Construction Future Lab

Gastkommentar Benjamin Beck: Wissenschaft schneller in die Praxis überführen

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In Görlitz eröffnet spätestens im Januar 2027 das Construction Future Lab als unabhängiger Forschungs- und Entwicklungsraum für Digitalisierung und Automatisierung in der Bau- und Baumaschinenbranche. (Bild: CFLab)

Die Digitalisierung der Bauwirtschaft ist längst keine Zukunftsvision mehr. Intelligente Assistenzsysteme, automatisierte Baumaschinen, KI-gestützte Objekterkennung oder digitale Zwillinge stehen heute technisch zur Verfügung. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch darin, diese Technologien zuverlässig in den Baustellenalltag zu überführen.

Denn anders als in der industriellen Fertigung herrschen auf Baustellen ständig wechselnde Bedingungen. Untergrund, Witterung, Material und Arbeitsabläufe verändern sich kontinuierlich. Gleichzeitig müssen Maschinen verschiedener Hersteller, Softwarelösungen und digitale Planungsdaten reibungslos zusammenarbeiten. Technologien, die unter Laborbedingungen überzeugen, müssen deshalb vor allem eines leisten: unter realen Einsatzbedingungen funktionieren.

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Benjamin Beck verantwortet die Bereiche Strategie und Vertrieb im CFLab. (Bild: CFLab)

Für Bauunternehmen und Maschinenhersteller stellt sich damit zunehmend die Frage, wie Innovationen mit vertretbarem Risiko bewertet und eingeführt werden können. Immer wichtiger werden deshalb offene Erprobungsumgebungen, in denen neue Technologien gemeinsam entwickelt, getestet und weiterentwickelt werden können. Sie ermöglichen es, technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und den tatsächlichen Mehrwert frühzeitig zu bewerten – bevor größere Investitionen erfolgen.

Herstellerneutrale Unterstützung

Diesen Ansatz verfolgen wir mit unserem Construction Future Lab (CFLab), einem gemeinnützigen Unternehmen, das aus der TU Dresden hervorgegangen ist und sich als Forschungs- und Entwicklungspartner versteht. Wir – ein interdisziplinäres Team aus Maschinenbau, Bauingenieurwesen, Mechatronik und technischem Design, das wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Erfahrung verbindet – unterstützen Unternehmen dabei, technologische Innovationen systematisch und praxisnah in ihre Prozesse zu integrieren – herstellerneutral und technologieoffen. Damit schließt das CFLab die Lücke zwischen universitärer Forschung und industrieller Entwicklung. Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Entwicklungen schneller in die industrielle Anwendung zu überführen und Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Bauprozesse herstellerneutral zu unterstützen.

Die Themen reichen von der Automatisierung von Baumaschinen über KI-basierte Umgebungs- und Objekterkennung bis hin zu digitalen Workflows, BIM-Schnittstellen und standardisierten Kommunikationsarchitekturen. Ebenso gewinnen Digitale Zwillinge und physikalisch basierte Simulationen an Bedeutung. Sie ermöglichen es, Maschinen und Bauprozesse bereits virtuell zu entwickeln, zu testen und zu optimieren, wodurch Entwicklungszeiten verkürzt und Risiken reduziert werden können.

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Ende August 2026 fand nach nur einem Jahr Bauzeit durch den CFLab-Partner Goldbeck die feierliche Schlüsselübergabe statt. (Bild: CFLab)

Auch robotergestützte Bauverfahren entwickeln sich dynamisch. Insbesondere der 3D-Druck von Beton und Lehm zeigt, welches Potenzial automatisierte Fertigungsprozesse künftig besitzen. Entscheidend für den wirtschaftlichen Einsatz sind dabei jedoch nicht nur spektakuläre Demonstrationen, sondern robuste Maschinenkonzepte, stabile Prozesse und eine zuverlässige Steuerungs- und Regelungstechnik.

Um diese Technologien unter praxisnahen Bedingungen weiterzuentwickeln, entsteht derzeit in Görlitz ein neues Erprobungsökosystem für die Bauwirtschaft. Auf einem rund 20.000 m² großen Testgelände werden digitale Bauprozesse, automatisierte Maschinen und Baurobotik künftig unter realistischen Bedingungen erprobt und weiterentwickelt. Die Infrastruktur umfasst unter anderem eine Maschinenhalle, digitale Laborbaustellen für Tief-, Straßen- und teilweise Hochbau, Robotik- und 3D-Druck-Anlagen sowie Versuchsmaschinen unterschiedlicher Hersteller, darunter ein 22-t-Raupenbagger, ein 5-t-batterieelektrischer Radlader, ein 6-t-Dumper, ein Schnellaufbaukran, verschiedene Mehrachs-Gelenkarmroboter, Netzwerktechnologien, Telematikmodule, Elektronik und Sensorik, einen Fernsteuerungsplatz sowie Simulatoren.

Für die Branche entsteht damit ein Ort, an dem Bauunternehmen, Maschinenhersteller, Softwareentwickler und Forschungseinrichtungen gemeinsam an Lösungen arbeiten können, denn die Wettbewerbsfähigkeit der Bauwirtschaft entscheidet sich künftig nicht allein an einzelnen Technologien. Erst das Zusammenspiel von Digitalisierung, Automatisierung und offenen Standards ermöglicht effizientere Prozesse, höhere Produktivität und einen nachhaltigeren Einsatz von Maschinen. Offene Erprobungsplattformen können diesen Technologietransfer erheblich beschleunigen – und damit einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche leisten.