Ökonomisch und ökologisch überzeugend

Hangsicherung mit Erdbeton

Hangsicherung mit einem Komatsu-Bagger
Hangsicherung notwendig: Eine der Problemstellen an der Wetzlarer Straße in Wettenberg – von Schönberger Bau im HZV-Verfahren saniert. (Bild: Schönberger Bau)

Schlanke, aber massive Stützscheiben aus Erdbeton sind wirksame Elemente für die Hangsicherung. Das beweist ein Praxisbeispiel aus dem hessischen Wettenberg: Die Erdbeton-Stützscheiben wurden vom verantwortlichen Tiefbauunternehmen Schönberger im Hydrozementations-Verfahren direkt auf der Baustelle hergestellt – umweltgerecht und mit statischem Nachweis.

Nach einem Unwetter mit Starkregen kam es in der hessischen Gemeinde Wettenberg zu einem Hangrutsch an zwei Abschnitten der Wetzlarer Straße. In einem geotechnischen Prüfbericht empfahl die Ingenieurgesellschaft Lenz & Gast (ILG), die talseitigen Böschungen in zwei Teilbereichen von rund 130 m und 70 m Länge mit 8 bis 10 beziehungsweise 5 bis 6 m Böschungshöhe zu sanieren. So kann ausgeschlossen werden, dass starke Niederschläge erneut gefährliches Schicht-, Hang- oder Sickerwasser erzeugen. Zur langfristigen Stabilisierung der Böschungen sollte den Experten zufolge ein mit Ankern und Krallplatten fixiertes Drahtgeflecht plus Erosionsschutzmatte angebracht werden. Die Gemeinde Wettenberg schrieb das Projekt dementsprechend aus, ließ neben den Hauptangeboten aber auch Nebenangebote mit alternativen Verfahren zu. Den Zuschlag erhielt schließlich Schönberger Bau aus Zenting in Bayern – und zwar für die Erstellung von Erdbeton-Stützscheiben im sogenannten Hydrozementations-Verfahren (HZV), das vom Unternehmen selbst entwickelt wurde.

Konkret sah das Sanierungskonzept die Erstellung von 2 m dicken Erdbetonscheiben mit jeweils 6 m Achsabstand vor, die ein Randbalken entlang des Straßenrands verbindet und abschließt. Der Einsatz des HZV-Verfahrens funktioniert wie folgt: Ein Hydraulikbagger gräbt alle 6 m einen 2 m breiten, stufenartigen Einschnitt in die Hangfläche. Das ausgebaggerte Material wird am Hangfuß per Baggerlöffel mit einer Zementsuspension vermengt, die in einer mobilen Mischanlage entsteht und durch einen Druckschlauch zur Baustelle gepumpt wird. Der vor Ort hergestellte Erdbeton wird sofort wieder in den Hangkörper eingebaut und erreicht innerhalb von 28 Tagen seine Endhärte. Diese wird an regelmäßig erstellten Probekörpern nachgewiesen. Das Schönberger-Konzept sah zudem den Einbau von Rigolen zwischen den Erdbetonscheiben vor, in denen Regenwasser gefahrlos abfließen kann. Nach einer Oberflächenvermörtelung der betroffenen Hangpartien und der Straßenbankette war das Sanierungsverfahren abgeschlossen.

HVZ-Verfahren bei der Hangabsicherung
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Kai Mandler, Bauamtleiter der Gemeinde Wettenberg: „Besonders der wirtschaftliche Aspekt spielte eine Rolle bei unserer Entscheidung für das HZV-Verfahren. Uns wurde immerhin eine Kostensenkung von 20 Prozent gegenüber der Hangsicherung mit Geotextilien angeboten. Die Geologen von ILG haben uns zudem von der technischen Machbarkeit des Verfahrens überzeugt.“ Die Kosteneinsparung ergibt sich laut Florian Schönberger, einem der beiden Geschäftsführer von Schönberger Bau, durch den geringen Material- und Technikeinsatz sowie durch weniger Personal- und Zeitaufwand. Ein weiterer Vorteil des Konzepts: Im Vergleich zu einer Vernetzung mit Geotextilien, die nur punktuell mit Felsnägeln fixiert wird, erreicht Schönberger mit seinem Verfahren eine tiefgründige Verfestigung des Hangkörpers. Denn die im Erdbeton enthaltene Zementsuspension verbindet die Stützscheiben flächenhaft und kraftschlüssig mit dem Untergrund.

Positiv für die Umwelt: Beim Vor-Ort-Verfahren braucht man nahezu keine Transporte. „Der fertige Erdbeton ist korrosions-, wasserfest und umweltneutral und die fertigen Hangflächen können mit einfachen Mitteln wieder begrünt werden – alles in allem eine ökonomisch wie ökologisch günstige Bauweise der Hangsicherung“, ergänzt der Chef des Spezialtiefbau-Unternehmens. Auch der beratende Geologe und Geschäftsführer von ILG, Oliver Gast, hat das Bauvorhaben mit Interesse begleitet: „Besonders überzeugend ist aus unserer Sicht, dass für die gesamte Konstruktion ein statischer Nachweis geführt werden kann. Bei ähnlichen Randbedingungen und Bodenverhältnissen – etwa Lehm oder Lockergestein – kann das HZV-Verfahren auch anderswo eine gute Alternative sein.“