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Hydraulikinitiative und VDBUM-Arbeitskreis – was steht auf der Agenda?

Hydraulik ist das Rückgrat moderner Baumaschinen. Um große Kräfte präzise, robust und zuverlässig zu übertragen, führt kein Weg an hydraulischen Systemen vorbei. Und dennoch steht die Hydraulik heute vor einem paradoxen Problem – nicht technisch, sondern strukturell und gesellschaftlich. Genau hier setzen die Hydraulikinitiative und der gerade gegründete Arbeitskreis Hydraulik im VDBUM an. Wir erklären, worum es den Initiatoren um Ulrich Hielscher, Geschäftsführer der Internationalen Hydraulik Akademie (IHA), sowie Hydropa-Geschäftsführer Axel Binner, Mitglied im VDMA und Lehrbeauftragter an der Hochschule Bochum, ganz konkret geht.

Bild: Adobe Stock / Sergey Ryzhov

Wer steckt hinter der Initiative?

Getragen wird die Initiative von Fachleuten aus Hydraulikindustrie, Ausbildungseinrichtungen, Hochschulen und Weiterbildungsakademien. Unterstützt wird sie von Hydraulikherstellern, Komponentenlieferanten und Schulungsanbietern. Ziel ist es, gemeinsam auf einen wachsenden Missstand aufmerksam zu machen: den schleichenden Verlust von hydraulischem Fachwissen in Ausbildung, Studium und Praxis. Noch fehlen große Baumaschinenhersteller als institutionelle Unterstützer – deren Einbindung gilt als nächster entscheidender Schritt.

Was ist das Ziel?

Kernanliegen der Initiative ist es, Hydraulik wieder sichtbar, verständlich und attraktiv zu machen – und langfristig strukturell abzusichern. Konkret geht es darum, neue Ausbildungs- und Qualifikationswege zu etablieren, etwa einen klar definierten Schwerpunktberuf oder eine anerkannte Zusatzqualifikation mit Fokus auf Hydraulik für Bau- und Landmaschinen. Gleichzeitig soll das Image der Hydraulik korrigiert werden: weg von „laut, dreckig und ineffizient“ hin zu einer modernen Schlüsseltechnologie.

Ulrich Hielscher

Warum ist Hydraulik unverzichtbar?

Gerade im Baumaschinensektor ist Hydraulik nicht ersetzbar. Zwar werden Dieselmotoren künftig zunehmend durch elektrische Antriebe ersetzt, doch die eigentliche Arbeitsfunktion – das Heben, Drücken, Schwenken und Bewegen großer Lasten – bleibt hydraulisch. Alternative elektromechanische Systeme stoßen hier physikalisch und wirtschaftlich an Grenzen. Die vielfach kolportierte Behauptung, Hydraulik sei grundsätzlich ineffizient, hält einer fachlichen Betrachtung nicht stand: Moderne Hydraulikkomponenten erreichen in einzelnen Anwendungen Wirkungsgrade von über 95 Prozent. Pauschale Vergleiche mit elektromechanischen Antrieben sind fachlich unzulässig und verzerren die Diskussion.

Wo liegen die Probleme?

Die größten Herausforderungen liegen nicht in der Technik, sondern in Ausbildung und Nachwuchs. Hydraulik verschwindet zunehmend aus Lehrplänen von Berufsschulen und Hochschulen. An Universitäten wird sie zugunsten vermeintlich moderner Themen zurückgedrängt. In der beruflichen Ausbildung spielt Hydraulik oft nur eine Nebenrolle, häufig ersetzt durch kostengünstigere Pneumatik-Schulungen. Tiefergehendes Wissen fehlt.

Gleichzeitig gehen die erfahrenen Fachkräfte der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Dieses Praxiswissen wurde lange informell weitergegeben – nun droht es verloren zu gehen. Schon heute müssen Unternehmen ihre Mitarbeitenden über externe Schulungen qualifizieren, da es keinen klaren Berufsweg „Hydrauliker“ gibt. Selbst Berufsschullehrkräfte fehlen, die Hydraulik fundiert unterrichten können.

Axel Binner

Welche Folgen drohen?

Der Worst Case ist realistisch: Maschinen können nicht mehr fachgerecht gewartet, geprüft oder repariert werden, weil das Know-how fehlt. Die Berufsgenossenschaften beobachten bereits eine Zunahme hydraulikbedingter Arbeitsunfälle, etwa durch defekte Leitungen oder unsachgemäße Instandhaltung. Offizielle Statistiken dazu fehlen bislang – doch erste Auswertungen sind alarmierend. Hinzu kommt ein strategisches Risiko: Während Länder wie China Hydraulik als wirtschaftlichen Schlüsselfaktor begreifen und gezielt fördern, droht Deutschland, Know-how, Wertschöpfung und technologische Souveränität zu verlieren.

Warum jetzt handeln?

Die Mühlen der Berufsbildung mahlen langsam. Die Neuordnung oder Einführung eines Ausbildungsberufs dauert Jahre und erfordert eine breite industrielle Unterstützung. Genau deshalb versteht sich die Hydraulikinitiative als Startpunkt: Sie bündelt Bedarfe, schafft Strukturen, sammelt Unterstützer und liefert Argumente für Institutionen wie das Bundesinstitut für Berufsbildung.

Die Botschaft ist für Ulrich Hielscher und Axel Binner klar: Hydraulik ist nicht von gestern. Sie ist systemrelevant für den Bau und braucht dringend eine Zukunft in Ausbildung, Lehre und öffentlicher Wahrnehmung. Nur dann bleibt sie das, was sie heute ist: eine Schlüsseltechnologie der Baumaschinenwelt.

Hydraulik ist nicht von gestern. Sie ist systemrelevant für den Bau und braucht dringend eine Zukunft in Ausbildung, Lehre und öffentlicher Wahrnehmung. Nur dann bleibt sie das, was sie heute ist: eine Schlüsseltechnologie der Baumaschinenwelt.