
Was denken Bauunternehmer über elektrifizierte Baumaschinen?
Elektrische Baumaschinen gelten als Schlüsseltechnologie für leise und emissionsärmere Baustellen und sind längst keine Zukunftsvision mehr. Unter dem Label „Zero Emission“ bieten mittlerweile viele Hersteller (batterie-)elektrische Baumaschinen an. Dennoch zeigt sich auf den meisten Baustellen ein Bild, das weiterhin von konventionell dieselbetriebenen Baumaschinen geprägt ist. Vor diesem Hintergrund hat die TU Braunschweig im Rahmen einer Studienarbeit Bauunternehmen zur – potenziellen – Nutzung von elektrischen Baumaschinen online befragt.

Dabei war insbesondere von Interesse, welche Erfahrungen bereits vorliegen, welche Vorteile die Baupraxis sieht – und welche Faktoren einer breiteren Nutzung derzeit noch im Wege stehen. Aufgrund der Stichprobengröße von 149 Teilnehmern sind die Ergebnisse zwar nicht repräsentativ, geben allerdings eine erste Orientierung. Dabei hat unsere Umfrage vor allem Personen in Entscheidungspositionen in Unternehmen erreicht, wie die Auswertung zeigt.

Von den insgesamt 149 Befragten befinden sich 63 % in einer direkten Entscheidungsposition, beispielsweise in der Geschäftsführung oder Projektleitung. 18 % der Befragten sind im Geräte- bzw. Fuhrparkmanagement tätig, nur 2 % geben „Maschinist“ als Tätigkeitsfeld an. Gleichzeitig sind insbesondere Unternehmen des Tiefbaus (71 %) und des Straßen- bzw. Infrastrukturbaus (61 %) in der Studie stark vertreten.
Hoher Preis als Hemmnis
Zu den größten Potenzialen elektrifizierter Baumaschinen zählen die Befragten – wie die Grafik rechts oben zeigt – vor allem die Emissionsminderung (87 %) sowie die deutliche Lärmreduktion (83 %). Zudem sehen sie Vorteile für innerstädtische Baustellen (75 %) sowie positive Effekte für ihr Unternehmensimage (70 %). Gleichzeitig gibt es zentrale Hemmnisse (siehe Grafik 2): Besonders nennen die Studienteilnehmer den hohen Anschaffungspreis (82 %) sowie die fehlende Ladeinfrastruktur (79 %). Aus baubetriebswirtschaftlicher Sicht sind vor allem die Hemmnisse hinsichtlich eines erhöhten Aufwands für die Baustellenlogistik (68 %) sowie des zusätzlichen Platzbedarfs für Lade- und Speichertechnik (47 %) interessant.

Die Mehrheit ist aufgeschlossen
Von den insgesamt 149 Befragten gaben 85 Personen (58 %) an, bereits E-Baumaschinen getestet oder verwendet zu haben. Im Vergleich dazu haben 64 Befragte bzw. 43 % keine Erfahrung mit elektrifizierten Baumaschinen. Nur circa ein Fünftel der Befragten (23 %) hat E-Baumaschinen aktuell tatsächlich im Einsatz. Die durchschnittliche Zufriedenheit derjenigen Befragten, die E-Baumaschinen getestet bzw. aktuell im Einsatz haben, liegt wiederum „nur“ im mittleren bis positiven Bereich. Auf einer Skala von ein bis fünf Sternen bewerten die Befragten die Zufriedenheit mit 3,26. Demnach gelingt der Einsatz von E-Baumaschinen zwar grundsätzlich in der Baupraxis, verdeutlicht allerdings auch, dass die Elektrifizierung für viele Unternehmen noch ein Lernprozess ist, bei dem Erfahrungen gesammelt und Einsatzkonzepte entwickelt werden müssen.

Gleichzeitig zeigt sich eine grundsätzliche Offenheit für E-Baumaschinen. Während 16 % der Befragten ohne Erfahrung die Frage verneinen, sind hingegen 48 % bereit, innerhalb der nächsten zwölf Monate ein Pilotprojekt mit elektrischen Baumaschinen umzusetzen. Diese Bereitschaft ist ein wichtiges Signal, denn sie zeigt, dass die Branche die Elektrifizierung nicht grundsätzlich ablehnt.
Fazit
Für uns – meinen Co-Autor Henrik Ludewig-Meier, Student der TU Braunschweig, und mich – zeichnet sich daher folgendes Bild: Die Elektrifizierung von Baumaschinen ist ein aktuelles Entwicklungsthema, das zunehmend Einzug in die Baupraxis hält. Wir würden uns über einen zukünftigen Austausch mit Unternehmen und Praxispartnern freuen, um gemeinsam zukunftsfähige Baulogistikkonzepte für den Einsatz elektrifizierter Baumaschinen weiterzuentwickeln.
Gastkommentar von Gerrit Placzek, M. Sc. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb, TU Braunschweig