MAN 33.500 Kipp-SZM
Kippertest 12/2018

MAN 33.500 6×4-Kippsattel-Zugmaschine

Für viele Erd- und Schotterbeweger ist er der Alleskönner im Bau-Fuhrpark: der MAN TGS 33.500 – auf der bd-Testrunde ein heißer Kandidat für Kipperfahren mit Spaßfaktor. (Bild: bd/Domina)

Eine Freude wenn er loslegt

Genau das belegt der TGS 33.500 eindrucksvoll: Zusammengespannt mit einem Overdrive-Traxon-Getriebe kurbelt er sogar bei Landstraßen-Geschwindigkeit im höchsten, ins Schnelle übersetzten Gang bei nur 1.000 Umdrehungen. Das wiederum ist ungewöhnlich und lässt auf eine relativ kurze Gesamtübersetzung schließen. Denn normalerweise nutzt man bei einem Overdrive-Triebstrang den direkt durchtreibenden Gang, hier also den Elften, für die am häufigsten vorkommenden Fahrzustände: Weniger Zahneingriffe bedeutet weniger innere Reibung und logischerweise auch weniger Verbrauch. Aber wer kann, der kann. Und der stärkste aller D26 kann es wirklich: Nämlich von unten raus loslegen, dass es nur so eine Freude ist. Dabei bollert er tief und sonor vor sich hin, gut vernehmbar und angenehm im Sound.

Auf der Autobahn liegen dann entsprechend hohe 1.300 Umdrehungen an. In diesem Drehzahlbereich erreicht der D26 fast schon seine Nennleistung, entsprechend leichtfüßig stürmt der TGS die Autobahnsteigungen hoch. Hinauf zum Köschinger Forst ist keine Rückschaltung nötig, auch weil der GPS-Tempomat Efficient Cruise am Fuße des Berges ein leichtes Angasen einleitet. An der langsamsten Stelle mit 73 km/h fällt die Drehzahl auf gerade mal 1.100 Umdrehungen ab. Da lässt der MAN die Muckis spielen.

MAN 33.500 Kipp-SZM mit Meiller 2-Achs-Rundmulde
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So macht Kipperfahren mit 40 t natürlich Spaß. Nur so ganz ohne Reue ist das nicht: Verbrauchstechnisch gesehen ist diese vergleichsweise kurze Übersetzung schon eine Sünde. Denn würde die Marschdrehzahl gut 100 Umdrehungen tiefer liegen, wäre hier auch das Volllast-Verbrauchsminimum zu finden. Und bei Landstraßen-Speed läge dann im direkt durchtreibenden Spargang die Drehzahl bei etwa 1.100 Umdrehungen und damit in einem Bereich, in dem der 6×4 auch noch kleinere Steigungen ohne zu schalten in einem Rutsch meistern würde. Den 2.500 Nm des stärksten D26 darf man schon eine etwas längere Achse zutrauen. Vermutlich gibt es die aber als doppelt übersetzte Außenplaneten-Achse (noch) nicht.

Aber selbst in dieser ausgesprochen fahraktiven Auslegung legt der TGS 6×4 eine Performance hin, die überrascht. Im direkten Vergleich mit dem Markenbruder TGS 18.500 mit Hydrodrive gibt es über die Autobahn und über die Landstraßen-Etappen nur marginale Unterschiede in Verbrauch und Fahrleistung. Der TGX mit dem D38, den wir als 6×4-Dreiachser mit Tandemachs-Anhänger fuhren, liegt im Verbrauch deutlich höher und kann auch bei der Nutzlast mit den beiden Sattelfahrzeugen nicht mithalten. Das spricht alles sehr für den vergleichsweise leichten D26-Motor.

Fazit: Nicht nur im Antriebsstrang mit dem Traxon-Getriebe überzeugt der MAN als 6×4 in der leichten TGS-Ausführung. Auch das Interieur hat mit dem letzten Facelift spürbar gewonnen. Das neue Zentral-Display ist gelungen, ebenso die zweifarbige Gestaltung des Armaturenbretts und die Neuordnung der Schalter. Für den GPS-Tempomat Efficient Cruise würde ich mir individuellere Einstellmöglichkeiten der oberen und unteren Grenzgeschwindigkeiten wünschen sowie detaillierteres Kartenmaterial die Landstraße betreffend. So manchen Hügel, den andere Systeme sehen, ignoriert Efficient Cruise und geht mit Gas über die Kuppe, wo eigentlich ein schöner Unterschwinger passender wäre. Manchmal etwas ungestüm. Er räubert halt gern. Wie ein ungezähmter Velociraptor…