Ausbau der Europastraße E 18 in Norwegen
Stemmenbrua Norwegen

E-18-Ausbau mit deutschen Vorschubgerüsten

Das Herzstück des aktuellen E-18-Ausbaus ist die Stemmenbrua mitten in einem Naturschutzgebiet in Südnorwegen. (Bild: PNC Norge)

Teile der Europastraße E 18 im Süden Norwegens werden mit geänderter Trassenführung neu errichtet. Bei der Baumaßnahme für die Talbrücke K 150 Stemmenbrua kommen die Röro-Trag- und -Vorschubgerüste von Thyssenkrupp Infrastructure zum Einsatz. Die mietfähigen Systeme punkten nicht nur mit ihrer Modularität.

Die Europastraße 18 (E 18) verläuft auf rund 1.880 km in Ost-West-Richtung von Russland über Schweden und Norwegen bis nach Nordirland. Teilabschnitte – wie die 16 km lange Strecke von Rugtvedt nach Dørdal – müssen erneuert werden. Dazu gehören mehrere Brücken- und Tunnelneubauten. Herzstück der aktuellen Baumaßnahme ist die Talbrücke K 150 Stemmenbrua. Einen entscheidenden Anteil daran hat das Röro-Vorschubgerüst von Thyssenkrupp Infrastructure, das auf einer Länge von rund 320 m eingesetzt wird. Die norwegische PNC Norge aus Oslo, eine Tochtergesellschaft der österreichischen Porr AG, beauftragte die Experten für Vorschub- und Traggerüste aus Deutschland mit der logistisch anspruchsvollen Lieferung und Montage der Traggerüste. Sie werden für die Erstellung der Stemmenbrua sowie 14 weiterer Brückenbauwerke benötigt.

Brückenbauarbeiten an Europastraße E 18 in Norwegen
Zum Abschluss der Brückenbauarbeiten erfolgt der Vorschub in das mittige 60-m-Brückenfeld. (Bild: PNC Norge)

Die Stemmenbrua ist eine sogenannte semi-integrale Brücke, bei der die Brückenpfeiler teilweise monolithisch mit dem Überbau der Brücke verbunden sind. Lediglich an den Widerlagern und Randpfeilern befinden sich Brückenlager. „Daher können keine anderen Bauweisen für die Herstellung des Überbaus angewendet werden“, erläutert Matthias Lang, Projektleiter Vorschubgerüste bei Thyssenkrupp Infrastructure. „Hinzu kommt, dass ein Naturschutzgebiet erhöhte Anforderungen an die Baumaßnahme stellt.“ Die Stemmenbrua mit einer maximalen Höhe von gut 55 m ist in sieben Brückenfelder mit 32, 48, 48, 60, 48, 48 und 32 m aufgeteilt und wird als Hohlkastenquerschnitt ausgebildet.

Das 114 m lange Vorschubgerüst besteht aus 2,30 m hohen und 12 m langen modularen Vollwandträgern HV21, verlängert durch Fachwerkträger U 2000-2. Auf den Vollwandträger werden die Schalungsquerträger HEB 550 montiert, die hydraulisch quer verschiebbar sind. Diese Schalungsquerträger tragen wiederum die Schalung, welche die Querschnittsform des Überbaus nachbildet. „Damit eine einheitliche Biegelinie bei dem Brückenbauwerk entsteht, wird über jeden Brückenpfeiler hinaus immer ein Kragarm mit einem Fünftel der Länge des Brückenfelds mitbetoniert“, erklärt Lang. An diesem Kragarm werde dann das Vorschubgerüst für den nächsten Bauabschnitt angehängt – außer beim mittigen 60-m-Feld. „Hier wird von der einen Seite kommend der Kragarm in das Feld betoniert. Anschließend verschieben wir das komplette Vorschubgerüst über das gesamte Tal und von dort aus wieder in Richtung 60-m-Feld.“ Am Ende ragen zwei Kragarme in das Brückenfeld, zwischen denen dann das Vorschubgerüst für den letzten herzustellenden Abschnitt angehängt wird.

Neben dem Vorschubgerüst für die Stemmenbrua liefert Thyssenkrupp Infrastructure auch die Traggerüste für 14 weitere Bauwerke der neuen E 18 durch Südnorwegen. Dazu zählen fünf Talbrücken (bis 213 m lang), Überfahrten und zwei Tunnelbauwerke. Binnen einer Zweijahresfrist müssen alle 15 Bauwerke fertiggestellt sein. Rund 3.000 t Material wurden dafür von Deutschland nach Norwegen transportiert. Zur Leistung des deutschen Schalungsspezialisten gehört aber nicht nur der Import aller Materialien inklusive der Zollabwicklung, sondern ebenso die technische Bearbeitung hinsichtlich der Statik der Traggerüste, deren Auf-, Um- und Abbau sowie das Verschieben des Vorschubgerüsts.