Kubota-Kurzheckbagger U 27-4
Baggertest 4/2018

Kubota Kurzheckbagger U27-4

Der U 27-4 ist ein alltagstauglicher Minibagger auf der Höhe der Zeit, wie man ihn von einem etablierten Hersteller erwarten kann. (Bilder: bd/Bömer)

Anstatt Modellpflege zu betreiben, hat Kubota gleich einen neuen Typ eingeführt. Er soll möglichst kompakte Abmessungen mit maximalem Raum für den Fahrer kombinieren. Und natürlich auch ordentlich Leistung bringen. Wir haben getestet, inwieweit das gelungen ist.

Auswahlkriterien für einen Minibagger gibt es viele, die Transportmöglichkeiten stehen oft weit oben auf der Liste. Ob etwa der Bagger noch mit eigenen Mitteln zur Baustelle gefahren werden kann oder ob immer fremde Hilfe in Anspruch genommen werden muss. Ob auf vorhandene Fahrzeuge zurückgegriffen werden kann, damit nicht gleich noch eine weitere Investition fällig wird. Für einen Pkw-Anhänger mit 3,5 t Gesamtgewicht ist üblicherweise bei rund 2,7 t Nutzlast Schluss. Bei einem Bagger mit 2,5 t Transportgewicht darf dann auch der zweite Löffel noch legal mitreisen. Eine interessante Gewichtsklasse also für den Galabauer oder die autarke Kabelkolonne.

Der erste Eindruck

Unser U27-4 ist eine Standardmaschine aus einem überregional tätigen Mietpark, ausgestattet mit dem allgegenwärtigen Lehnhoff-Schnellwechsler der Größe MS-03. Als direkter Nachfolger des U25-3 sind seine Abmessungen und Gewichte weitgehend identisch mit dem Vorgänger. Was gleich ins Auge fällt, ist die klarere Linienführung. Die ROPS-Kabine kommt optisch etwas filigraner daher, der höhere Glasanteil wirkt sich nicht nur positiv auf die äußere Erscheinung aus, sondern verbessert auch die Sicht aus der Kabine.

Dankenswerterweise hat Kubota ganz auf gewölbte Scheiben verzichtet und die Verglasung der Tür nochmals geteilt – beides schont im Reparaturfall das Budget. Relikte aus den frühen Zeiten der Nullheckbagger wie anfällige Schiebe- oder Falttüren scheinen überwunden. Trotzdem ragt die geöffnete Tür nicht wesentlich über das Maschinenprofil hinaus, was ihre Überlebenschancen sicher erhöht. Die Türöffnung wurde ebenfalls vergrößert, was mir mit meinen 1,93 m bei nicht gerade schmächtiger Statur durchaus entgegenkommt. Insgesamt ist der in Zweibrücken gebaute Bagger ein schönes Beispiel dafür, wie es einige asiatische Hersteller mittlerweile verstehen, auf die Erwartungen westlicher Anwender einzugehen.

Pro & Kontra: Kubota Kurzheckbagger U 27-4

+ ansprechendes Design, klare Formen
+ Verzicht auf gewölbte Scheiben
+geräumige Kabine für die Baggergröße
+verbreiterter Zugang zur Kabine
+ feinfühlige Steuerung
+gut zugängliche Verzurrpunkte
-Auspuffrohr waagerecht aus dem Heckgewicht geführt
-kombinierte Bewegungen etwas langsam

In der Kabine

Der Innenraum wurde laut Prospekt deutlich vergrößert, was sich durchaus mit dem subjektiven Eindruck deckt. Wer gewohnheitsmäßig mit Minibaggern zu tun hat ist schnell orientiert: Der Motor startet – wie bei Kubota üblich – nur mit angehobener linker Steuerkonsole. Der erste Zusatzkreislauf wird über das linke, die Seitenschwenkung des Auslegers über das rechte Pedal bedient. Die Drehzahlverstellung erfolgt über einen Handhebel, der über einen mechanischen Zug mit der Einspritzpumpe verbunden ist. Im Vergleich zum Vorgänger sind sämtliche Anzeigeinstrumente von der Seite rechts neben dem Fahrersitz nach vorn ins Blickfeld des Bedieners gewandert, was die Wahrnehmbarkeit erfreulich verbessert.

Es gibt nun auch einen mit Stoff bespannten Sitz – das ist gerade bei sommerlichen Temperaturen wesentlich angenehmer als die bisherige feucht abwaschbare Version. Die bewährten Vorsteuerhebel liegen gut in der Hand, dabei sind die Armlehnen in der  Schraubverbindung höhenverstellbar. Ich schätze diese klassischen Kunststoffgriffe, da sich bei feuchter Witterung nicht jene klebrigen Verschmutzungen aufbauen wie bei den aktuell weit verbreiteten gummierten Ausführungen.

Der obere Teil der Frontscheibe lässt sich wie gewohnt unter das Kabinendach schwenken, wobei diese Funktion jetzt durch zwei kräftig dimensionierte Gaszylinder unterstützt wird. Der eher großgewachsene Bediener zieht dabei aus Erfahrung eh schon den Kopf ein. Zusätzlich sollte er tunlichst darauf achten, dass ihm die Haltegriffe nicht entgleiten – sonst schnalzen Rahmen samt Scheibe mit einer derartigen Vehemenz nach oben, dass man Gefahr läuft, sich selbst kurzzeitig außer Gefecht zu setzen.

Da unser Testexemplar mit Rohrbruchsicherungen und optionaler Überlast-Warneinrichtung ausgerüstet ist, darf natürlich auch die obligatorische Traglasttabelle in der Kabine nicht fehlen. Leider ist diese in Augenhöhe auf der linken Seitenscheibe angebracht, wodurch die Sicht doch leicht beeinträchtigt wird.