Transportertest 9/2016

Hyundai H 350 Kastenwagen L2H2

Der Hyundai H 350 ist eine ausgesprochen gelungene Kopie des Sprinters – noch mit Verbesserungspotenzial, aber auch deutlich preiswerter. (Bilder: bd/Domina)

Mit dem 3,5-Tonner H 350 betritt Hyundai Neuland. Der Koreaner ist eine komplette Neuentwicklung, dennoch sind Anleihen von Sprinter und Crafter nicht zu übersehen. Wir haben uns den Standard-Kastenwagen mit Hochdach genauer angesehen.

Dazu gehört Mut, in den angestammten Gefilden von Sprinter, Crafter, Master und Transit zu wildern. Hyundai wagte den Ausflug ins 3,5-Tonner-Segment aber nicht ohne Vorbereitung. Voraus gingen Studien an den europäischen Platzhirschen, zum Schluss gab es einen Prototyp, der quasi das Beste aus allen bekannten 3,5-Tonnern in sich vereinte. Bei der äußeren Form und beim Grunddesign des Armaturenbretts orientierten sich die Koreaner klar am Mercedes Sprinter. Nähert man sich dem H 350 unbedarft, meint man tatsächlich erstmal einen Sprinter zu sehen. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich einige eigenständige Formen, wie die Frontpartie, die kantiger und geradliniger wirkt als die des Sprinter.

Und quasi aus dem Stand erweist sich der H 350 als ausgereifter Transporter; das merkt man schon nach den ersten paar hundert Kilometern: Hier waren Profis am Werk. Vielleicht auch Profis im Kopieren, auf jeden Fall aber gut ausgebildete Ingenieure mit viel Erfahrung.

Hyundai H 350 Armaturenbrett
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Bei der Variantenvielfalt übt man sich für den neu zu erschließenden Markt erst einmal in Zurückhaltung: Es gibt genau einen Vierzylinder-Diesel mit 2,5 l Hubraum, wahlweise mit 110 kW (150 PS) oder 125 kW (170 PS), dazu ein Sechsgang-Schaltgetriebe, Heckantrieb, zwei Radstände und eine Dachhöhe. Mit L2H2 und L3H2 sind also bereits alle Kastenwagen-Varianten genannt, seit kurzem gibt es auch ein Fahrgestell mit Einzelkabine in zwei Radständen für Pritschen und Kipper. In diesem Jahr noch wird es den H 350 auch als 9-Sitzer-Kombi geben. In der Ausstattung hat man die Wahl zwischen Eco (mit Start-/Stop, drei Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung) und Profi – damit ist auch unser Testwagen ausgerüstet: Beifahrer-Doppelsitzbank mit Staufach, Tempomat, axial verstellbares Lenkrad und Bremsbelag-Verschleißanzeige sind da serienmäßig unter anderem mit dabei.

In den Bergen hilft eine kürzere Hinterachse

Nicht nur optisch, auch im Fahrverhalten erinnert der H 350 stark an seine inländischen Kollegen: Sein Antriebsstrang ist sorgfältig abgestimmt, der 170-PS-Diesel zeigt sich dank nicht zu langer Übersetzung ausgesprochen elastisch und bestens fahrbar. Mit den 3.000 kg gebremster Anhängelast hat der Koreaner jedenfalls keine Probleme. Für bergige Topographie und Einsätze mit ständig hoher Last gibt es zudem eine kürzere Hinterachse.

Die Lenkung ist erfreulich direkt und zielgenau – auch da gibt’s nichts zu meckern. Allein das Platzangebot hinterm Volant ist etwas enger als beim Konkurrenten mit dem Stern. Das liegt auch an der weit weniger ausgebuchteten Laderaum-Trennwand, die den Laderaum kaum, den Verstellbereich des Sitzes nach hinten jedoch spürbar einschränkt. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt. Die Materialien wirken wertig, die Verarbeitung solide. Die Übersicht im Cockpit ist fast schon vorbildlich: Die Skalen von Tacho und Drehzahlmesser erinnern eher an Porsche-Design als an koreanische Einheitskost; die Ablagen im Armaturenbrett sind zahlreicher, praktischer und besser verteilt als im Sprinter.

Auch im Laderaum hat man nichts dem Zufall überlassen und die Ladungssicherungs-Experten von Bott mit der Ausstattung beauftragt. Perfekt verkleidete Wände, Airline-Schienen im Boden, Stäbchenschienen an der Wand, Klemmstangen und vor allem doppelt so viele Zurrpunkte im Boden (zwölf satt sechs) wie verlangt: Das wirkt – zumindest im Testwagen – sehr professionell. Da wundert man sich fast schon über die funzelige Laderaum-Beleuchtung mit Glühbirnchen. Man hätte jetzt eher taghelle LEDs vermutet, die gibt’s aber nur als optionales Tagfahrlicht.