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So arbeitet Liebherr an der digitalen Transformation

Die Baustelle der Zukunft ist digital, automatisiert, vernetzt und – wo sinnvoll – autonom. Mit intelligenter Software, KI-gestützten Assistenz- und Autonomiefunktionen sowie Fernsteuerungstechnologie treibt Liebherr diese Entwicklung für seine Baumaschinen, Krane und Mininggeräte voran.

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Die Zukunft hat schon begonnen: Der autonome Radlader erledigt seine Arbeiten komplett selbstständig in einem definierten Arbeitsbereich und passt sich kontinuierlich einer veränderlichen Umgebung an. (Bilder: Liebherr)

Die Automatisierung von Maschinen und Prozessen spielt eine Schlüsselrolle, um Sicherheit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Baustellen zu steigern. Intelligente Steuerungs- und Assistenzsysteme sorgen dafür, dass Maschinen zum Beispiel selbstständig auf Hindernisse und Gefahrenquellen reagieren können und gewährleisten eine exakte und effiziente Umsetzung komplexer Abläufe. Den optimalen Automatisierungsgrad gibt es allerdings nicht. Vielmehr definieren Maschinentyp, Einsatzgebiet und Kundenanforderungen, wie viel Automatisierung zum aktuellen Zeitpunkt sinnvoll ist. So ist bei Arbeitsprofilen, die von großer Monotonie geprägt sind, eine hohe oder sogar vollständige Automatisierung sinnvoll. Auf städtischen Baustellen mit komplexen, volatilen Umgebungsbedingungen bieten sich stattdessen intelligente Assistenzsysteme oder Teilautomatisierungen an, die den Menschen bei kreativen Arbeiten oder bei spezifischen Lösungskonzepten unterstützen. „Wir stellen differenzierte Lösungen für jeden Einsatz bereit, um unseren Kunden maximalen Nutzen zu bieten“, sagt Manuel Bös, Leiter Aufstrebende Technologien bei Liebherr in Bischofshofen. Allen gemein soll die einfache Bedienbarkeit sein.

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Liebherr Connect integriert Maschinen in einem gemeinsamen Netzwerk, sodass Betreiber Zugriff auf Maschinen- und Prozessdaten erhalten.

Das Remote Control System (LiReCon) von Liebherr erlaubt die präzise Maschinensteuerung aus sicherer Entfernung. Der Maschinenführer operiert dabei von einem sogenannten Teleoperationsstand aus. Von dort lenkt er mit Joysticks und Bildschirmen über ein Video-Fernsteuerungssystem die mit der LiReCon-Steuerungsarchitektur und Assistenzsystemen ausgerüstete Maschine. Mithilfe schneller Datenübertragung wird die Fernsteuerung Teil der automatisierten Arbeit, da die Assistenzsysteme den Maschinenführer entlasten und relevante Maschinendaten in Echtzeit visualisieren. So lässt sich beispielsweise Hunderte Kilometer vom Einsatzort entfernt mit dem Schild einer 70-t-Planierraupe präzise ein konstanter Steigungswinkel planieren. Aber nicht nur das: Die spartenübergreifende Entwicklung macht es möglich, mit LiReCon unterschiedliche Maschinen fernzusteuern und zwischen einem Turmdrehkran, einer Offshore- oder einer Erdbewegungsmaschine umzuschalten.

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Über den realen Bedienerarbeitsplatz, ausgestattet mit allen notwendigen Bedienelementen und Systeminformationen, werden Liebherr-Maschinen remote aus der Ferne gesteuert.

Weniger Stillstand

Weil vom Operationsstand aus gearbeitet wird, sind schnelle und sichere Schichtwechsel möglich. Zugleich werden Stillstandzeiten minimiert und betreffen nur die Maschine und nicht die Bediener. Auch die körperliche Belastung wird reduziert: Bediener sind weder Vibrationen noch Schall oder Staub ausgesetzt. Wiederkehrende Routineaufgaben wie das Graben oder das Transportieren und Einbauen von Materialien erledigt der autonome Radlader von Liebherr selbstständig. Dabei erkennt er Hindernisse, berechnet optimale Bewegungspfade und passt sich an veränderte Umgebungen an. Unter Berücksichtigung von integrierter künstlicher Intelligenz, lernt die Maschine kontinuierlich dazu und erhöht die Effizienz mit jedem Einsatz. Mit dem hohen Autonomiegrad ergibt sich eine einfache Bedienung. Die Maschine arbeitet auf Basis einer grafischen Aufgabendefinition und trifft alle nötigen Entscheidungen pro Arbeitszyklus selbstständig. Das reduziert den Bedarf an menschlicher Überwachung und ermöglicht nahezu einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb.

Mensch, Maschine und Umwelt vernetzt

Klar ist: Autonomie beginnt mit Vernetzung. Die Connectivity-Lösung Liebherr Connect bildet die Grundlage für neue Technologien wie autonome Steuerung, KI-gestützte Wartung und vernetzte Baustellen. Liebherr Connect vernetzt Mensch, Maschine und Umwelt zu einem leistungsfähigen System und schafft damit die Basis für autonome Prozesse. Erst durch intelligente Vernetzung wird der Zugriff auf umfassende Maschinen- und Prozessdaten möglich. Im Bergbaubetrieb erfolgt die Vernetzung bei Liebherr über die Plattform IoMine. Sie erleichtert die Umstellung auf den integrierten Betrieb mit einem vollständig vernetzten Ökosystem aus menschengeführten und autonomen Maschinenlösungen. Liebherr geht davon aus, dass autonome Baumaschinen herkömmliche Geräte nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen werden. Wo der Mensch seine Stärken in der kreativen Problemlösung ausspielen kann, wird er von Assistenzsystemen unterstützt.

LiebherrNeue Vision beim Materialtransport

Der sogenannte S1 Vision hat seinen Ursprung im Liebherr-Produktsegment Mining und entstand mit dem Ziel, das klassische Muldenkipper-Transportkonzept neu zu definieren. Der batterieelektrische, autonome, einachsige Muldenkipper soll durch seine Kompaktheit und Flexibilität überzeugen. Mit einer Nutzlast von 220 kg bis zu 131 t ist er vielseitig einsetzbar. Die innovative digitale Steuerung macht den S1 Vision besonders zukunftsfähig, da er perspektivisch in einem digitalen Ökosystem mit anderen Maschinen kommunizieren kann.