Taster und Rollen je nach Anbaugerät und Gewohnheit des Bedieners im Display frei belegbar. Einstellmöglichkeiten sind in beeindruckender Anzahl vorhanden, so dass mir ein einzelner Durchgang betreutes Durchklicken mit dem Produktspezialisten definitiv nicht genügte, um alles zu erfassen. Hier sind zusätzlich zum grundsätzlichen Interesse an der Materie spezifische Schulungen notwendig, aber auch Video-Tutorials könnten hilfreich sein, denn das gewaltige Handbuch dürfte manchen abschrecken.

Komatsu PC 220LCi-12
Display statt Schalter. Die überwiegende Zahl an Einstellungen wird über Touchscreens vorgenommen, nur für häufig genutzte Funktionen wie Wischer oder Licht gibt es noch ein paar gut zugängliche Taster. (Bild: bd/Bömer)

Die elektro-hydraulische Vorsteuerung in Kombination mit der 2D(3D)-Ausrüstung ermöglicht Funktionen, die bislang kaum vorstellbar waren. Hier eine Auswahl ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit: Höhen- und Seitenbegrenzung, Abzieh-Assistent, Wiegefunktion mit Fahrzeugerkennung, Geschwindigkeits-Anpassung für jede einzelne Funktion, Anpassung des Ansprechverhaltens der Joysticks, Fahrtrichtungsanzeige sowie Joysticklenkung.Was dem einen als zu viel Spielerei erscheinen mag, dürfte anderen echten Nutzwert bringen. Die Anwender müssen natürlich Kenntnis über die vielfältigen Optionen erlangen, ansonsten werden sie diese eventuell niemals entdecken. Sollte sich die Maschine einmal seltsam verhalten, liegt das höchstwahrscheinlich daran, dass etwas zu forsch an den Reglern im Menü gedreht wurde. Für diesen Fall gibt es glücklicherweise die Möglichkeit, das System mit wenigen Klicks auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen.

Im Testbetrieb

Auf dem Demo-Gelände startet der Motor nach Authentifizierung schlüssellos per Drehschalter. Bei laufendem Kabinen-Gebläse lässt sich akustisch kaum mehr vernehmen, ob die Maschine tatsächlich angesprungen ist. Auch während des Arbeitens bei voller Drehzahl ist es in der Kabine ausgesprochen leise. Und dann ging es los: Oha! Bei voller Power liefert die Hydraulikpumpe mehr als 500 l/min und der Bagger beschleunigt dermaßen, dass es dem Bediener schwerfallen dürfte, mit diesem Tempo auf Dauer mitzuhalten. Dank des elektronisch geregelten Steuerschiebers mit Rückölverwertung ist er jedoch bereits in der Eco-Stufe so zügig unterwegs, dass dies für die meisten Aufgaben vollkommen ausreichend sein dürfte. Es braucht gewiss einen Moment, bis hier jeder seine bevorzugte Einstellung gefunden und sich eingegroovt hat.

Komatsu PC 220LCi-12
Vier Zylinder erzeugen reichlich Leistung (129 kW / 175 PS). Trotz des kleineren Motors wird kein Platz im Motorraum verschenkt. (Bild: bd/Bömer)

Ich empfehle daher folgende Vorgehensweise: Selbst ausprobieren, im Zweifel Rat einholen, diesen auch beherzigen und erst dann meckern. Wo wir gerade bei (emotionalen) Herausforderungen sind: Der neue Komatsu hat einen Vier-Zylinder-Motor! Da das sonore Wummern eines Sechs-Zylinders jedoch weder Baugruben aushebt noch Rechnungen bezahlt, muss man(n) wohl zur Kenntnis nehmen, dass es auch ohne funktioniert. Der Bagger ist schneller denn je und laut Datenblatt wurden die Grabkräfte ebenso gesteigert! Beim Schwenken in Schrägstellung reagiert die Steuerung sehr präzise, auch im Feinsteuerbereich zeigt der Oberwagen keinerlei Neigung zum Abdriften. Die Bedienung des Fahrwerks über die Rollen auf den Joysticks ist wirklich praktisch, besonders beim Versetzen entlang von Linienbaustellen.

Komatsu PC 220LCi-12
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Die Demo-Maschine war natürlich mit der intelligenten Maschinensteuerung iMC 3.0 ausgestattet, und da für das Testgelände ein Geländemodell hinterlegt ist, konnte ich auch diese praktisch erproben. Im teilautonomen Modus folgt die Löffelschneide dem virtuellen Soll-Profil und zwar lediglich durch das Betätigen der Stielfunktion. Steht der Oberwagen verschränkt zu der Fall-Linie der zu erstellenden Böschung, justiert die Maschine auch den Schwenklöffel entsprechend nach. Das alles erfolgt in Echtzeit mit erstaunlichem Tempo und liefert beim ersten Durchgang ein fertiges Ergebnis. Sehr beeindruckend!

Unser Fazit

Mit dem PC 220LCi-12 ist Komatsu jetzt auf der Höhe der Zeit. Da immer mehr große Player auf das elektro-hydraulische Steuersystem umsteigen, wird hier eindeutig die Zukunft liegen. Unter technischen Aspekten wie Maschinensteuerung, Digitalisierung und Vernetzung führt sowieso kein Weg daran vorbei. Die neue Kabine dürfte durch ihre Größe und Ausstattung überzeugen. Mit dem neuen Bagger gibt Komatsu einen Ausblick in die Zukunft. Und wir sind gespannt, wie die Entwicklung der Baureihe weitergeht.

 

Komatsu Bagger in Europa

 

In den 1980er Jahren gewann Komatsu mit den Hydraulikbaggern zunehmende Marktanteile in Europa. Dies führte zu Verstimmungen bei den einheimischen Herstellern und veranlasste schließlich die EG-Kommission 1985 dazu, einen Anti-Dumpingzoll gegen japanische Bagger-Hersteller zu verhängen. Dies war auch einer der Gründe, weshalb sich Komatsu zum Aufbau einer Produktion auf europäischem Gebiet entschloss und die ehemalige Caterpillar-Fabrik in Birtley (nahe Newcastle) erwarb, wo der offizielle Start der Fertigung im März 1987 erfolgte. Auch damals gehörte bereits ein PC 220 (Serie-3) zu der Bagger-Reihe. Die Maschinen unterschieden sich vom Stahlbau und der Hydraulik grundsätzlich von der Konzeption vieler einheimischer Hersteller. Wäre es nach deren Prognosen gegangen, hätte die japanische Herangehensweise keine Zukunft gehabt. Es kam völlig anders.