Wacker-Neuson Kompaktbagger ET 90
Baggertest 9/2018

Wacker-Neuson Kompaktbagger ET 90

Der ET 90 ist das aktuelle Modell der 9-t-Klasse aus österreichischer Produktion von Wacker-Neuson, er bildet mit dem SMP-Schwenkrotator ST10 ein leistungsfähiges Gespann. (Bilder: bd/Bömer)

Mit dem ET 90 will Wacker Neuson neue Maßstäbe bei Kompaktbaggern setzen. Wir haben auf der Baustelle getestet, ob er den hohen Ansprüchen standhält. Ergebnis: Der Minibagger liefert schlagkräftige Argumente, um im Marktsegment der 8- bis 10-t-Maschinen vorne mitzumischen.

Bagger in der Gewichtsklasse um 10 t waren lange Zeit auf hiesigen Baustellen eher eine Randerscheinung. Immer mehr Einsätze bei räumlich begrenzten Bedingungen eröffnen mittlerweile jedoch gute Marktbedingungen für solche Geräte. Bei den meisten derzeit verfügbaren Modellen handelt es sich – der Bauform nach – um vergrößerte Minibagger. Die typischen Konstruktionsmerkmale wie Gummiketten, Planierschild als Standard, Auslegerschwenkbock sowie gedrungener Aufbau des Oberwagens haben in dieser größeren Klasse allerdings nicht nur Vorteile. Die Möglichkeit, den Ausleger seitlich abzuknicken vergrößert bauartbedingt zwangsläufig den vorderen Schwenkradius und begrenzt den Durchschwenkwinkel des Grundauslegers nach hinten. Für bestimmte Einsätze wäre ein fest neben der Kabine positionierter Ausleger eine echte Alternative.

Der erste Eindruck

Für unseren Test stand ein ET 90 der Edition B zur Verfügung. Sie umfasst diverse Sonderausstattungen, auf die ich im Nachhinein nur ungern verzichtet hätte. Allen voran der hydraulische Verstellausleger: Er erweitert die Einsatzmöglichkeiten erheblich und war häufig im Gebrauch. Außerdem war das Gerät mit einem mechanischen Lehnhoff-Schnellwechsler der Größe MS-08 sowie einem SMP-Schwenkrotator ST10 bestückt. Dieses Anbaugerät bietet enorme Möglichkeiten, aber dazu später mehr.

Der ET 90 ersetzt im Programm von Wacker-Neuson den 8003. Tatsächlich hat man hier nicht nur Kosmetik betrieben, vielmehr wurde der komplette Oberwagen technisch und optisch umgestaltet. Das Aussehen einer Baumaschine sollte ja nicht unbedingt das wichtigste Kriterium sein, aber dieses Exemplar halte ich persönlich für sehr gelungen. Besonders unter dem Aspekt, dass der Hersteller Anfang der 2000er-Jahre schon einmal Maschinen produziert hat, die scheinbar unter der Maßgabe rund um jeden Preis designt worden waren.

Pro & Kontra: Wacker-Neuson Kompaktbagger ET 90

+ moderner, funktionaler Arbeitsplatz für den Bediener
+ intuitive Einstellbarkeit der Zusatzhydraulik
+ schnelle und feinfühlige Arbeitsbewegungen
+ gute Wartungs-Zugänglichkeit
+ Rundum-Ausleuchtung des Umfelds
- kritische Kopffreiheit bei geöffneter Frontscheibe
-
etwas zu kerniges Auspuff-Geräusch[/kontra

In der Kabine

Bei Einsätzen, die häufiges Ein- und Aussteigen erfordern, wird ein Vorzug dieser Baggergattung deutlich, der nicht zu unterschätzen ist: Kabine und Türöffnung haben im Vergleich zum Minibagger bereits eine angenehmere Größe, wobei die zu erklimmende Höhe deutlich unter der größerer Geräte bleibt. Hat man auf dem luftgefederten und optional beheizbaren Sitz Platz genommen, fallen sogleich die modernen Bedien- und Anzeigeelemente ins Auge. Zusammen mit der ebenfalls optionalen Heckkamera gibt es ein 7-Zoll-Display. Bei starker Sonneneinstrahlung kommt die Anzeige jedoch an ihre Grenzen. Hier geht nach wie vor nichts über den direkten Sichtkontakt, der bei der guten Rundumsicht glücklicherweise leicht fällt.

Nun bin ich kein ausgewiesener Freund elektronischer Spielereien, aber in diesem Fall hat das verbaute Jog Dial durchaus seine Berechtigung. Damit gelingt das prozentuale Einstellen der Fördermenge der Zusatzkreise – in diesem Fall drei Stück – auf Anhieb intuitiv, und das funktioniert sogar während das Anbaugerät in Betrieb ist. Das kannte ich in dieser Baggergröße bisher ganz anders. In jedem Fall lohnt zusätzlich immer der Blick in die Betriebsanleitung, denn die Einstellmöglichkeiten sind vielfältig. Einzelne Anbaugeräte können konfiguriert und abgerufen werden. Im Modus Hammerbetrieb wird automatisch der drucklose Rücklauf zum Tank freigegeben, wodurch sich die Suche nach einem Umschalthahn erübrigt.

Angenehm fällt auch auf, dass die Zusatzhydraulik nicht nach jedem Anheben der Steuerkonsole neu aktiviert werden muss – ein Handgriff weniger! Sind ausreichend Zusatzkreise mitbestellt worden, kann auch der Tiltrotator mit Greifmodul ohne zusätzliche Umbauten elektrischer oder hydraulischer Art betrieben werden. Das kann die Hemmschwelle für eine derartige Anschaffung gefährlich senken. Die Betätigung des Planierschilds erfolgt nun mit einem Minijoystick direkt neben dem rechten Bedienhebel – es kann quasi mit dem kleinen Finger mitbedient werden.

Die Frontscheibe kann man mit zwei Handgriffen komplett öffnen. Der untere Teil lässt sich sicher im oberen verriegeln, und beide werden gemeinsam unter das Dach geschwenkt. Das alles bei moderaten Bedienkräften, nichts klemmt, nichts klappert, wertig gelöst. Beinahe also paradiesische Zustände in der Fahrerkabine. Das wohlgemeinte Sonnenrollo am oberen Rahmen der Frontscheibe jedoch kommt in geöffnetem Zustand dem ausgewachsenen Bediener schon gefährlich nahe. Bei einem etwas zügigen Überfahren einer Kante ist es dann passiert: Der Schwingsitz federte bestimmungsgemäß aus, es kam zum schmerzhaften Kontakt und die sprichwörtlichen Sterne erschienen kurz auf dem internen Display. Das Rollo war schnell demontiert und durfte fortan im Staukasten mitreisen.