
Strom statt Diesel rechnet sich
Im Kieswerk Grabner im österreichischen Oberwang hat sich der Umstieg auf den vollelektrischen Radlader Liugong 856HE im täglichen Materialumschlag bewährt. Nach rund 1.500 Betriebsstunden zieht der familiengeführte Betrieb eine positive Zwischenbilanz.

Bisher hatten wir keinerlei Ausfälle. Wir laden die Maschine jeden zweiten Tag auf und profitieren dabei von unserer unternehmenseigenen PV-Anlage. Im Vergleich zu einer Dieselmaschine haben wir so die Betriebs- und Wartungskosten deutlich gesenkt“, sagt das Team um Geschäftsführer Thomas Grabner.
Das Unternehmen, das seit fast 50 Jahren Sand und Kies gewinnt, aufbereitet und vermarktet, nutzt den Elektro-Radlader vor allem für die Lkw-Verladung sowie zum Beschicken der Waschanlage und des Brechers. Ausschlaggebend für die Investition war das spezifische Einsatzprofil. Da die Maschine im Arbeitsalltag bis zu 30-mal täglich gestartet wird, sah der Betreiber Nachteile bei konventionellen Dieselmaschinen mit moderner Abgasnachbehandlung.
Auf der Suche nach einer elektrischen Alternative stieß das Unternehmen nach eigener Aussage bei etablierten Herstellern zunächst nicht auf ein passendes Angebot. Nach einem Praxistest beim Baumaschinenhändler und Liugong-Vertriebspartner Eder Baumaschinen entschied sich Grabner für den Liugong 856HE, der seit Frühjahr 2025 im Regelbetrieb läuft. Die Erfahrungen im Betrieb bestätigen die Erwartungen. Insbesondere die Batteriekapazität habe sich als ausreichend erwiesen. Das Laden lasse sich problemlos in den Betriebsablauf integrieren, sodass die Maschine ohne Einschränkungen eingesetzt werden könne.

Ein wesentlicher Beweggrund für den Wechsel war neben dem Wunsch, den Dieselantrieb zu ersetzen, auch die Aussicht auf geringeren Wartungsaufwand. Nach Einschätzung des Unternehmens bietet der elektrische Antriebsstrang aufgrund der geringeren Anzahl beweglicher Komponenten Vorteile hinsichtlich Zuverlässigkeit und Instandhaltung.
Vorbehalte ausgeräumt
Auch wirtschaftlich sieht der Betreiber Potenzial. Der Radlader wird rund 1.000 Stunden pro Jahr eingesetzt. Während der bisherige Diesel-Radlader nach Unternehmensangaben rund 10 l Kraftstoff pro Betriebsstunde verbrauchte, liegt der Strombedarf des Elektromodells bei etwa 23 kWh je Betriebsstunde. Da ein großer Teil der benötigten Energie aus der betriebseigenen Photovoltaikanlage stammt, fallen die Energiekosten deutlich niedriger aus als zuvor die Kraftstoffkosten. Geladen wird überwiegend nach Feierabend, wenn die Aufbereitungsanlage außer Betrieb ist und ausreichend Eigenstrom zur Verfügung steht.
Vorbehalte gegenüber einem chinesischen Hersteller seien im Zuge der Entscheidungsfindung ausgeräumt worden. Nach Angaben des Betreibers entsprechen Materialstärken und Verarbeitungsqualität dem Niveau der zuvor eingesetzten europäischen Maschinen.
Präzises, komfortables Arbeiten
Auch aus Sicht des Fahrers fällt das Urteil positiv aus. Zwar erfordere das feinfühligere Ansprechverhalten von Elektroantrieb und Hydraulik eine kurze Eingewöhnung, anschließend ermögliche die Maschine jedoch ein präzises und komfortables Arbeiten. Zudem konnten die Bedienelemente an die persönlichen Vorlieben des Fahrers angepasst werden.
Für das Kieswerk Grabner zeigt der Praxiseinsatz, dass elektrisch angetriebene Radlader unter geeigneten Rahmenbedingungen eine wirtschaftliche Alternative zum Diesel darstellen können. Voraussetzung seien jedoch ein passendes Einsatzprofil sowie eine entsprechend ausgelegte Ladeinfrastruktur. Vertriebsberater Georg Schrödl von Eder Baumaschinen, der die Maschine vermittelt hat, resümiert: „Grabner hat auf das richtige Pferd gesetzt, Pioniergeist bewiesen und plant, noch weitere E-Maschinen im Kieswerk zu integrieren.“
