
Durchgängige Prozesse statt Insellösungen bei MTS-Tiefbauprojekt
Wie lässt sich eine durchgängige Digitalisierung im kommunalen Tief- und Straßenbau bereits heute praxisnah umsetzen und skalieren? Antworten auf diese Frage liefert die Firma MTS Schrode auf einer digitalen Best-Practice-Baustelle in St. Johann-Bleichstetten.

Von der Kalkulation über die modellbasierte Planung und zentrale Datenhaltung in der Cloud bis hin zur digitalen Bauausführung, Dokumentation und Abrechnung: Die Referenzbaustelle auf der Schwäbischen Alb bildet den gesamten Bauprozess digital und medienbruchfrei ab. Als gemeinsame Datengrundlage für Planung und Ausführung dienen dabei digitale Geländemodelle. Deshalb standen am Anfang des Projekts die präzise Kalkulation und die Erstellung eines 3D-Modells, das der geplanten Ausführung 1:1 entspricht und mit dem Leistungsverzeichnis verknüpft wurde.
Dieses Modell haben die Verantwortlichen anschließend über die Cloud an die Baustelle übergeben, konkret an die 3D-Rover sowie die 3D-Baggersteuerung. „Der Vorteil für den Baggerfahrer besteht darin, dass er sämtliche Informationen zur Bauausführung direkt aus dem 3D-Modell erhält und dadurch produktiver arbeiten kann, ohne auf Unterstützung anderer angewiesen zu sein. Dies führt zu einer erheblichen Steigerung der Effizienz und Genauigkeit auf der Baustelle“, sagt MTS-Vorstandsvorsitzender Rainer Schrode. Die Maßnahme umfasst sämtliche Gewerke – vom Kanal-, Wasser-, Breitband- und Stromleitungsbau bis hin zum Straßenbau – und hat ein Projektvolumen von zirka 2,3 Millionen Euro.

Digitale Geländemodelle als Basis
Der durchgängige Datenworkflow reicht soweit, dass auch der Baufortschritt direkt auf der Baustelle digital erfasst und in ein As-Built-Modell überführt wird. Dieses steht dem Auftraggeber anschließend als strukturierte Datengrundlage für Bewirtschaftung, Unterhaltung und zukünftige Maßnahmen zur Verfügung. So kann MTS den geschlossenen Datenkreislauf – von der Kalkulation über die Ausführung bis zur Abrechnung und Übergabe ins GIS – transparent darstellen. Dazu gehört auch die langfristige Sicherung strukturierter Bestandsdaten.
Projekt mit Modellcharakter
Die Best-Practice-Baustelle in St. Johann-Bleichstetten ist das Ergebnis mehrjähriger Pilot- und Entwicklungsprojekte und wurde von der Bauwirtschaft Baden-Württemberg als Referenzprojekt mit Modellcharakter ausgewählt. Sie zeigt, wie Digitalisierung im Tiefbau nicht nur punktuell, sondern als konsequent durchgängiger Prozess umgesetzt werden kann. Zugleich liefert das Projekt Impulse für Standards, Qualifizierung und eine koordinierte Umsetzung.
Rainer Schrode, MTS-Vorstandsvorsitzender
„Digitalisierung funktioniert bereits heute. Sie muss nur angewendet werden. Ausschlaggebend ist, bereits in der Beauftragung digitale 3D-Modelle vorzusehen, um über die gesamte Bauphase hinweg produktiver arbeiten und langfristig strukturierte Daten sichern zu können. Der Appell lautet: Nicht warten, sondern machen, denn das technisch Mögliche ist längst Realität.“