Interview mit Geda-Inhaber und Geschäftsführer Johann Sailer

„Made in Germany ist mehr als ein Siegel für uns“

Über die Stärke als Nischenspezialist für Bau- und Industrieaufzüge, entscheidende Faktoren bei der Auswahl eines Aufzugsystems, clevere Lösungen angesichts zunehmender Vernetzung, Fernwartung und digitaler Zugangskontrollen auf Baustellen sowie qualifizierte Fachkräfte als Schlüssel zum Erfolg.

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Die Transportbühne Geda 1500 Z/ZP im Einsatz am sanierungsbedürftigen Augsburger Perlachturm. (Bild: Schäfer Gerüstbau)

bd: Herr Sailer, Aufzüge von Geda sind weltweit verbaut – ob in der Harbour Bridge in Australien, im sanierten Osloer Rathaus in Norwegen oder in Dubai. Sie setzen dabei bewusst auf „Made in Germany“ mit Ihren beiden Produktionsstandorten in Gera und im bayerischen Asbach-Bäumenheim, dem Hauptunternehmenssitz. Wieso?

Sailer: Natürlich ist es heute eine Herausforderung, auf Produktion in Deutschland zu setzen. Trotzdem tun wir das ganz bewusst, weil wir damit für Qualität, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und die Stärkung unserer Standorte stehen. „Made in Germany“ ist für uns nicht nur ein Siegel, sondern ein klarer Anspruch an unsere Produkte. Gerade bei technisch anspruchsvollen Lösungen ist eine hohe Fertigungsqualität entscheidend. Gleichzeitig bleiben wir wirtschaftlich und flexibel. Das heißt auch, dass wir dort offen für sinnvolle Zukaufteile sind, wo es unsere Effizienz stärkt, und unsere Wettbewerbsfähigkeit sichert – ohne unsere klare Ausrichtung auf Deutschland infrage zu stellen. Ein großer Vorteil sind dabei auch unsere qualifizierten Fachkräfte, deren Know-how und Engagement wesentlich zu unserem Erfolg beitragen.

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Johann Sailer ist Inhaber und – zusammen mit seiner Frau – Geschäftsführer des Herstellers für Bau- und Industrieaufzüge mit Stammsitz im bayerischen Asbach-Bäumenheim und weiteren drei Niederlassungen. Geda beschäftigt 600 Mitarbeiter. (Bild: Geda)

Die Weltwirtschaft ist in den vergangenen Jahren immer wieder mit neuen Verwerfungen konfrontiert. Wie geht Geda damit um?

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich anspruchsvoller und weniger planbar geworden sind. Für uns bei Geda bedeutet das, flexibel, vorausschauend und verantwortungsbewusst zu handeln. Dabei hilft uns unsere breite internationale Aufstellung, weil wir Entwicklungen in verschiedenen Märkten besser ausgleichen können. Gleichzeitig setzen wir auf stabile Prozesse, enge Partnerschaften und hohe Lieferfähigkeit. Entscheidend ist für uns außerdem, Abläufe kontinuierlich zu verbessern und langfristig zu denken. So bleiben wir auch in herausfordernden Zeiten wettbewerbsfähig und ein verlässlicher Partner für unsere Kunden.

Welche Rolle spielen Sanierungsprojekte?

Sanierungsprojekte sind für uns ein wichtiger Bereich, aber nur ein Teil unseres Geschäfts. Ein großer Vorteil von Geda ist unser breites Produktportfolio, mit dem wir Schwankungen in einzelnen Segmenten gut ausgleichen können. Gleichzeitig erschließen wir gezielt neue Einsatzbereiche. Ein aktuelles Beispiel ist unser Geda Shaft Lift, der speziell für den Einsatz in Schächten entwickelt wurde – im Neubau ebenso wie in der Sanierung. Mit dieser modularen Lösung reagieren wir direkt auf konkrete Anforderungen aus dem Markt.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen auf Baustellen?

Eine der größten Herausforderungen ist derzeit der enorme Preisdruck auf nationalen und internationalen Baustellen. Sehr günstige Produkte, vor allem aus China, versuchen in den Markt zu kommen. Diese sind beim ersten Hinschauen preislich oft attraktiv, bringen aus unserer Sicht aber nicht immer das gleiche Niveau bei Qualität, Langlebigkeit und Service mit. Besonders kritisch wird es dann, wenn bei Sicherheit und Normenkonformität Abstriche gemacht werden. Gerade auf Baustellen darf der Preis nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Am Ende zählen vor allem Zuverlässigkeit, sichere Anwendung und die langfristige Wirtschaftlichkeit. Wir sind überzeugt, dass sich Qualität, technische Sicherheit und ein verlässlicher Partner langfristig auszahlen.

 

Wie reagieren Sie mit Ihren Systemen konkret darauf?

Wir reagieren darauf, indem wir für unterschiedliche Märkte und Anforderungen passende Lösungen anbieten. Dabei gilt für uns ganz klar: Bei Sicherheit, Qualität und Normenkonformität machen wir keine Abstriche. Für preissensiblere Märkte bieten wir deshalb Produktvarianten an, die sich auf die wesentlichen Funktionen konzentrieren und bewusst auf bestimmte Zusatzfeatures verzichten. So können wir wirtschaftlich attraktive Lösungen anbieten, ohne unsere Grundsätze bei Qualität und Sicherheit aufzugeben.

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Die Geda 1500 Z/ZP ist sowohl als reiner Materialaufzug als auch als Transportbühne für Personen und Material einsetzbar. (Bilder: Schäfer Gerüstbau)

Worin liegt Ihre Stärke als Nischenspezialist?

Da wir uns seit mehr als 95 Jahren mit den Anforderungen rund um Bau- und Industrieaufzüge beschäftigen, haben wir ein großes Maß an Erfahrung und Know-how aufgebaut. Deshalb sehen wir uns ganz klar als Spezialisten in diesem Bereich – als einen der führenden Hersteller.

Welche Trends dominieren im Jahr 2026?

Ein wichtiger Trend im Jahr 2026 ist ganz klar die Digitalisierung. Mit Geda Central, einer digitalen Plattform mit verschiedenen Tools rund um den Aufzug, treiben wir diesen Bereich gezielt voran und bringen unsere Aufzugslösungen Schritt für Schritt stärker in die digitale Welt. Neu hinzugekommen ist außerdem die Geda IoT-Box Premium, die unsere Transportbühnen noch stärker digital vernetzt. Wir investieren in diesem Bereich gezielt, weil Vernetzung, Fernwartung und digitale Zugangskontrollen auf Baustellen zunehmend zu wichtigen Wettbewerbsfaktoren werden.

Gibt es weitere?

Ja, gleichzeitig gewinnen auch Akkulösungen weiter an Bedeutung. Mit dem Geda Akku-Leiter-Lift haben wir dieses Thema früh aufgegriffen und führen es mit neuen Produkten wie dem Geda SH 250 W weiter – einer Lösung, die speziell für den Bereich Windenergie entwickelt wurde.

Welchen konkreten Nutzen haben Bauunternehmen mit solchen Neuheiten?

Für Bauunternehmen liegt der Nutzen dabei klar auf der Hand: mehr Transparenz, besser planbare Wartung, gezielte Zugangskontrolle und insgesamt effizientere Abläufe auf der Baustelle. So lassen sich Prozesse optimieren, Ausfallzeiten reduzieren und die Sicherheit weiter verbessern.

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Kleinere Lösungen des Herstellers wie der Geda Lift kommen beispielsweise bei Dachdeckerarbeiten zum Einsatz. (Bild: Geda)

Welche Faktoren sollten Nutzer bei der Auswahl eines Aufzugssystems besonders berücksichtigen, um langfristig wirtschaftlich zu arbeiten?

Entscheidend ist, die Auswahl eines Aufzugssystems ganzheitlich zu betrachten. Es geht nicht nur um den Anschaffungspreis, sondern um die Frage, welche Lösung langfristig wirtschaftlich, zuverlässig und sicher arbeitet. Wichtige Kriterien sind dabei vor allem die passende Auslegung für den jeweiligen Einsatz, die Qualität und Langlebigkeit, die Einhaltung aller relevanten Normen sowie ein verlässlicher Service mit guter Ersatzteilverfügbarkeit. Wer diese Punkte berücksichtigt, trifft am Ende meist auch die wirtschaftlich bessere Entscheidung.

Herr Sailer, vielen Dank.

Die Fragen stellte Kerstin Thiele.