Baufahrzeuge

Nutzfahrzeug-Trio zeigt sich bei Ride & Drive-Event in Hochform

Gleich neben dem Gersthofener Humbaur-Werk nahe Augsburg luden Humbaur, die Firmentochter Kögel und die Bau-Abteilung von MAN zu Geländeritten im Kieswerk. Ein Testlabor der Spezialitäten.

Kippsattel in elektrisch: Funktioniert längst, wie in Gersthofen zu sehen, wenn auch nicht zu fahren. Aufgesattelt hat der eTGS Kögels neue Rundmulde mit verschweißten und nicht verschraubten Seitenwänden. (Bild: bd/Domina)

Da haben sie ordentlich aufgefahren: MAN mit allerlei Spezialitäten in Sachen Antrieb und Traktion für TGS und TGX, Kögel mit der neuen, einteiligen Rundmulde und Humbaur mit seinen in Zink glänzenden Anhängern für Bau und Galabau. So ein Menü sieht man nur selten, mit unterschiedlichsten Anhängern und Zugmaschinen, letztere gewürzt mit feinsten Traktionshilfen. Auch die elektrischen eTGS von MAN waren vor Ort, leider nur als Standmodelle, nichts zum Fahren. Schade. Denn die Bau-Qualitäten haben die E-MANs längst auf verschiedenen Fahrveranstaltungen unter Beweis gestellt. Das große E im Bautransport funktioniert, erfordert freilich angesichts enormer Anfahrmomente des E-Motors einen feinen Gas-Fuß, damit die Gummis nicht allzu früh durchdrehen.

Der TGS 28.520 6×4-4 mit angetriebener Vorderachse und gelenkter Nachlaufachse ist ein Traktions-Allrounder mit dem Humbaur-Kipptandem HTK 19 am Haken. (Bild: bd/Domina)

Der von Humbaur 2009 übernommene Trailer-Hersteller Kögel reüssiert in Gersthofen mit seiner erstmals zur Bauma gezeigten Rundmulde in durchgehend geschweißter Ausführung. Damit ist das Ende der Rundmulden-Hinterkipper mit den geschraubten Seitenwänden eingeläutet. Eigentlich schade, denn die Kunden schätzten die leichte Demontierbarkeit der geschraubten Seiten im Reparaturfall. Die dicht und über die gesamte Länge gesetzten Schrauben sahen zwar etwas komisch aus, die Konstruktion an sich war aber praktisch. Den durchgehend geschweißten Hinterkipper gibt es übrigens auch als isolierte Bitumen-Mulde.

Immer wieder ein Blickfang ist Kögels Multi: Der Flachbett-Auflieger ist in der Tat ein Multitalent, wenn es um den gemischten Transport von Baustoffen geht. Die Zurr- und Ladungssicherungs-Möglichkeiten sind schier unendlich, es lassen sich Palettenware, Big Bags, IBCs und Gitterboxen in jeder nur denkbaren Art und Weise mit Gurten, Ketten oder steckbaren Rungen sichern. Bei Bedarf lassen sich die Bordwände abnehmen und in einem eigens dafür vorgesehenen Palettenkasten unterm Chassis verstauen.

Leichtes Gespann: Der TGL 8.220 ist mit seiner achtstufigen Wandlerautomatik ein ideales Zugfahrzeug zum Beispiel für einen Minibagger. Der HBT BS 10T von Humbaur ist als Tandemachser für 9 t Nutzlast gut. (Bild: bd/Domina)

Für MAN heißt Bau immer auch Vielfalt bei Antrieb und Traktion. Ein echter Spezialist ist in dieser Hinsicht der TGS 28.520 in der Radformel 6×4-4. Die bedeutet, dass hier nicht wie beim 6×4 üblich die beiden Hinterachsen angetrieben sind. Dieser Typ lässt noch einmal die wahrhaft mechanisch angetriebene Vorderachse aufleben. Deren eingeschränkten Lenkeinschlag kompensiert derweil die hydraulisch gelenkte Nachlaufachse, sodass sich eine für den Dreiachser ungewöhnliche Kurvengängigkeit selbst im tiefsten Boden ergibt. Ein feines Gerät.

An zwei 8×4-Vierachsern nutzt MAN die Gelegenheit, den Kunden die Vorzüge der Hendrickson-Gummifederung nahezubringen. Dieses Bogie für die doppelte Antriebsachse ist an sich nichts Neues: In den USA schwören die Langholz- und Kies-Trucker auf das Federsystem. Nicht nur weil es rund 250 kg leichter als eine konventionelle Parabelfeder sein soll. Die Bauart erlaube, so erklärt Hendrickson-Experte Lukas Maier, einen geringen Lenkeffekt der Hinterachse, der den einseitigen Reifenverschleiß durch Kurvenfahrt deutlich verringern soll. Das klingt glaubhaft: Ich kann sogar im Rückspiegel sehen, wie sich die Reifen der ersten Antriebsachse ein wenig ins Kurvenäußere legen.

Ein weiterer Vorteil der Hendrickson-Federung: Sie erlaubt eine enorme Verschränkung bei einseitigem Einfedern. Auch diese Eigenschaft können wir auf einem eigens angelegten Schlechtweg-Stück erfahren. Von außen gesehen ist die Verschränkung der Antriebsräder in der Tat gewaltig, die Traktion entsprechend sicher. Über die Kosten will sich Lukas Maier nicht äußern, die Preisgestaltung sei Sache des Hendrickson-Kunden MAN. Aber eines sei auch gewiss: Die Haltbarkeit von etwa acht Jahren bis zum ersten Austausch bringe eine gewisse Planbarkeit ins Service-Geschehen. Schon allein dadurch seien Stillstands-Szenarien durch einen Federbruch ausgeschlossen. Erst recht durch die Notlaufeigenschaften: Sollte sich eine Gummifeder vorzeitig verabschieden – was natürlich noch nie vorgekommen sei –, könne der Lkw dennoch sicher die Werkstatt erreichen. Ein Austausch der Polymer-Pakete sei beidseitig in vier Stunden erledigt.

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Für Humbaur ist dieser Tag quasi eine Hausmesse: Das Programm ist bekanntermaßen vielschichtig und reicht vom Einachs-Gartenanhänger bis zum Dreiachs-Schwerlast-Auflieger für den Baumaschinen-Transport. Auffällig bei den gezeigten Modellen ist die saubere Verzinkung aller Rahmen- und Brückenteile. Der Humbaur-Baukasten bietet vielfältige Kombinationen von Böden in Holz und Stahlgitter, verschiedene Auffahrrampen und Verzurrmöglichkeiten. Beispielhaft hierfür steht vielleicht der HBT 10, ein leichter Zentralachsanhänger für bis zu 9 t Nutzlast und angeschrägtem Heck. Zusammen mit den per Gasdruckdämpfer gestützten Auffahrrampen lässt sich dieser Alleskönner leicht bedienen. Neben den üblichen Maschinen dieser Gewichtsklasse kann der mit Bordwänden und stabilen Zurrpunkten ausgestattete Tandemachser so ziemlich alles befördern, was Bauunternehmen, Kommunen oder die Straßenmeisterei brauchen, auch Baustoffe und Material.

Noch so ein Klassiker ist der vierachsige Drehschemel-Anhänger für bis zu 40 t Gesamtgewicht (nur für den Hänger). Auch er hat ein abgeschrägtes Heck für leichtes Auffahren und dank 235/75 R17,5er-Bereifung eine Ladeflächenhöhe von nur 900 mm – wichtig für hohe Baumaschinen zur Einhaltung der Vier-Meter-Höhenbeschränkung.