Kippertest 12/2020

Iveco X-Way 8×4-Kipper mit Meiller-Dreiseitenkipper

Iveco adaptiert das neue S-Way-Fahrerhaus für die Range der Baufahrzeuge. Die heißen und hießen auch vorher schon X-Way. Wir fuhren den X-Way als Vierachs-Kipper in 8x4-Radformel mit dem niedrigen, langen Haus – und 570 PS.

Iveco X-Way 8x4
Optisch macht der X-Way mit niedrigem und langem Haus was her: elegant-aggressive Mischung aus Straßen- und Gelände-Optik. (Bild: bd/Domina)

Das Übertragen von neuen Grundmustern auf die verschiedenen Einsatzsparten kann dauern. Bei Iveco ging die Transformation X-Way alt zu X-Way neu jedoch fix. Kaum war die erste Fernverkehrs-Sattelzugmaschine fertig für den Pressetest, folgte auch schon eine Kipper-Variante mit dem neuen, scharf geschnittenen Gesicht und der Kabine des S-Way. Einen wahren Wonneproppen hat uns die Ulmer Testabteilung da zum Fahrbericht geschickt. Ach so: Fahrbericht heißt es immer dann, wenn wir keine Verbrauchswerte messen dürfen. Dürfen wir messen, dann ist es ein Test. Einem 8×4-Kipper mit nur 1.500 km auf dem Tacho aber eine Verbrauchsmessung abzunehmen, wäre in der Tat nicht fair. Der Vielachser ist mit dieser Laufleistung weit davon entfernt, als eingelaufen zu gelten. Da braucht es mindestens das Zehnfache. Optimal sind beim Kipper eher um die 40.000 km – dann rollt auch ein relativ steifgelenkiger Vierachser ganz zufriedenstellend.

Iveco X-Way 8×4-Kipper

Pro & Kontra:

lang, drehzahlschonend übersetzt
enormes Leistungsangebot
sehr leise
Rollvermögen [/pro [pro] Platz- und Komfortangebot, vollwertige Ruheliege, Kühl- und Staulade gleich groß
Belegung Lenkradtasten
Leergewicht
übermotorisiert
hohe innere Reibung im Antriebsstrang
Schließ-Logik: verriegelt mit Schlüssel im Fahrerhaus

Apropos Wonneproppen: Das gilt für den X-Way 570 in der Tat. Mit 570 PS ist er für einen Vierachser muskelmäßig schon sehr üppig ausgestattet. Der große Cursor 13 mit 12,9 l Hubraum ist kein leichtes Triebwerk, die große Kabine und doppelt übersetzte AP-Achsen tragen ebenfalls zum relativ hohen Leergewicht von 14.860 kg (samt Fahrer, alle Tanks voll) bei. Zum Vergleich: Da wirkt zum Beispiel der Scania G 450 XT mit etwa gleich großem Motor und kleiner G-Kabine mit nur 14.100 kg Leergewicht direkt schlank.

Die Ausstattung ist beim X-Way aber auch üppig: Es gibt zwar keinen GPS-Tempomaten, aber Eco-Roll mit einstellbarem Überlauf (max. 5 km/h) ist vorhanden. Ebenso der radarbasierte, adaptive Tempomat (ACC), der den Abstand zum Vordermann regelt und immer auch Voraussetzung für den Notbrems-Assistenten ist. Die lange Active-Space-Kabine mit einer vollwertigen Liege wiegt natürlich auch etwas mehr als die kurze Active-Day-Variante. Aber – und das verdient tatsächlich Lob – unter der Liege finden zwei gleich große Schubladen mit je 42 l Volumen Platz. Hier ist die auf der linken Seite mit einer Kühlung ausgestattet, die rechte, äußerlich genau gleiche Lade, ließe sich gegen Aufpreis ebenfalls kühlen, ist hier aber nur ein isoliertes Vorrats-Schubfach, das einem Fernverkehrs-Zug alle Ehre machen würde.

Fahrerhaus des Iveco X-Way 8x4
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Die Kabine mit dem niedrigen Dach – bei Iveco gibt nur die zwei Dachhöhen niedrig oder hoch – bietet naturgemäß im oberen Stockwerk nur wenig Stauraum. Ein paar flache Fächer, bei denen sich offenbar ein Deckel gar nicht lohnt, müssen reichen. Einen Abbiege-Assistenten finden wir auch nicht, der lässt sich aber Nachrüsten – kamerabasiert und gut funktionierend.

Von außen betrachtet steht der X-Way auf breiten Füßen. Vorne sind Goodyear-Omnitracs der Größe 385/65 aufgezogen. Die Breitschlappen laufen erstaunlich leise ab und harmonieren gut mit den per Dreiblatt-Parabelfedern geführten Lenkachsen. Der Luftansaug erfolgt hinterm Fahrerhaus links mit einem zur Seite ansaugenden Schnorchel. Die schmalen Räume zwischen den Achsen sind gut genutzt: Links sitzen Diesel- (290l) und AdBlue-Tank (50 l), rechts die Iveco-eigene Abgas-Anlage Hi-SCR. Den Platz zwischen den beiden gelenkten Vorderachsen lässt Iveco auch nicht ungenutzt, dort sitzen links der Batteriekasten nebst zweier Alu-Luftkessel.

Um den Aufbau kümmerte sich Meiller: Man wählte einen Dreiseitenkipper mit manueller Bordwand rechts und hydraulischer Bordmatic links – ein Klassiker. Hinten ermöglicht ein Dosierlochung für Steckbolzen und eine 45-cm-Schütte das feine Abrieseln von Schotter für den Wegebau. Als Kippstempel dienen noch doppelte Hydraulik-Zylinder. Wie wir aber wissen, kann Meiller seit diesem Jahr auch den Vierachser mit einem einzigen, etwas leichteren Hubzylinder ausstatten. Mit Druck versorgt wird die Kipphydraulik von einer motorseitigen Pumpe. Vorteil: Der Kipper funktioniert immer und in jeder Situation. Nachteil: Die Pumpe zieht auch während der Fahrt immer ein wenig Öl durchs System, zur Kühlung und zur Schmierung. Das kostet über den Tag einiges an Diesel. Die Münchner Kipper-Experten sprechen von bis zu 1,4 l Diesel pro Stunde oder gar bis zu 3,5 l/100 km. Letzteres scheint mir etwas hoch gegriffen – das