1 Victoria Street

Komplexer Einsatz mit neuen Wölffen in London

Wolffkran
Sowohl die Lage der Krane als auch ihre Auflagerpunkte waren durch die Bestandsstruktur vorgegeben. Das Wolff-Kreuzrahmensystem konnte hier mit seiner Flexibilität punkten. (Bild: Wolffkran/Neil McAleer Photography)

Bauen im Bestand stellt etablierte Baustellenkonzepte auf die Probe. Das zeigt das Projekt 1 Victoria Street im Herzen Londons: Wo ein Bürokomplex aus den 1960er-Jahren einem Neubau weicht, bleiben wesentliche Teile der bestehenden Tragstruktur und Fundamente erhalten. Für den Kraneinsatz brachte dieses Konzept jedoch außergewöhnliche technische Anforderungen mit sich.

Mit der Nutzung der alten Bestandsfundamente wird zwar eine neue Pfahlgründung überflüssig, mit Vorteilen für Ressourcenverbrauch und CO2-Bilanz. Gleichzeitig entwickelt sich die Planung zur technischen Herausforderung. Immerhin kommen in mehreren Bauphasen insgesamt neun Wolffkrane zum Einsatz. Den Anfang machte ein Wolff 355 B Wippkran beim Rückbau. Auf der beengten Baustelle übernahm er sämtliche Schwerlasthebungen, von Baggern und Dumpern bis zu Generatoren und Baustahl. Anschließend wurden vier weitere Turmdrehkrane – ein 166 B (TC 1) und drei 355 B (TC 2,3,4) – auf der zweiten Untergeschossebene installiert. Sie unterstützen unter anderem die Herstellung des Gebäudekerns im Slipforming-Verfahren, bei dem Schalung und Betonierprozess kontinuierlich nach oben wandern.

Wolffkran
Hier zu sehen: Vier von insgesamt neun Wolff-Wippern auf der Baustelle 1 Victoria Street. Nach der anspruchsvollen Demontage beginnt die Hauptbauphase mit vier Wippern, die auf dem Dach des Gebäudes aufgestellt werden. (Bild: Wolffkran/Neil McAleer Photography)

Flexibles Kreuzrahmensystem

Die Herausforderung: Die Kransysteme konnten nicht dort stehen, wo es für den Bauablauf am günstigsten gewesen wäre. Die mehr als 60 Jahre alten Bestandsfundamente gaben die möglichen Aufstellpunkte vor. Jedes Hebegerät musste exakt über vorhandenen Fundamentstützpunkten positioniert und in das bestehende Tragwerkskonzept integriert werden. Die Lösung lieferte unter anderem das flexible Wolff-Kreuzrahmensystem. Seine vier Stützbeine können unabhängig voneinander auf unterschiedliche Längen eingestellt werden. Zusätzlich wurde der Kranturm gedreht, um die vorhandenen Auflagerpunkte zu erreichen. Beim Modell TC 2 waren dafür vier unterschiedliche Stützbeinlängen innerhalb eines Kreuzrahmens erforderlich. Auch das Ende des Einsatzes wurde von Beginn an mitgedacht. Da die Sohlplatte später unmittelbar an die Kranfundamente heranreicht, sind Kreuzrahmen und Ballast nahezu vollständig von der Gebäudestruktur umschlossen. Für die Demontage stehen weder ausreichend Raum noch die Möglichkeit eines Mobilkraneinsatzes zur Verfügung. Deckenhebezeuge, Niederflur-Gabelstapler und Verschubsysteme übernehmen deshalb den kontrollierten Rückbau.

Vom Hebezeug zum Elementarteil

Für die Baupraxis ist das Projekt beispielhaft: Beim Bauen im Bestand wird die Hebetechnik zum Bestandteil des Gesamtkonzepts. Frühzeitig abgestimmte Lösungen für Tragwerk, Kranstandorte, Bauphasen, Logistik und Demontage schaffen die Voraussetzung, bestehende Strukturen wirtschaftlich weiter zu nutzen und gleichzeitig komplexe Bauabläufe sicher zu beherrschen. Ende 2026 wechseln die Maschinen auf das Dach. Dort übernehmen vier weitere Wippkrane die Hebearbeiten für die oberen Geschosse, die Fassade und die technische Gebäudeausrüstung.