
Innovation ist bei Komatsu gute Tradition

Für den japanischen Hersteller Komatsu bleibt Europa ein zentrales Segment des Weltmarktes – sowohl für die Produktion als auch für den Absatz. Nach einem umfassenden Einblick in die Konzernaktivitäten bei einem Fachpresse-Event in Hannover, haben wir die Gelegenheit genutzt, Maschinen zu testen. Die Neuheiten im Mobilbaggerbereich markieren zugleich das untere und obere Ende der Hannoveraner Baureihe.
In den Fertigungshallen der Komatsu Germany GmbH werden heute hochmoderne Baumaschinen für den Weltmarkt entwickelt und gebaut. Dabei gerät jedoch nie ganz aus dem Fokus, dass dieser Standort bereits seit fast 200 Jahren durch fortschrittliche Industrieproduktion geprägt ist. Zuletzt spürten auch das Werk in Hannover die Auswirkungen einer rückläufigen Nachfrage. Dem begegnete das Unternehmen mit André Wohlers an der Spitze des Werks in Hannover mit verschiedenen Anpassungsmaßnahmen.

Unverändert bleibt die Fertigung von Kernkomponenten wie Achsen und Getrieben am Standort. Eine Stammbelegschaft von rund 700 Beschäftigten ist weiterhin für die Produktion von Mobilbaggern und Radladern bis 5 m³ Schaufelinhalt zuständig. Ausgebaut wurde der Bereich für die Werksüberholung von Komponenten wie Partikelfiltern, Dieselmotoren für Mining-Maschinen sowie Achsen für die Leistungsradlader.
Während bei der letzten Pressezusammenkunft im Januar 2025 der Prototyp des WA170M-11 als größtes Modell der Kompaktradlader-Baureihe im Mittelpunkt stand, bot der aktuelle Rundgang durch das Werk Gelegenheit, zahlreiche Exemplare dieser Maschine im Produktionsprozess zu beobachten. Auf Nachfrage bestätigten die Verantwortlichen, dass sich die Bestelleingänge für diesen neuen Typ erfreulich entwickeln.
E-Mikrobagger mit Honda-Wechselakku
Auch das Thema Elektromobilität treibt Komatsu weiter voran, ersichtlich an den präsentierten Modellen PC01E-2 (330 kg) und PC05E-1 (520 kg), die auf dem japanischen Markt bereits erhältlich sind. Hierzulande sind derartige Mikrobagger– sofern überhaupt verfügbar – bislang eher selten anzutreffen. Für Einsätze unter extrem beengten Platzverhältnissen, insbesondere innerhalb von Gebäuden, haben sie jedoch durchaus ihre Berechtigung. Dabei besonders interessant: die verbauten Wechselakkus von Honda, die bislang vor allem in Elektrorollern zum Einsatz kommen. Sollte sich ihr Einsatz auf weitere Bau- oder Gartengeräte ausweiten, könnte ein ähnlicher Effekt eintreten wie bei Akku-Elektrowerkzeugen, die heute zum Standard auf jeder Baustelle gehören. Die beiden Kleinstbagger befinden sich derzeit noch in der Evaluierungsphase für den europäischen Markt. Es wird spannend zu beobachten sein, ob sie auf eine entsprechende Nachfrage treffen werden.

Muldenkipper mit 9-Gang-Getriebe
Eine echte Neuheit präsentierte Komatsu mit dem HM460-6. Dieser knickgelenkte Muldenkipper basiert auf dem bewährten HM400-5 und bietet eine Nutzlast von 42 t bei einer Muldenkapazität von knapp 26 m³. Der Komatsu-Sechszylinder-Dieselmotor mit einer Leistung von 386 kW (525 PS) läuft dank eines neuen 9-Gang-Getriebes stets im verbrauchsgünstigen Drehzahlbereich. Die neu gestaltete Kabine verfügt über größere Glasflächen und kommt im hinteren Bereich ohne Ecksäulen aus, was die Übersicht zusätzlich verbessert. Diverse Assistenzsysteme entlasten den Fahrer und bieten zusätzliche Sicherheit. Ein Neigungssensor reduziert beispielsweise die Motorleistung bei allzu forscher Kurvenfahrt und verhindert das Anheben der Mulde bei übermäßiger seitlicher Schräglage.
Der neue Muldenkipper HM460-6 hat mich durch ein angenehm niedriges Geräuschniveau und seine intuitive Bedienbarkeit überzeugt.
Damit kann das leidige Umstürzen des Hinterwagens beim Abkippen aktiv verhindert werden. Anders als bei vielen Wettbewerbern führt der Einstieg bei Komatsu nicht über die Kotflügel. Er befindet sich vor der Achse und ist damit weniger Verschmutzung ausgesetzt und auch bei voll eingeschlagener Knicklenkung gut zugänglich. Die Wartung erleichtert der Hersteller mithilfe einer elektrisch zu öffnenden Motorhaube sowie einem vom Boden aus zugänglichem AdBlue-Tank. Batterie- und Anlasser-Trennschalter sowie der Anschluss zum Fremdstarten sind vorbildlich hinter einer leicht zugänglichen Klappe untergebracht. Bei einer kurzen Proberunde auf dem weitläufigen Demo-Areal überzeugte mich die Maschine durch ein angenehm niedriges Geräuschniveau und eine intuitive Bedienbarkeit.

Neue Mobilbagger bieten verbesserte Feinsteuerung
Schließlich gab es noch zwei Neuheiten zu sehen, die Komatsu vor Ort entwickelt und produziert: die Mobilbagger PW148-11E1 und PW190-11E1. Diese Modelle markieren zugleich das untere und obere Ende der Hannoveraner Baureihe. Der PW190 soll den beliebten PW180 ersetzen; ein noch schwereres Modell jenseits der 20-t-Klasse ist derzeit nicht geplant. Beide Bagger wirken auf den ersten Blick vertraut, bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch zahlreiche grundlegende Überarbeitungen.
Dass das Kontergewicht des PW148 bei quer gestelltem Oberwagen lediglich 55 cm über den Unterwagen hinausragt, 5 cm weniger als bei seinem Vorgänger, ist auf beengten Baustellen überaus willkommen.
Der PW148 ist mit seinem reduzierten Heckschwenkradius ein typischer Stadtbagger: Bei quer gestelltem Oberwagen ragt das Kontergewicht lediglich 55 cm über den Unterwagen hinaus. Das sind sogar noch mal 5 cm weniger als bei seinem Vorgänger, was auf beengten Baustellen natürlich überaus willkommen ist. Dank der Load-Sensing-Hydraulik im geschlossenen Kreislauf liegen beide Mobilbagger von Anfang an gut in der Hand und vermitteln dem Fahrer ein sicheres Gefühl. Laut Produktmanager Henrik von Werder hat der Hersteller spezielle Anpassungen vorgenommen, um die Feinsteuerbarkeit nochmals zu verbessern – was sich tatsächlich beim Planum-Ziehen deutlich bemerkbar macht.

Das vertraute Handling liegt nicht zuletzt daran, dass weiterhin die bewährte hydraulische Vorsteuerung verbaut ist. Die Umstellung auf ein elektrohydraulisches System ist erst für die nächste Generation vorgesehen. Die beiden Demo-Maschinen waren mit der optional verfügbaren 315/70 R 22.5 Achtfach-Bereifung ausgestattet. Diese ist ein guter Kompromiss aus Traktion und Standruhe beim Arbeiten und reduziert gleichzeitig das Verschleppen von Schmutz auf öffentliche Straßen. Besonders der PW 148 gibt sich beim Baggern richtig agil und steht dabei auch ohne Abstützung erstaunlich ruhig. Will der Anwender die seitliche Stabilität weiter erhöhen, sind für beide Bagger auch Breitspurachsen (2,75 m) bestellbar.
Reduzierte Bauhöhe erleichtert den Transport
Auch der PW 190 profitiert von konstruktiven Maßnahmen, die die Bauhöhe reduzieren und gleichzeitig den Schwerpunkt absenken. Dieses verleiht dem Bagger sowohl einen sicheren Stand beim Arbeiten als auch eine günstige Transporthöhe von 3,10 m über der Kabine. Als ich mich zuletzt ausführlicher mit den Komatsu-Mobilbaggern beschäftigt hatte (bd 09/2024), war mein einziger Kritikpunkt die etwas unterdimensioniert wirkenden Radial-Scheibenwischer. Für die neuen Maschinen ist jetzt ein kerniger Parallelogramm-Wischer verfügbar! Beide Maschinen sind ab Werk für den Einsatz von Tiltrotatoren vorbereitet.
Ebenso sind die Anbaupunkte für die Winkelsensoren einer Maschinensteuerung serienmäßig vorhanden. Optional sind beide Mobilbagger mit zwei gelenkten Achsen erhältlich. Dadurch reduziert sich der Wenderadius über die Außenkante der Räder auf nur noch 4,10 m. Das ist tatsächlich ein sehr ungewöhnliches Ausstattungsmerkmal für einen Mobilbagger über 10 t Dienstgewicht. Es war eindrucksvoll zu erfahren, wie sich die Wendigkeit der Maschinen mit den zusätzlichen Lenkmodi „Allrad“ und „Hundegang“ verbessert. Auf beengten Baustellen könnte dies zum entscheidenden Vorteil werden.

