Update bei den Bestsellern

Neue Wacker-Neuson-Minibagger im Praxistest

Die drei neuen Minibagger sind sofort an dem überarbeiteten Design mit den klaren Linien und Flächen sowie der Farbgestaltung mit der dunkelgrauen Kabine zu erkennen. Bilder: bd/Bömer

Die Vorgängermodelle waren seit etwa 2012 auf dem Markt, und es wurde Zeit für ein Update. Rein äußerlich lassen sich die neuen Maschinen sofort an der geänderten Farbgebung erkennen, denn das helle Grau der früheren Kabinen ist durch einen dunkleren Grauton ersetzt worden. Auch wurde die Formensprache, die bereits die größeren Baggertypen auszeichnet, nun auch in dieser kleineren Klasse konsequent fortgeführt. Die klaren Linien und Flächen stehen auch den kleineren Exemplaren sehr gut. Dabei vermisse ich persönlich die schwungvollen Konturen vergangener Tage tatsächlich eher weniger.

Grundlegende Veränderungen

Natürlich würde es deutlich zu kurz greifen, wenn bei den Maschinen lediglich die äußere Hülle aufgehübscht worden wäre. Das Entwicklerteam hat auch zahlreiche neue technische Lösungen gewählt. Bei den beiden Modellen ET 18 und ET 20 wurde der Hubzylinder erstmalig oberhalb des Auslegers angeordnet. Eine Beschädigung durch Kollisionen im Arbeitseinsatz ist damit weitgehend ausgeschlossen. Zum Schutz der anderen Zylinder dient eine Wacker-Neuson-Spezialität: der Kolbenstangenschutz aus widerstandsfähigem Kunststoff. Bei einer Berührung wird die empfindliche Chromschicht vor scharfen Kanten geschützt. Die Kunststoffplatte federt anschließend in ihre ursprüngliche Form zurück. Die herkömmliche Metallschiene verbiegt bei so einem Rempler und muss demontiert werden. Dabei bleibt es dann auch gerne, und der nächste Treffer landet direkt auf der Kolbenstange.

Die größte strukturelle Änderung betrifft den ET 25, der den ET 24 ablösen wird. Letzterer wirkte (jetzt kann ich es ja sagen …) immer ein wenig, als wäre er aus Baugruppen unterschiedlicher Modelle zusammengesetzt worden. Was sicher von vielen Anwendern vermisst wurde, war ein verstellbarer Unterwagen, zumal der Oberwagen ja gute 40 cm schmaler war als das Fahrwerk. Dieses Manko wurde mit dem ET 25 beseitigt, da das Fahrwerk samt Schild von 1,50 m Breite auf 1,15 m zusammengezogen werden kann. Da er die Plattform mit einem 2,0-Tonnen-Bagger teilt, bleibt er tatsächlich unter 2,5 t Transportgewicht, was einen legalen Transport auf dem Pkw-Anhänger deutlich vereinfacht.

Technik wie die Großen

Wenn der Minibagger gefällig ausschaut, ist das ja sicher kein Fehler. Sein Geld verdient er jedoch, wenn er arbeitet. Und hierfür ist er auch technisch bestens gerüstet. Laut Gabriel Graef, Produktmanager Kettenbagger, sind alle drei Modelle serienmäßig mit einer Load-Sensing-Hydraulik ausgestattet. So etwas kannte man bislang eher von größeren Maschinen, allerdings sind die Ansprüche an die Minis ebenso gestiegen. Lediglich einen Kabelgraben ausheben zu können, reicht heutzutage nicht mehr. Das Betreiben von hydraulischen Anbaugeräten – auch während des Fahrens – wird immer mehr zur Normalität. Diesen Wünschen wird ein LUDV-Hydrauliksystem deutlich besser gerecht als herkömmliche Lösungen. Die konstante Ölversorgung auch unter wechselnden Lastdrücken vereinfacht die Feinsteuerbarkeit ebenfalls spürbar. Um alle denkbaren Anbaugeräte betreiben zu können, sind einschließlich Powertilt und hydraulischem Schnellwechsler insgesamt bis zu fünf Zusatzkreise optional erhältlich. Dabei steht eine Fördermenge von bis zu 45 l/min zur Verfügung. Das exklusive VDS-System, mit dem der Oberwagen auch auf seitlich geneigtem Untergrund waagerecht gestellt werden kann, ist ebenso für alle drei Modelle erhältlich.

Komfortkabine

Einen gewissen Standard beim Bedienkomfort erwarten die Anwender heutzutage – zu Recht – auch von ihren Kompaktmaschinen. Dazu gehört eine proportionale Ansteuerung von Zusatzkreisen auf dem Joystick, genauso wie deren Einstellbarkeit über das Display. Hierdurch erübrigen sich auch zusätzliche Pedale im bauartbedingt knappen Fußraum. Über die Möglichkeit, den unteren Teil der Frontscheibe gemeinsam mit dem Oberteil unter das Kabinendach zu schieben, verfügen natürlich auch die drei Neuen.

Erstmalig in dieser Klasse ist eine Klimaanlage als Option verfügbar, wobei sich die Kondensatoren vergleichsweise gut geschützt hinten am Kabinendach befinden. Manchmal machen ja gerade die Kleinigkeiten den Unterschied. So sind die Haltegriffe nun farblich abgesetzt und vor allem verschraubt. Sollte es hier einmal zu einer unbeabsichtigten Kaltverformung kommen, sind sie leicht zu ersetzen. Und schließlich verfügen die Neuen wieder über zwei Hebeösen am Dach, sodass die Maschine ohne großen Aufwand sicher mit einem Kran angehoben werden kann. Der Bagger hängt dabei automatisch gerade, und verwegene Improvisationen mit nur bedingt geeigneten Anschlagmitteln werden somit überflüssig.

Proberunde

Zunächst etwas ungewohnt ist der Startvorgang: Der Zündschlüssel wird kurz in die Anlassposition gedreht. Danach glüht das System je nach Bedarf vor, und der Motor springt anschließend automatisch an.

Man merkt der Kabine an, dass sie in großen Teilen vom größeren EZ 26 adaptiert wurde, denn der vorhandene Platz wird maximal ausgenutzt. Die Tür gibt eine ausreichend breite Einstiegsöffnung frei, ragt im komplett geöffneten Zustand jedoch nicht über das Maschinenprofil hinaus, was Beschädigungen vorbeugt. Der Kabinenboden ist aufgeräumt, da zusätzliche Pedale fehlen. Diejenigen an den Fahrhebeln sind klappbar ausgeführt und lassen sich auch mit Arbeitsschuhen vernünftig bedienen. Sowohl Fahrwerk als auch Schild sind in der neuen Serie übrigens vorgesteuert.

Die Löffelschneide reicht jetzt bis an das längere Planierschild heran, wodurch das Aufnehmen von Restmaterial problemlos möglich ist. Unter den Demomaschinen war auch eine, die mit dem einzigartigen VDS-System ausgestattet war. Also haben wir diese auch mal in eine Situation mit quer geneigter Standfläche gebracht. Das macht das Arbeiten in solchen Lagen definitiv einfacher und sicherer. Wer also häufig mit derartigen Szenarien konfrontiert ist, sollte diese Lösung durchaus in Betracht ziehen. Um sich gelegentlich zu behelfen, ist allerdings auch das lange Planierschild schon eine große Hilfe. Dies bestätigte sich auch beim Erklimmen einer Bodenmiete, was der ET 18 klaglos absolvierte. Wie er sich mit hydraulischen Anbaugeräten schlägt, konnten wir zwar nicht testen, jedoch gab es während des Fahrens keine Einschränkungen der weiteren Bewegungen. Beim Arbeiten mit dem Tieflöffel zeigte er sich ausgesprochen agil.

Fazit

Das neue Design kommt schnörkellos daher und passt damit ausgezeichnet zu einer Baumaschine. Auch technisch sind die Neuen auf der Höhe der Zeit und entsprechen damit den heutigen Erwartungen. Durch die zahlreichen Ausstattungsvarianten lassen sich die Maschinen an die jeweiligen Anforderungen (und Budgets) der Anwender anpassen. Mit den neuen Modellen hat Wacker Neuson die besten Voraussetzungen, in diesem wichtigen, jedoch auch hart umkämpften Marktsegment weiterhin erfolgreich mitzumischen.

Nicht zu vergessen

Auch wenn sie vielleicht nicht im Zentrum dieser Veranstaltung standen: Das Programm der elektrischen Maschinen von Wacker Neuson wird stetig erweitert. Gleichzeitig haben die Komponenten eine große Alltagstauglichkeit erreicht. Über die BatteryOne-Plattform sind die Wechselakkus für die leichteren Baugeräte auch in Produkten weiterer Hersteller verwendbar, was sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die Akzeptanz bei den Anwendern erhöht. Für den Einsatz von Kleingeräten mit den antiquierten (und hochgradig nervtötenden) Verbrennungsmotoren sprechen damit eigentlich keine vernünftigen Gründe mehr.

Mit dem EZ 10e bietet Wacker Neuson jetzt auch einen E-Bagger in der 1,0-t-Klasse an. Der kann sich auf unter 80 cm schmal machen und ist damit ideal für Innenarbeiten geeignet. Außerdem passt er durch fast jedes Gartentor.

Der EZ 26e ist jetzt lieferbar, und bei der großen Batterievariante mit 39 kWh wird die Laufzeit mit etwa 6,0 Stunden angegeben. Das sollte bei einem Bagger dieser Größe in der Regel problemlos für einen ganzen Arbeitstag reichen. Bei Arbeiten, die dauerhaft eine hohe hydraulische Leistung erfordern – also beim Stemmen, Fräsen oder Betonbeißen –, sind selten hektische Standortwechsel gefragt. Bei solchen nahezu „statischen“ Einsätzen lässt das System auch ein Nachladen während des Arbeitens zu, wodurch sich quasi eine unbegrenzte Laufzeit ergibt. Die Palette emissionsfreier Baumaschinen von Wacker Neuson bildet mittlerweile ganze Prozessketten ab, wodurch die Elektrifizierung ganzer Baustellen machbar ist. Das Angebot ist also da. Es braucht Offenheit aufseiten der Anwender und, noch viel wichtiger, klare Vorgaben einschließlich der (finanziellen) Wertschätzung seitens der Auftraggeber.