Schnelleinsatzkran von Liebherr
Schnellmontagekrane

Praktische Helfer mit universellen Fähigkeiten

Schnelleinsatzkrane machen etwa zwei Drittel des deutschen Kranbestands aus. Immer häufiger sieht man sie im Einsatz als flexible Ergänzung unter großen Obendrehern. (Bild: Liebherr)

Vor Ort schnell und unkompliziert einsatzbereit

Am Einsatzort wird der übliche Standardballast aus Beton direkt vom Transportfahrzeug auf die Drehbühne aufgesetzt. Sei es mit der bei vielen Kranen verfügbaren Selbstballastier-Einrichtung oder – was heute eigentlich üblicher ist – mit dem Lkw-Ladekran. Das geht schneller. Noch schneller sind die kleineren Krane mit Vollballast aus Stahl, der auch beim Transport montiert bleibt. Ein unballastierter Kran lässt sich auf weichem Baustellengrund allerdings leichter in Position schieben. Zum Manövrieren gibt es spezielle Lenkachsen, mit denen der Kran auch vollständig ballastiert per Lkw an seinen endgültigen Standplatz bugsiert werden kann. Auf besonders engen Baustellen hilft es, wenn der Kran – wie etwa der Liebherr LH 42K.1 – auch mit aufgerichtetem Turm (Ausleger eingeklappt) verfahren werden kann. Oder mit um 45° hochgestelltem Turm, wie die HD-Modelle von Condecta.

Wo es für ein Zugfahrzeug zu eng wird, kann die Gapo-Achse helfen: ein Antriebsmodul aus Italien, das unterschiedlichste Maschinen zum Selbstfahrer macht. Über einen Adapter wird die von einem 27-kW-Yanmar-Diesel hydrostatisch angetriebene Gapo-Achse zusammen mit einem hydraulischen 180°-Lenkmodul statt der Transportachsen an den Kran angebolzt. Diese schiebt ihn mit bis zu 16.000 Nm Antriebsmoment über enge Baustellen, steile Rampen oder Zufahrten. So lassen sich auch sehr schwere Maschinen und Geräte von einem Bediener per Fernsteuerung millimetergenau dirigieren.

Den ganzen Transport- und Montageproblemen geht aus dem Weg, wer seine Krane im Fullservice anmietet – betriebsfertig auf der Baustelle aufgestellt. Oder Montage und Transport seiner eigenen Krane zum Festpreis an einen Dienstleister vergibt. Damit entfallen die aufwändige Fahrzeuglogistik und Ausgaben für Sondergenehmigungen, der gewünschte Kran steht zu klar kalkulierbaren Kosten zum richtigen Zeitpunkt einsatzfertig auf der Baustelle. Denn das Umsetzen in Eigenregie verlangt neben dem geeigneten Fahrzeug auch qualifiziertes Personal, das die nötigen Lehrgänge regelmäßig absolviert hat und die Krane nach den von der Berufsgenossenschaft geforderten Sachkundigen-Prüfungen abnehmen kann. Während in größeren Unternehmen dazu ein Spezialistenteam bereitsteht, kann sich ein kleines Bauunternehmen eine Mehrfachbesetzung kaum leisten. Und selbst wenn in Deutschland der eigene Kran für manch kleineres Bauunternehmen immer noch als Statussymbol gilt und Sicherheit und Unabhängigkeit bedeutet, bietet ein Mietgerät weitere Vorteile wie etwa eine objektbezogene Kostenrechnung. In weniger gut ausgelasteten Zeiten liegt zudem kein totes Kapital auf dem Hof, beansprucht keinen Platz und keine Pflege – und die turnusmäßigen Abnahmen sind auch kein Thema. Und noch ein Aspekt: Man kann die Angebote verschiedener Anbieter nutzen und immer ein gepflegtes, optimal auf den Bedarf abgestimmtes und dem neuesten technischen Standard entsprechendes Gerät auswählen. Andererseits: Wer sich nur auf Mietkrane verlässt, kann in Boomzeiten, wenn der Markt leergefegt ist, auch mal ohne (Wunsch-)Kran dastehen.

Schnelleinsatzkran von Liebherr
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Was wiederum technisch vor Jahren noch den großen Obendrehern vorbehalten war haben heute auch deren kleinere Brüder zu bieten. Während bei alten Kranen oder einfacheren Modellen die Winden von polumschaltbaren Elektromotoren mit festen Drehzahlbereichen angetrieben werden, bei denen ein Getriebe die Motordrehzahl in Stufen reduziert, setzen die Premiumhersteller heute auch in ihren kleinen Schnelleinsatzkranen ausschließlich frequenzgeregelte Antriebe in Hub-, Schwenk- und Katzfahrwerk ein. Die Frequenzregelung der sogenannten FU-Antriebe bietet mit ihrer variablen Anpassung der Motorleistung und Motordrehzahl stufenlose Arbeitsgeschwindigkeiten – unabhängig von der aktuellen Hakenlast – und ermöglicht damit sehr feinfühlige Lastpositionierung. Zudem sind FU-Antriebe wirtschaftlicher und stellen wegen ihrer niedrigeren Anlaufströme geringere Ansprüche an die Baustromversorgung. Fahrerassistenzsysteme wie den Feinpositionierungsmodus Micromove mit Lastpendeldämpfung gibt es bereits beim 25-m-Einstiegsmodell L1-24 von Liebherr. Das dient nicht nur dem Bedienkomfort, sondern steigert auch die Sicherheit und Umschlagleistung auf der Baustelle, während die weicheren Kranbewegungen auch die Stahlkonstruktion schonen. Und die Elektronik bringt auch mehr Leistung – wie etwa die Load-Plus-Funktion im Liebherr 81 K.1, indem durch kontrollierte Reduzierung der Antriebsgeschwindigkeit die Tragkraft um bis zu 20 Prozent steigt – unter Überwachung aller Lastzustände.

Auch bei den Steuerungen sind technische Unterschiede erkennbar: Während die namhaften Anbieter heute ausschließlich mit speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) antreten, die auch sämtliche Sicherheitseinrichtungen wie Überlast, Arbeitsbereichsbegrenzung oder Antikollisionssystem kontrollieren, sind auch noch Geräte mit Rampen-3-Stufenbetrieb und klassischer Schützsteuerung zu finden. Damit fehlen einige der modernen Sicherheitsfeatures, und auch „beliebte“ Manipulationen wie Überbrücken der Endschalter sind nicht ausgeschlossen.

Am Markt werben neben den Marktführern Manitowoc-Potain und Liebherr auch Terex, KSD (vormals Pekazett), Condecta, Arcomet, Eurogru mit Vicario und BKL mit der Marke Cattaneo um die Gunst der deutschen Bauunternehmer. Dazu kommen F.B.Gru, vertreten von Maier Baukrane und San Marco-Krane im Vertrieb von Kaiser. Laut AST-Arbeitssicherheitstechnik in Blaustein bei Ulm, die bislang als Partner für die Clever Cranes von Gelco aus Rosate bei Mailand fungiert haben, wurde die Produktion dieser originellen und extrem variablen Krane eingestellt. Auch König, der seit 1958 in Asbach im Westerwald Krane produziert hat, beschränkt sich seit rund zehn Jahren nur noch auf Kranvermietung und -service – allerdings für König-Krane. Neue Exemplare werden nur noch für den eigenen Mietpark und für Ersatzbeschaffungen langjähriger Kunden gefertigt.