
Liebherr-Technik für Leitungsbaustelle mit autarker Stromversorgung
Als Technologiepartner unterstützt Liebherr das CO2-arme Hyperlink-Pilotprojekt in Norddeutschland, bei dem rund 70 Prozent der bestehenden Erdgasleitungen für den Wasserstofftransport umfunktioniert werden. Die Stromversorgung für die batterieelektrischen Liebherr-Maschinen erfolgt über den Energiespeicher LPO 100 und einen mobilen Wasserstoffgenerator.

In Buchholz in der Nordheide bereiten der Fernleitungsnetz-Betreiber Gasunie und die Friedrich Vorwerk Unternehmensgruppe das bestehende Erdgasnetz für den Transport von Wasserstoff vor. Ziel ist ein rund 1.000 km langes Wasserstoffnetzwerk, das eine Verbindung zwischen den Niederlanden, Dänemark und Nordwestdeutschland schafft. Für das zukunftsweisende Hyperlink-Projekt stellt Liebherr mit dem Radlader L 507 E und dem Mobilbagger A 916 E zwei batterieelektrische Baumaschinen zur Verfügung, die Be- und Verladevorgänge sowie Grab-, Hebe- und Verlegearbeiten übernehmen. Auch der restliche Fuhrpark, vom Transporter bis zum Pkw, ist als E-Variante ausgelegt.

Die Stromversorgung der Maschinen und Werkzeuge vor Ort erfolgt über den Liebherr-Energiespeicher LPO 100 und einen mobilen Wasserstoffgenerator von e-power, der mit H₂-Bündeln von Air Liquide betankt wird. Abgerundet wird das energetisch autarke Konzept durch Sonnenenergie. Eine auf dem Dach platzierte Photovoltaik-Anlage des deutschen Solarsystemherstellers Sunplate deckt den Energiebedarf der Baucontainer ab. Die dort überschüssig erzeugte Energie wird im Liebherr-Batteriespeicher gesichert und bei Bedarf an die Baumaschinen abgegeben.
Durch die Kombination aus H₂-Generator, Energiespeicher und elektrischen Baumaschinen werden die CO₂-Emissionen im Vergleich zu einer konventionellen, dieselbetriebenen Baustelle um 100 Prozent reduziert. Zudem sinkt die Lärmbelastung deutlich. Die Baustelle zeigt, dass auch fernab eines leistungsfähigen Netzanschlusses mit dem LPO 100 ein flexibler Betrieb möglich ist. Der Batteriespeicher sorgt für Lastspitzenmanagement und Pufferung, sodass die Maschinen kontinuierlich mit Energie versorgt werden – ein entscheidender Faktor für Taktung und Produktivität.

Ebenso wie das Maschinenkonzept: Als erster elektrifizierter Radlader der Firmengruppe verbindet der L 507 E die Vorteile eines konventionellen Stereoladers mit einem von Liebherr entwickelten batterieelektrischen Antriebskonzept. Seine Leistungsfähigkeit ist identisch mit herkömmlich angetriebenen Liebherr-Radladern derselben Größenklasse. Der L 507 E besitzt ein speziell für den Radlader-Einsatz entwickeltes Hochvolt-Batteriesystem, das eine kraftvolle Leistungsentfaltung und effiziente Ladevorgänge sicherstellt.
Abhängig von den jeweiligen Einsatzbedingungen bietet der batterieelektrische Radlader bis zu acht Stunden Laufzeit. Auf Wunsch lässt sich diese mit einem zweiten Lithium-Ionen-Akku erhöhen. Der Ladevorgang dauert je nach On-Board-Ladetechnik und Anschlussleistung eineinhalb bis drei Stunden.

Auch der batterieelektrische Mobilbagger A 916 E entspricht in puncto Leistungsfähigkeit, Tragkraft und Performance den Leistungsdaten eines Liebherr-Mobilbaggers mit konventionellem Dieselantrieb. Der A 916 E ist ein beliebter Allrounder, der sowohl für klassische Erdbewegungsarbeiten im Straßenbau als auch auf beengten innerstädtischen Baustellen eingesetzt werden kann. Er ist mit einer 260-kWh-Batterieeinheit ausgestattet, die in vier Sektionen aufgeteilt ist. Links am Oberwagen befindet sich eine Batterie mit 130 kWh Leistung. Drei in Serie geschaltete Batterien mit einer Gesamtleistung von weiteren 130 kWh sind rechts am Oberwagen verbaut. Je nach Einsatzort und Anwendung kann der Elektro-Mobilbagger damit bis zu neun Stunden betrieben werden.

Das Hyperlink-Projekt verknüpft die Produktionsstandorte und Importquellen von grünem Wasserstoff mit industriellen Verbrauchszentren beispielsweise der Stahl- und Chemieindustrie und Untergrundspeichern. Das Netz erstreckt sich über Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und das Ruhrgebiet und wird in mehreren Teilprojekten realisiert. Das Projekt soll damit einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung energieintensiver Branchen und zur sicheren Versorgung mit klimaneutralem Wasserstoff leisten.
Torben Kleinfeldt, CEO, Friedrich Vorwerk, Tostedt
„Liebherr ist für uns ein starker Partner auf dem Weg zu einer klimaneutralen Baupraxis. Die enge Zusammenarbeit war entscheidend, um unseren emissionsarmen Baustellenbetrieb erfolgreich umzusetzen.“