Über die Rolle von KI im Garten- und Landschaftsbau

Gastkommentar von Benjamin Küsters, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL) und Vorsitzender des BGL-Fachausschusses Betriebswirtschaft und Digitalisierung.
Die Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI) wird häufig in Extremen geführt: hier die Vision vollautomatisierter effizienter Prozesse, dort die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen oder sogar ganzer Branchen. Im Garten- und Landschaftsbau nehme ich eine eher gelassene Haltung zum Thema KI wahr – und wir gehen konstruktiv damit um.
Der BGL versteht sich dabei als Übersetzer und Berater: Dazu haben wir uns auch externe Fachleute ins Boot geholt – aus der Forschung und Entwicklung. Aktuell arbeiten wir an einer eigenen Galabau-KI für einen leichten und zentralen Zugang zu allen wichtigen Informationen des BGL und der Landesverbände. Unsere Mitglieder werden diese Lösung auf der Internationalen Leitmesse Galabau vom 15. bis 18. September 2026 in Nürnberg testen können.

Digitalisierung ist im Garten- und Landschaftsbau kein Fremdwort mehr, sondern längst gelebte Praxis: von CAD-gestützten Planungen über digitale Aufmaße bis zu vernetzten Maschinenparks. KI erweitert die Möglichkeiten. Sie analysiert große Datenmengen in kurzer Zeit, erkennt Muster, optimiert Routen, unterstützt bei der Angebotserstellung oder hilft, Bauzeiten verlässlicher zu prognostizieren. Das spart Ressourcen – personell wie materiell – und schafft Spielräume für das Wesentliche: Qualität im Projekt, persönliche Beratung und Betreuung der Kundschaft.
KI entlastet, der Mensch gestaltet
Besonders in administrativen Prozessen entfaltet KI ihr Potenzial. In Zeiten knapper personeller Ressourcen ist das ein entscheidender Faktor. Auch deshalb sind immer mehr unserer 4.200 Verbandsmitglieder offen für diesen Wandel. Gleichzeitig bleibt der Kern unseres Berufs als Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner gestaltend, beratend und handwerklich. Ein nachhaltiges Grünkonzept zu entwickeln und dauerhaft zu pflegen, es mit privaten, kommunalen oder gewerblichen Auftraggebern abzustimmen und zu realisieren und sie dabei – von Mensch zu Mensch – persönlich und fachlich versiert zu beraten: Das alles erfordert Erfahrung, Empathie und gestalterisches Gespür. Diese Qualitäten sind nicht algorithmisch reproduzierbar, sondern das Ergebnis einer guten Aus- und Fortbildung sowie jahrelanger praktischer Erfahrung. KI kann Daten liefern, Inhalte und Wissen bündeln; doch die Verantwortung für Entscheidungen tragen weiterhin die Menschen. Und sie entscheiden auch, welchen Partnern sie dabei dauerhaft vertrauen.
„KI analysiert große Datenmengen in kurzer Zeit, erkennt Muster, optimiert Routen, unterstützt bei der Angebotserstellung oder hilft, Bauzeiten verlässlicher zu prognostizieren. Das spart Ressourcen – personell wie materiell – und schafft Spielräume für das Wesentliche: Qualität im Projekt, persönliche Beratung und Betreuung der Kundschaft.“
Wer komplexe Klimaanpassungsmaßnahmen plant und umsetzt oder multifunktionale Sport- und Spielanlagen realisiert, benötigt interdisziplinäres Denken, ein gutes Netzwerk und viel Erfahrung – auch in der Zusammenarbeit mit Menschen – sowie Umsetzungskompetenz. Das alles sind Stärken unserer Branche.
Digitale Transformation: Impuls für beruflichen Nachwuchs
Mit KI lassen sich Fehlerquellen in der Kalkulation reduzieren, Planungsvarianten schneller vergleichen, Nachhaltigkeitsaspekte fundierter bewerten, Personal gezielter einsetzen. Das erhöht Transparenz gegenüber Auftraggebern und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.
Zugleich wirkt sichtbare digitale Transformation als Impuls und Anreiz für den beruflichen Nachwuchs. Denn gerade junge Menschen erwarten eine moderne Arbeitsumgebung. Wer mit digitalen Tools, automatisierten Prozessen und datenbasierten Entscheidungsgrundlagen arbeitet, der präsentiert sich als zukunftsfähiger und attraktiver Arbeitgeber. Für uns als größter Arbeitgeberverband der „grünen Branche“ sehe ich hier eine strategische Aufgabe: Qualifizierung, Weiterbildung und der verantwortungsvolle Umgang mit neuen Technologien gehören in die Mitte unserer Verbandsarbeit.
KI im Garten- und Landschaftsbau ist für mich ein konsequenter Entwicklungsschritt. Unsere Branche hat sich über Jahrzehnte hinweg stabil und anpassungsfähig gezeigt – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Diese Resilienz basiert auf handwerklicher Kompetenz, unternehmerischem Denken und der Bereitschaft, Neues anzunehmen. Ich bin überzeugt: Wer KI als Werkzeug begreift und mit fachlicher Expertise verbindet, der wird davon profitieren. Nicht die Technologie entscheidet über den Erfolg, sondern der verantwortungsvolle Einsatz durch qualifizierte Fachbetriebe. Genau dafür stehen die Verbände des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus.