Daimlers E-Portfolio: eVito, eSprinter und das Wohnmobil auf Sprinter-Basis
Transporter-Trends zur IAA 2018

Es elektrifiziert sich

Daimlers E-Portfolio: Nur der eVito ist derzeit kaufbar, der eSprinter kommt erst 2019, das Wohnmobil auf Sprinter-Basis ist ein Prototyp mit Brennstoffzelle. (Bild: Mercedes-Benz)

Wer heute einen Transporter bis 3,5 t Gesamtgewicht der Kundschaft präsentieren will, muss auch ein kaufbares Elektro-Modell im Portefeuille haben. Den großen Marken gelingt das zur Nutzfahrzeug-IAA, vielen anderen noch nicht.

Die Nachfrage nach E-Transportern im Handwerk und in der Baubranche ist groß. Die Kilometerleistungen – die Statistiker sprechen von maximal 160 km pro Arbeitstag – sind gering und passen genau zu den derzeit verfügbaren Reichweiten im E-Transporter-Sektor von in der Regel 200 km. Allein die Hersteller hinkten bislang ein wenig hinterher. Die IAA wird zeigen: Das hat sich geändert. MAN und VW mit den 3,5-t-Kastenwagen eTGE und eCrafter sind am Start. Die weitgehend baugleichen Modelle laufen im neuen, polnischen VW-Werk vom Band und werden auf der Nutzfahrzeug-IAA dem breiten Publikum vorgestellt. Und sie sind kaufbar. Schon seit Juli dieses Jahres. Die Preise werden sich wohl bei knapp 70.000 Euro bewegen – viel Geld für einen 3,5-Tonner. Der aber fährt voll elektrisch und soll mit seinem 100-kW-E-Motor immer noch bis zu 1,7 t Nutzlast tragen können.

Da hat man wohl an allen und Ecken am Gewicht gespart – vor allem bei der Batterie. Deren Kapazität von 36 kWh wird in Expertenkreisen als etwas schmalbrüstig eingestuft. Aber: Die vergleichsweise geringe Kapazität hält auch die Ladezyklen im Rahmen. MAN reklamiert 45 Minuten Ladezeit für 80 Prozent der Kapazität. Dafür benötigt man allerdings eine leistungsstarke 40-kW-Schnell-Ladestation. Am heimischen Fahrzeug-Anschluss kommt wohl eher die normale Drehstrom-(Starkstrom)-Wallbox zum Einsatz. Damit erhöht sich die Ladezeit schon auf gut fünf bis sechs Stunden. Steht nur eine normale 220-V-Wechselstrom-Steckdose zur Verfügung, ist der Ladevorgang in rund neun Stunden oder über Nacht erledigt.

Mercedes App eVan Ready
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Vor allem MAN hat sich in den letzten Jahren still und leise in Sachen E-Mobilität gut aufgestellt. Neben E-Stadtbussen (Lion’s City E) galt das Augenmerk aber auch den leichten Lkw der eTGM-Baureihe mit 18 bis 26 t Gesamtgewicht.

Auch Mercedes-Benz forciert seine E-Transporter. Wobei derzeit erst der eVito kaufbar ist. Ganz neu ist ein frisch aufgelegtes und limitiertes Sondermodell des eVito namens Series One. Daimler bietet damit den ersten 1.000 Käufern eines eVito ein Rundum-Paket für knapp 40.000 Euro (ohne MwSt.). Darin enthalten ist der eVito mit 150 km Reichweite, 84 kW Leistung und gut einer Tonne Zuladung (langer Radstand, 6 m³ Ladevolumen), eine Wallbox (samt Montage) sowie Beratung und Service. Mit dem eSprinter lässt sich Daimler noch etwas Zeit. Er soll erst 2019 auf den Markt kommen, ebenfalls mit dem 84-kW-Aggregat und zwei unterschiedlichen Batterie-Packs von 41 und 55 kWh Kapazität. Die Reichweiten sollen hier bei 115 beziehungsweise 150 km liegen, bei Nutzlasten um eine Tonne.

Für mehr Reichweite liegt die Zukunft nach Daimler-Lesart aber in der Brennstoffzelle. Auf der IAA wird sicher auch das erste Brennstoffzellen-Wohnmobil auf Sprinter-Basis zu besichtigen sein. Mit 7,7 kg Wasserstoff soll es eine Reichweite von 500 km haben. Und das zeigt schon, wo Daimler die Schwerpunkte setzt: Kurzstrecke und Lieferverkehr sollen mit rein elektrischen Lösungen bedient werden, die Langstrecke mit der Brennstoffzelle, das Thema Hybrid klammert Daimler aus. Das Henne-/Ei-Problem in Sachen Wasserstoff-Tankstellen löst sich langsam auf. Mittlerweile bilden fast 100 Wasserstoff-Tankstellen bundesweit ein hinreichend dichtes Netz.