Hydraulisch angetriebene Vorderachsen sind eine kostengünstige und leichte Alternative zum vollwertigen Allrad. Mercedes nennt seine Anfahrhilfe Hydraulic Auxiliary Drive, kurz HAD. Wir fuhren den Arocs 1845 HAD als Kippsattel.

Vor zwei Jahren erst stellte Mercedes seinen hydraulischen Hilfsantrieb HAD der Fachwelt vor. Und die staunte nicht schlecht. Erst mal wegen der einfachen Bedienphilosophie – ein Schalter genügt zur Aktivierung. Und dann wegen der neuartigen Ansteuerung der hydraulischen Radnabenmotoren: Das System von Daimler zeichnet sich nämlich durch eine Reihe innovativer Details aus. So bestehen bei konkurrierenden Systemen die Hochdruck-Zuleitungen unmittelbar vor dem Radnabenmotor aus flexiblen Schläuchen. Die müssen jede Lenk- und Einfeder-Bewegung mitmachen und sind deshalb Torsionsbelastungen und Schwingungen ausgesetzt, die – jedenfalls bei frühen Versionen – oft zu erhöhtem Verschleiß führten.

Pro & Kontra: Mercedes Arocs 1845 HAD Bausattel

+Einfach zu bedienender Vorderradantrieb
+ Rolleigenschaften
+ wankstabil aufgesetzte Kabine mit bequemen Einstieg
+ guter Verbrauch
+ einfaches Handling
- Relativ lange Übersetzung
- etwas zähes Bergsteige-Verhalten
- Kein GPS-Tempomat
-Kabinengeräusch

Genau diese Schwachstelle umgingen die Mercedes-Ingenieure mit ihrem sogenannten Drehverteiler: Im Verbund mit fest verlegten Stahlrohren leitet er das unter Hochdruck stehende Hydraulik-Öl direkt zum Achsbolzen. Hier findet die Übergabe von der starren Zuleitung an die drehbare Achsaufhängung statt. Der Achsbolzen ist hohl gebohrt, das Hydraulik-Öl gelangt direkt in den Nabenmotor, ein flexibler Hochdruckschlauch entfällt. Die Herausforderung bei dieser Lösung ist, die Dichtheit zwischen dem untereinander beweglichen Drehverteiler und dem Achsbolzen zu gewährleisten.

Beim Blick auf die Konstruktion in der Grube fällt uns zwar der etwas ölig angeschwitzte Achsschenkel auf. Der Ölfilm stammt jedoch ganz offensichtlich nicht vom durchgeleiteten Hydrauliköl, sondern von der Fettfüllung: Entwarnung. Ein weiterer Niederdruck-Kreis ist wie üblich für die Steuerung des Systems zuständig und sorgt dafür, dass bei Nichtgebrauch alle Hochdruckstempel im Radnabenmotor entkoppelt sind – daher rührt auch die geringe Verlustleistung im Schleppbetrieb.

Mercedes Arocs 1845 Innenkotflügel
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