Bobcat-Demo-Days 2026

Im Kompaktmaschinen-Eldorado

Auch zwischen den bedeutenden Baumaschinen-Messen zeigt Bobcat auf seinem Campus südlich von Prag regelmäßig Neuheiten. Wir waren bei den diesjährigen Demo-Days wieder mit dabei und berichten in zwei Teilen über den Vor-Ort-Termin. Teil 1: Hands-on im Minibagger-Prototyp E 60 und in den Radlader-Vorserienmodellen L 100 und L 85.

Bobcat Demo Days 2026
Elektro geht immer: Obwohl mit Deutz-Motor sozialisiert, hat der bd-Autor eine Schwäche für abgasfreie und lärmarme Baumaschinen. Hier der E 19 e. (Bild: Bobcat)

Wie groß das Bobcat-Vertriebsgebiet tatsächlich ist, verdeutlichte Gary Hornbacher, Präsident Bobcat EMEA, bei seiner Begrüßungsansprache: Denn selbst eine Delegation aus der Ukraine war unter schwierigen Bedingungen angereist. Insgesamt empfing der Baumaschinenhersteller innerhalb von zwei Wochen etwa 700 Besucher aus 48 Ländern. Diese erlebten ein abwechslungsreiches Programm aus Werksführungen, Demo-Shows und hatten die Gelegenheit, rund 90 Maschinen selbst zu fahren. Letzterem galt natürlich unser Hauptinteresse, und da das Bobcat-Team perfekt auf die individuellen Bedürfnisse eingeht, hatte ich ausreichend Zeit mit den Maschinen.

Die nächste Minibagger-Evolutionsstufe

Die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit zwischen verschiedenen Modellen hin und her zu springen, bringt eigentlich immer einen Erkenntnisgewinn. Unter den Bobcat-Minibaggern hatte sich bei vorausgegangenen Demo-Days der E 60 als mein Favorit herauskristallisiert. Umso spannender war es, dass das Unternehmen gerade an diesem Typ nun eine weitere Evolutionsstufe demonstrierte. Zum Probebaggern stand ein E 60 Prototyp aus US-amerikanischer Produktion bereit. Optisch unterscheidet sich die Maschine nur in Details (Kabine aus Eigenproduktion) von dem bekannten E 60 aus Dobris.

Bobcat Demo Days 2026
Sieht aus wie ein normaler Bobcat E 60. Es handelt sich jedoch um einen Prototyp mit einer elektro-hydraulischen Vorsteuerung. Die Zukunft? (Bild: bd/Bömer)

Die eigentliche Revolution findet sich im Hydrauliksystem: Erstmals haben die Ingenieure eine elektrohydraulische Vorsteuerung verbaut. Der direkte Vergleich mit dem servohydraulisch vorgesteuerten Gerät fällt tatsächlich sehr vielversprechend aus. Das Entwicklerteam hat sich bei der Feinabstimmung offensichtlich richtig Mühe gegeben. Der elektrischen Variante wird oft unterstellt, dass sie zu wenig Rückmeldung gibt, und häufig zu „aggressiv“ daher kommt – nichts hiervon ist zu spüren. Im Gegenteil: Ich sehe im Vergleich zur klassischen Ausführung sogar einen gewissen Vorteil im Handling, was Ansprechverhalten und Präzision betrifft.

Hinzu kommt, dass Fahrer bei dem neuen Steuersystem die Charakteristik über das Menü selbst beeinflussen können, und zwar in drei Grundeinstellungen oder für jede Funktion einzeln. Es ergeben sich auch neue Optionen bezüglich der Bedienbarkeit. Beispielsweise können je nach Vorliebe Fahrfunktionen oder das Planierschild auf die Joysticks gelegt werden. Auch die Integration von Anbaugeräten, was Ansteuerung und optimale Ölversorgung betrifft, wird spürbar vereinfacht. Die elektrohydraulische Vorsteuerung ist ja unter anderem eine Voraussetzung für smarte oder teilautonome Funktionen, inwieweit diese bei Kompakt-Baumaschinen eine Rolle spielen werden, wird die Zukunft zeigen. Also in jedem Fall eine interessante technische Entwicklung. Wir werden mit Aufmerksamkeit verfolgen, wann sie in die Serienfertigung aufgenommen wird.

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Obwohl sich das Vorsteuersystem stark von der üblichen Version unterscheidet, liegt die Maschine erstaunlich gut in der Hand, eventuell sogar eine Idee besser. (Bild: bd/Bömer)

Verfügbare Elektroantriebe

Allgemein scheint der Umstellung auf alternative Antriebe ja gerade etwas der Schwung zu fehlen, obwohl Angebote aus der Industrie vorhanden sind. Beispielsweise der elektrisch angetriebene 2-Tonnen-Minibagger Bobcat E 19 e, der ebenfalls auf dem Demogelände frisch aufgeladen bereitstand. Dass ich persönlich nicht mehr von der Leistungsfähigkeit elektrisch angetriebener Baumaschinen überzeugt werden muss, dürfte ja bekannt sein. Aber wenn er schon mal da steht – eine Runde mit dem Akku-Bagger bereitet ja stets Freude. Nochmal für das Protokoll: Er verhält sich beim Arbeiten genauso wie jeder herkömmliche Dieselbagger. Obendrauf bringt er noch eine Reihe typischer Vorteile eines Elektroantriebs mit. So fällt bei der, nach allen Seiten offenen Schutzdachversion, die Kommunikation mit der Umgebung während der Arbeit besonders leicht. Und hatte ich schon mal erwähnt, dass mir die Abgaswolke am und um den Arbeitsplatz eigentlich überhaupt nicht fehlt?

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Vorschau: Der L 100 wird im Herbst erscheinen. Der Prototyp zeigte beim Aufhalden des schweren Haufwerks jedenfalls keine Schwächen. (Bild: Bobcat)

Vorschau auf zwei neue Radlader

Eine richtige Neuvorstellung gab es dann noch bei den knickgelenkten Radladern, einem sehr wichtigen Produkt für den Standort Dobris. Diese Maschinengattung wird voll verantwortlich vor Ort entwickelt und ausschließlich dort produziert. Das ist auch kein Zufall, da die kleinen Lader in Europa, und ganz besonders auf dem deutschen Markt, ausgesprochen beliebt sind. Obwohl es sich um ein vergleichsweise junges Produkt im Bobcat-Programm handelt – Markteinführung 2021 – verfügt die Entwicklungsabteilung mittlerweile über einen wertvollen Erfahrungsschatz. Dieser führte schließlich zu den zwei überarbeiteten Radladern, die der Hersteller auf den Demo-Days als Vorserienmodelle präsentierte.

 

Maschinentest

Hands-on in Radlader-Vorserienmodellen L 100 und L 85

Der L 85 (0,8 m³) wird in einer überarbeiteten Version erscheinen und der neue L 100 (1,0 m³) soll den bisherigen L 95 ersetzen. Beide Maschinen werden sowohl in einer Basisversion als auch mit einer anspruchsvolleren Ausstattung erhältlich sein. Um noch eine größere Bandbreite an Anbaugeräten betreiben zu können, steht in dem Zusatzkreis nun ein maximaler Druck von 235 bar zur Verfügung. Auch technische Details haben die Experten überarbeitet: So ist beispielsweise der Umlenkhebel der Z-Kinematik jetzt als Stahlgussteil ausgeführt. Das sieht natürlich nicht nur gediegen aus, sondern garantiert auch eine bessere Dauerfestigkeit.

Nach einer kurzen Unterweisung durch Senior Produktmanager Matyas Heuer habe ich dann eine erste Runde mit dem L 100 in der gehobenen Ausstattungsvariante gedreht. Da das Wetter sich von seiner freundlichen Seite zeigte, durfte die Fahrertür währenddessen offenbleiben. Wird die Ganzglastür in der vollständig geöffneten Position verriegelt, ist sie von der Kontur des Kontergewichtes wirksam vor den üblichen Remplern geschützt. Dies gilt ebenso für die Tür auf der rechten Seite, da jedoch dort die Bedienkonsole bauartbedingt den Durchgang begrenzt, taugt sie hauptsächlich zur Belüftung und allenfalls als Notausstieg.

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Mal im ganz direkten Vergleich: Der überarbeitete L 85 links und der L 100, der den L95 ersetzen wird. (Bild: bd/Bömer)

Der neue L 100 gibt auch dem gelegentlichen Nutzer keine Rätsel bezüglich seiner Inbetriebnahme auf: Das Lenkrad lässt sich per Knopfdruck entriegeln und in Höhe und Neigung verstellen, der FNR-Schalter befindet sich unterhalb des Joysticks, die Feststellbremse öffnet beim Anfahren automatisch und alles Weitere ist weitestgehend selbsterklärend gekennzeichnet. Bei flotter Fahrt im Gelände bewährt es sich, dass der Joystick für die Schaufelbedienung am Fahrersitz mitschwingend positioniert ist. Für den Fahrantrieb können je nach Vorliebe oder Einsatz verschiedene Betriebsmodi ausgewählt werden. Dies macht sich beim Beschleunigen und durch den Grad der Abbremsung beim Loslassen des Fahrpedals bemerkbar. Wenn der Lader nicht ganz so harsch verzögert, ist das beispielsweise im Straßenverkehr von Vorteil. All diese Einstellungen lassen sich auf einem großen Display vornehmen, das per Jog-Shuttle bedient wird, und bei Rückwärtsfahrt ein gut wahrnehmbares Kamerabild liefert.

Neu ist eine Return-to-Dig Funktion

Sogleich ging es an das Haufwerk auf dem Demo-Gelände. In dem schweren Lehm-/Felsgemisch ließ sich die zahnlose Schaufel vollständig füllen, dafür musste nicht einmal die vorhandene Differentialsperre per Knopfdruck aktiviert werden. Mit ein wenig Gefühl im Gasfuß gelang dies problemlos, auch ohne, dass die Räder zu scharren begannen. Neu ist eine Return-to-Dig Funktion, bei der die Schaufel während des Absenkens des Hubgerüsts in eine waagerechte Position gebracht wird. Die richtige Stellung zu Beginn des Füllvorgangs bereitet gerade weniger geübten Fahrern anfänglich oft Schwierigkeiten, daher ist hier jede Unterstützung willkommen. Mir persönlich genügen der, ebenso vorhandene, Peilstab am Kippzylinder und die Markierungen auf der Schaufel zur Orientierung.

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Ebenfalls neu ist eine „Autoshake“-Funktion, bei der durch minimale Bewegungen des Kippzylinders fein dosiert Material abgeschüttelt werden kann. Das könnte eine Hilfe beim Absanden von Leitungen oder beim Beladen filigraner Fahrzeuge sein. Alle Funktionen, die den direkten Betrieb des Laders und seiner Anbaugeräte betreffen, sind auf dem Joystick in Form von Schaltern und Rollen zusammengefasst. Anschließend habe ich den Lader mit vollgefüllter Schaufel an einer vergleichsweise starken Steigung angehalten, wobei der hydrostatische Antrieb die Maschine ohne weiteres Zutun in Position hielt. Beim Wiederanfahren gab es zwar einen minimalen Ruck – das dürfte noch Einstellungssache sein – jedoch zeigte die Fuhre keinerlei Neigung hangabwärts zu rollen, was dem Bediener ein sehr sicheres Gefühl vermittelt.

Freie Sicht auf den Schnellwechsler

Das Öffnen des hydraulischen Schnellwechslers gelang intuitiv, was heutzutage durch die Vielfalt der Schaltersymbole nicht immer selbstverständlich ist. Beim Einfädeln in ein Anbaugerät ist gute Sicht auf die Aufnahme-Bolzen essenziell, aus diesem Grund hat Bobcat die Halter für die Scheinwerfer gegenüber der Vorgängerserie versetzt. Und tatsächlich ist jetzt eine freie Blickachse entlang des leicht konischen Hubgerüsts gewährleistet, was den Werkzeugwechsel beschleunigt und sicherer macht. Die Werkzeugaufnahme ist übrigens kompatibel mit diversen Systemen einiger bekannter deutscher Lader-Fabrikate. Der L 100 kann besonders beim Betrieb mit hydraulischen Anbaugeräten wie beispielsweise Kehrbesen oder Schneefräsen punkten.

Je nach Anforderung kann zwischen einer Höchstgeschwindigkeit von 20, 30 oder 40 km/h gewählt werden. Auch mit dem L 85 in der Basisversion habe ich eine Runde gedreht. Diese sollte für solche Einsätze vollkommen ausreichend sein, bei denen der Lader hauptsächlich Transportaufgaben auf der Baustelle wahrnimmt. In Bezug auf die Leistung müssen Nutzer keine Abstriche machen, vielmehr fiel das Füllen der Schaufel eventuell sogar eine Idee leichter, was jedoch nach meiner Einschätzung an ihrer geringfügig günstigeren Bauform lag.