Schnelleinsatzkran von Liebherr
Schnellmontagekrane

Praktische Helfer mit universellen Fähigkeiten

Schnelleinsatzkrane machen etwa zwei Drittel des deutschen Kranbestands aus. Immer häufiger sieht man sie im Einsatz als flexible Ergänzung unter großen Obendrehern. (Bild: Liebherr)

Krane sind weithin sichtbarer Hinweis auf einer Baustelle und gelten als Symbol für rege Bautätigkeit. Vor allem die Obendreher, die bei großen Bauprojekten oft in Gruppen auftreten. Die zahlenmäßig größere Gruppe sind jedoch die Schnellmontagekrane. Diese kurzfristig einsatzbereiten Helfer sind nicht nur auf der kleinen Einfamilienhaus-Baustelle zu finden, man trifft sie zunehmend auch auf Großbaustellen im Schatten der Obendreher.

Bei unseren westlichen Nachbarn zählte in der Vergangenheit der kleine Kran nicht immer zur Grundausstattung einer kleinen Baustelle, obwohl dort einer der bekanntesten und erfolgreichsten Hersteller dieser praktischen Hebezeuge zu Hause ist. Kleinere Baumaßnahmen wurden dort gern auch mit einem geländegängigen Stapler bzw. Teleskopstapler bedient. Bei niedrigen, ebenerdigen Gebäuden, die von allen Seiten gut zugänglich sind, geht das. Nicht aber bei einem unterkellerten Bauwerk mit offener Baugrube oder in Baulücken, wo die Grundstücke heute wegen ihres Preises kaum größer sind als die überbaute Fläche und der wertvolle Platz kaum für die Baustelleneinrichtung ausreicht. Der Schnellmontage- oder Schnelleinsatzkran ist als effizientes und platzsparendes Hebezeug optimal und – je nach Baustellenbedarf und Leistungsanforderung – die wirtschaftlichste Art der Baustellenversorgung.

Die heute verfügbare Palette der Schnelleinsatzkrane deckt ein breites Spektrum ab, das von etwa 16 m Ausladung und 600 kg Traglast an der Auslegerspitze bis rund 1,5 t bei stolzen 50 m Ausladung reicht. Diese flexiblen Baustellenhelfer mit Lastmomenten über 100 mt reichen somit in Traglastbereiche hinein, wo bislang Obendreher das Bild bestimmten. Obwohl ein derart großes Exemplar teurer ist als ein kleiner Obendreher mit vergleichbarem Lastmoment, gibt es für diese Entwicklung ein schlagendes Argument: die Zeit. Einen großen Schnelleinsatzkran von der einen Baustelle auf die nächste umzusetzen, schaffen zwei Mann in der Regel an einem Tag. Kleinere Modelle setzt ein eingespieltes Kranteam sogar an einem halben Tag um. Das heißt: abbauen und am nächsten Einsatzort betriebsfertig aufstellen, einschließlich Transport über eine kurze Strecke. Mit relativ bescheidener Transport- und Montagelogistik und vor allem ohne Mobilkran, der zum Aufbau auch eines kleinen Obendrehers unverzichtbar ist. Bei Projekten, die wenige Wochen bis mehrere Monate dauern, ist der Schnelleinsatzkran die wirtschaftlichere Lösung, und bei steigendem Zeitdruck wird sich dieser Trend fortsetzen.

Die Hakenhöhen reichen mit knapp 40 m deutlich über die typischen Häuslebauer-Krane hinaus, wofür Schnelleinsatzkrane vor etlichen Jahren noch galten. Ein Grund auch, warum man die großen Exemplare auch auf großen Baustellen unter und zwischen Obendrehern antrifft. Dort fungieren sie als schnelle und flexible Zubringer und Ergänzung und werden nach Bedarf auch kurzfristig, dem Bauablauf folgend umgesetzt. Bei Tätigkeiten mit hoher Kranbindung werden damit die langen Wartezeiten reduziert. Indem die Kranverfügbarkeit steigt und der typische Flaschenhals im Baubetrieb entschärft wird, beschleunigt sich der Baufortschritt insgesamt. Im Schnitt dürften in Deutschland auf einen Obendreher zwei Schnelleinsatzkrane kommen – Marktkenner, die den gesamten Kranmarkt derzeit mit rund 15.000 Exemplaren veranschlagen, nehmen an, dass etwa zwei Drittel auf Schnelleinsatzkrane entfallen.

Transport eines Schnelleinsatzkran von BKL
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Kleine Modelle bis etwa 30 m Ausladung besitzen üblicherweise faltbare Vollwandtürme, die mit Hydraulikzylindern in wenigen Minuten aufgerichtet werden und ihre Ausleger ausklappen – deshalb oft auch der Name Hydraulikkran. Die Türme der größeren Baureihen kommen dagegen im klassischen Gitter- bzw. Fachwerkdesign daher, meist mittels Seilzug aufgestellt. Während beim Vollwandturm die maximale Aufbau- bzw. Hakenhöhe konstruktionsbedingt vorgegeben ist, können bei den meisten Gittertürmen zusätzliche Turmstücke eingeklettert und die Hakenhöhe dem konkreten Bedarf angepasst werden. So erreicht beispielsweise der 81K.1 von Liebherr mit sechs zusätzlichen Turmschüssen und voll austeleskopiert mehr als 40 m Hakenhöhe – mit 45° steil gestelltem Ausleger sogar stolze 55 m. Diese extreme Anpassungsfähigkeit ist für hohe Bauwerke wichtig, aber auch um Hindernissen wie Bäumen oder Leitungen im Schwenkbereich ausweichen zu können. Oder auf größeren Baustellen, wo sich mehrere Krane gegenseitig über- oder unterschwenken, um sicheren Betrieb und eine gefahrlose Windfreistellung zu gewährleisten.

Die Ausleger bestehen meist aus zwei oder drei Segmenten – sogar vierteilige gibt es –, die beim Transport eingeklappt sind. Außer dem ganzen Ausleger können zahlreiche Exemplare im Betrieb auch einzelne Segmente unterschiedlich anwinkeln, einige auch komplett einklappen. So erhöht sich die Hakenhöhe, während die Ausladung und die Kollisionsgefahr mit Hindernissen reduziert werden. Ein vollständig eingeklapptes Auslegerendstück steigert zudem die verfügbare Traglast – bei geringerer Ausladung.

Zur Baustelle kommt ein Schnelleinsatzkran üblicherweise auf dem eigenen Fahrwerk mit 25 km/h oder mit 80 km/h geschleppt von einem Lkw, der, falls erforderlich, auf der Ladefläche gleich den Ballast mitbringt. Sofern der Kran nicht komplett mit Gegengewicht verfahren wird, wie einige Modelle im unteren Traglastbereich. In der Regel überschreitet die Länge eines solchen Zugs die nach STVO zulässigen 18 m, sodass grundsätzlich eine Ausnahmegenehmigung erforderlich ist. Firmen, die häufiger solche Transporte erledigen, verfügen über eine entsprechende Dauerzulassung. Die vom Kranhersteller zugelassenen Transportachsen (Anhänger oder Sattelauflieger) halten die zulässigen Achslasten nach StVO sicher ein. Doch weil die Homologation, also Straßenzulassung von Transportachsen in manchen europäischen Ländern deutlich restriktiver geregelt ist als in Deutschland, werden beispielsweise in Italien auch kleine Schnelleinsatzkrane meist per Tieflader transportiert. Dies dürfte auch ein Grund sein, weshalb Schnelleinsatzkrane außerhalb Europas weniger verbreitet sind.