
Hands-on bei den Develon-Demo-Days
Mitte April veranstaltete Develon südwestlich von Prag wieder seine beliebten Demo-Days. Wir hatten vorab die exklusive Gelegenheit zu einem ausgiebigen „Hands-on“ mit einigen ausgewählten Maschinen.

Insgesamt rund 800 Kunden, Händler und Pressevertreter erwarteten die Veranstalter zu dem viertägigen Event. Langeweile kam dabei gewiss nicht auf, denn das Team hatte 25 Maschinen von 1,0 t bis 42 t Dienstgewicht in den Háje-Steinbruch nahe seines Trainingscenters transportiert. Aufgrund einer Terminüberschneidung konnten wir leider nicht an der offiziellen Veranstaltung teilnehmen, wodurch uns die moderierten Maschinenpräsentationen verwehrt blieben. Dies bedeutete jedoch im Umkehrschluss: umso mehr Zeit auf den Maschinen selbst!
Kettenbagger der Serie 9 waren die Stars
Die neue Kettenbagger-Generation von HD Hyundai und Develon hatte ihren großen Auftritt ja bereits auf der Bauma 2025. Für viele Anwender dürfte daher das Highlight der Demo-Days gewesen sein, die elektrohydraulische Vorsteuerung erstmals selbst in der Praxis zu erleben. Echte Neuheiten im Programm waren der DX 360LC-9 und der DX 400HD-9, die auf der weltgrößten Baumaschinenmesse ja zunächst im Hyundai-Gewand zu sehen waren. Zusätzlich zur Farbgebung und den Details in der Oberwagenverkleidung unterscheiden sich die Modelle der jeweiligen Konzernmarken durch eine eigene Kabine und individuelle Software, welche dem Bediener ein möglichst vertrautes Nutzererlebnis vermitteln sollen.
Der DX 400 ist derzeit das Spitzenmodell der Serie 9. Mit den äußerst griffigen Zweisteg-Bodenplatten und dem Steinschlagschutzgitter ist er perfekt gerüstet für den Steinbruch, schweren Erdbau oder Abbruch. Die beiden neuen Maschinen werden von den 6-Zylindermotoren DX08 angetrieben, welche aus konzerneigener Fertigung stammen. Sie lösen die Scania-Motoren der Vorgängermodelle ab. In der Kabine der Serie-9-Kettenbagger herrscht in der Regel ein Schallpegel von 67 dB(A), was einem außergewöhnlich niedrigen Wert entspricht. Er deckt sich mit meinem subjektiven Eindruck: Die Kabinenlüftung auf höherer Stufe ist deutlich stärker wahrnehmbar als das Motorgeräusch selbst.

Ich nutzte die Zeit, um einmal etwas ausgiebiger durch das Menü zu navigieren. Optionen wie die Wiegefunktion mit definierbarem Zielgewicht und Lift-Assist sind echte Unterstützungen, wo sonst nur mehr oder weniger qualifiziert geschätzt werden musste. Manch einem Profi mögen die virtuellen Wände als überflüssige Spielerei erscheinen. Hängt allerdings da ein verträumtes Kabel über dem Arbeitsbereich, auf das man schon den ganzen Tag geachtet hat, und nun schwenkt man nur einmal herum, um dem Mitarbeiter etwas zu zeigen… schon wäre man froh, eine automatische Höhenbegrenzung zu besitzen. Um auch nur annähernd alle Features der Serie-9-Bagger zu entdecken, braucht es eine ausgiebige Einweisung.
Mehr Daten als je zuvor
Wer den zweiten 12-Zoll-Monitor mitgeordert hat, bekommt eine ordentliche Menge an Informationen ins Blickfeld geliefert. Die Maschine erzeugt eben mehr Daten als je zuvor. Sowohl das 2D/3D-System, die Kamera mit Personenerkennung und E-Stop sowie weitere Assistenzsysteme verlangen nach Interaktion mit der Maschine, und die läuft heutzutage nun mal über ein Touchdisplay. Die Möglichkeiten sind mittlerweile da, nun muss jeder Anwender für sich entscheiden, was ihm einen tatsächlichen Mehrwert bringt. Gut, dass alle Systemerweiterungen in verschiedenen Paketen bestellbar sind.

Sollte nun der Eindruck entstehen, dass nur noch die IT-Fachkraft in der Lage ist, den Bagger zu bedienen, ist das natürlich übertrieben. Sämtliche Grundfunktionen einschließlich Licht, Klima, Wischer etc. erschließen sich weiterhin intuitiv. Auch liegt der Bagger mit der neuen elektronischen Vorsteuerung schnell in der Hand – dabei ist dies ja bekanntlich alles eine Frage der Einstellung, sowohl der Joysticks als auch des Fahrers! Mit den Serie-9-Maschinen macht Develon jedenfalls ein ganz neues Spektrum auf – man muss es nur zu nutzen wissen.
Erweitertes Raupenprogramm
Bereits seit 2023 gibt es die Planierraupe DD 130 (15,3 t LGP) auf dem europäischen Markt. Jetzt erhält sie mit der DD 100 (11,6 t LGP) eine Ergänzung. Während die DD 130 über ein Perkins-Aggregat verfügt, treibt ein hauseigener 4-Zylinder-Dieselmotor mit 91 kW (122 PS) die kleinere Variante an. Der Kühler befindet sich am Heck, die Motorhaube ist sehr schlank und steil abfallend gestaltet, was eine ausgezeichnete Sicht nach vorne ermöglicht. Besonders für einen Planierraupen-Nichtprofi wie mich ist es ein ganz entscheidender Faktor, die Ecken des 6-Wege-Schildes jederzeit im Blick zu haben, und auch für Vollblut-Raupenfahrer hilft ein guter Überblick sicherlich bei Hindernissen und beengten Baustellen.

Die Bedienung ist tatsächlich sehr intuitiv; die ergonomisch gestalteten Joysticks befinden sich in den Konsolen des luftgefederten Sitzes. Per elektronischer Ansteuerung lässt sich ihr Ansprechverhalten über das Menü im Touchdisplay den eigenen Vorlieben und der Aufgabe entsprechend anpassen. Ebenso ist das dozerübliche Negativ-Gaspedal vorhanden, jedoch werden auch bei eingestellter Nenndrehzahl die Richtungswechsel durch den Hydrostaten ohne harte Stöße eingeleitet. Nach anfänglicher Zurückhaltung konnte ich langsam das Tempo erhöhen, was stufenlos über eine Rolle am linken Joystick erfolgt. Als weniger routinierter Bediener ist man recht gut damit ausgelastet, alles im Blick zu halten. Da ist das große Display mit dem Bild der Rückfahrkamera eine willkommene Entlastung, um Kollisionen vorzubeugen.
„Ich habe zuletzt bei eigentlich jeder Proberunde in einem der aktuellen Hightech-Bagger – markenunabhängig – erfahren, dass nach meiner unbedarften Inbetriebnahme irgendein Alarm ertönte, sei es innerhalb der Kabine oder nach draußen. Nicht immer konnte ich den Grund dafür ohne Weiteres ermitteln, um ein Fehlverhalten meinerseits abzustellen. Auch war es nicht immer möglich, die Signale mit Bordmitteln in einem angemessenen Zeitrahmen abzuschalten. Eine völlig neue Erfahrung war allerdings, dass ein Kollisionswarnsystem offenbar auch Schneeflocken akustisch abgebildet hat. Mein Wunsch für den gelegentlichen Nutzer wäre ein unübersehbarer Schalter, der ALLE Alarme stummschaltet (oder alternativ den Bagger auf 1990 zurücksetzt). Anderenfalls wird der Frustrationspegel unnötig erhöht, was der Sicherheit im Allgemeinen eher abträglich ist.”
Tiefer Schwerpunkt für sicheres Arbeiten
Bei geschlossenen Türen ist das Motorgeräusch im Vergleich zu dem unvermeidlichen Klackern der Ketten kaum zu vernehmen. Der Schallpegel am Fahrerohr liegt bei 76 dB(A) – und das in einem erträglichen Frequenzbereich. Durch die niedrige Bauform besitzt die DD 100 einen tiefen Schwerpunkt, was das Arbeiten an Böschungen sicherer macht. Serienmäßig ist ein 2D-Planierassistent verbaut, der mit geringem Aufwand auf ein 3D-System der gängigen Anbieter erweitert werden kann. Auch die LGP-Version mit den 700-mm-Bodenplatten bleibt mit geschwenktem Schild unter 3,0 m Transportbreite, was sie sehr flexibel einsetzbar macht.
Insgesamt ein wendiger kleiner Dozer, der sich hervorragend für Arbeiten eignet, bei denen Genauigkeit und Übersicht gefragt sind. Einmal eingegroovt, hätte ich jedenfalls noch eine ganze Weile weiter „rumraupen“ können, aber dann wäre für die Besucher der Demo-Days nichts mehr übriggeblieben. Es soll wohl bereits Pläne geben, das Raupenprogramm in das nächsthöhere Leistungssegment (D6-Klasse) zu erweitern – wir sind gespannt.
Verfügbare Elektroantriebe
Das Thema Elektroantriebe bespielt Develon auf verschiedenen Ebenen. Im Kompaktbereich bietet das Unternehmen Lösungen ab Werk an (DX 20 E, DX 23 E), während bei schwereren Maschinen ein niederländischer Partner mitarbeitet. Da emissionsfrei arbeitende Baumaschinen dort bereits eine wesentlich größere Verbreitung haben als hierzulande, verfügen Anwender und Maschinenlieferanten zwischenzeitlich über eine große Expertise im Bereich der Akku-Baumaschinen. Der Kooperationspartner von Develon, die Firma ETEC, gehört zur ELM-Group und rüstete bereits zu Doosan-Zeiten deren Baumaschinen mit batterieelektrischen Antrieben aus. Bei den Demo-Days standen der Mobilbagger DX 160 WE und der Kettenbagger DX 250LCE-7 zum Probebaggern bereit. Sie sind jeweils mit robusten LFP-Akkus bestückt, mit avisierten Laufzeiten von 10–12 Stunden. Es handelt sich hierbei also um bewährte Serienmaschinen, die durch die Develon-Organisation vertrieben und betreut werden.

Fazit
Dies war ein überaus subjektiver Eindruck von einer Veranstaltung, die bei unserem Besuch noch im Aufbau begriffen war. Bei dem Event selbst gab es dann eine Fülle an Informationen über digitale Lösungen, autonome Bagger, Industrie-Umschlaggeräte, den neuen knickgelenkten Dumper, die gläserne Radladerschaufel sowie vieles andere mehr. Ich habe meine exklusive Zeit auf den verschiedenen Fahrersitzen jedenfalls genossen und freue mich bereits auf eine Wiederholung der Develon-Demo-Days.

Der Daewoo DH 450 aus der ersten Hälfte der 1990er-Jahre muss den europäischen Bauunternehmern seinerzeit schon recht exotisch vorgekommen sein. Insbesondere das Erscheinungsbild der Kabine sowie die gesamte Bedienungshaptik unterschieden sich von den bekannten Marken. Dass der weniger dogmatische Stahlbau der Ausrüstung nicht bereits nach wenigen Wochen versagte, hatten die Betreiber japanischer Fabrikate ja schon mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Dem hauseigenen Daewoo-Motor stand man wiederum sehr skeptisch gegenüber – konnte so etwas halten, auch wenn es kein Deutz war? Wenig verwunderlich, dass sich die etablierten Hersteller teilweise sehr abschätzig gegenüber dem neuen Wettbewerber äußerten. Viele der Erstgenannten kennt heute allerdings kaum noch jemand.

