Schnelleinsatzkran von Liebherr
Schnellmontagekrane

Praktische Helfer mit universellen Fähigkeiten

Schnelleinsatzkrane machen etwa zwei Drittel des deutschen Kranbestands aus. Immer häufiger sieht man sie im Einsatz als flexible Ergänzung unter großen Obendrehern. (Bild: Liebherr)

Für jeden Anspruch das passende Modell

Potain Vor 90 Jahren von Faustin Potain in Frankreich gegründet, ist der heute zur amerikanischen Manitowoc-Gruppe gehörende Kranbauer mit seiner Igo-Baureihe der Platzhirsch bei Schnelleinsatzkranen am deutschen Markt – zumindest in den unteren und mittleren Traglastklassen. Die Baureihen Igo und Igo M mit ihrem charakteristischen Achteck-Vollwandturm decken Hakenhöhen von 16 bis über 23 m und Auslegerlängen von 16 bis 40 m ab, mit 650 bis 1.100 kg Traglast an der Spitze. Darüber rangieren die Igo T-Modelle mit Gitterturm, die jeweils etwa 1,4 t Tragfähigkeit an der Auslegerspitze bieten – je nach Modell bei 40, 45 oder 50 m Ausladung. Alle Igo-Krane werden mit einer Fernsteuerung gefahren, die sämtliche Funktionen vom Aufstellvorgang bis zum sicheren Betrieb abdeckt. Auf Wunsch gibt es Arbeitsbereichsbegrenzung, die drei großen Igo T-Modelle sind auch mit Antikollisionssystem zu haben.

Jüngste Potain-Entwicklung ist der Hup 40-30, das zweite Modell der 2016 aufgelegten Hup-Baureihe, die langfristig die Igo-Reihen ablösen soll. Optisch fallen die Hup-Typen durch ihren seitlich an der Turmspitze angelenkten Ausleger auf. Der neue Hup 40-30 bietet in Verbindung mit verschiedenen Auslegerneigungen (10-, 20- oder 30°-Stellung) und Klapplängen 16 Kombinationsmöglichkeiten und beachtliche 1.000 kg Tragfähigkeit bei 40 m Ausladung auf 4,5 x 4,5 m Stützbasis mit 2,5 m Ballast-Schwenkradius. Mit geringfügig bescheideneren Leistungsdaten tritt der Hup 32-27 auf, mit 32 m Ausleger und ebenfalls 1 t Traglast an der Spitze. Beide Hup-Krane glänzen mit ihrer Hochleistungshubtechnologie HPL und permanenter Vierfacheinscherung des Hubseils, bei der die Hubgeschwindigkeit automatisch der Last angepasst wird. Weitere Features sind die Hochleistungsschwenktechnologie HPS zur Kontrolle des Schwenkverhaltens, Drive Control mit individuell einstellbaren Bedienparametern sowie Microdrive für präzise Lastpositionierung – alles bedient über eine neue Funkfernsteuerung mit Bildschirmnavigation für leichte und sichere Montage.

Liebherr Als in Deutschland nach dem Krieg der Wiederaufbau begann, waren dem Bauunternehmer Hans Liebherr in Kirchdorf an der Iller die verfügbaren Baukrane viel zu unpraktisch und zu aufwändig in der Montage. Also entwickelte er kurzerhand seinen eigenen Kran: Der TK 10 von 1949 gilt als der erste mobile Turmdrehkran, der (relativ) leicht zu transportieren und aufzustellen war. Dieser Urahn aller heutigen Schnelleinsatzkrane markiert zugleich die Geburtsstunde von Liebherr als Baumaschinenhersteller.

Im mittleren bis oberen Segment bietet Liebherr mit seinen K-Kranen reine Seilmontagekrane, zu erkennen an der Fachwerkkonstruktion des Turms. Das untere Lastsegment decken die hydraulischen Faltkrane mit Vollwandturm ab, etwa der kleine L1-24 mit wahlweise 25 oder 27 m Ausladung (Spitzentraglast 950 bzw. 800 kg) und 19 m Hakenhöhe. Entweder mit klassischem Betonballast (separat transportiert) oder fest integriertem Stahlballast ist er wegen seiner fest montierten Tandemachse besonders schnell zu versetzen und hydraulisch aufzustellen. Bereits dieser kleinste Liebherr-Kran bietet modernste Sicherheits- und Assistenzsysteme wie 2-Kanal-Sensorik in Verbindung mit intelligenter Steuerungstechnik, die alle Kranfunktionen doppelt absichert, FU-Antriebstechnik mit dem Feinpositionierungsmodus Micromove und Lastenpendaldämpfung sowie ruckfreie Lasthaltefunktion für präzises Lastspiel sowie Arbeitsbereichsbegrenzung.

Die neue K-Reihe mit klassischem Fachwerkturm – teleskopierbar und mit einschiebbaren Turmschüssen in der Hakenhöhe variabel – deckt mit sechs Modellen vom 34 K bis 120 K.1 horizontale Hakenhöhen zwischen 26 m und – mit 45° steil gestelltem Ausleger – 55 m ab, bei variablen Auslegerlängen bis 50 m. An Bord sämtliche Sicherheits- und Komfortattribute wie bei den kleineren Modellen. Darüber hinaus verfügen die beiden Topmodelle 65 K.1 und 81 K.1 über die Load-Plus-Funktion, bei der auf Knopfdruck durch elektronische Überwachung der Lastzustände die Tragkraft um bis zu 20 Prozent steigt.

BKL | Cattaneo Mit rund 500 Kranen im Bestand zählt BKL Baukran Logistik zu den europaweit größten herstellerunabhängigen Komplettanbietern und ist seit über 20 Jahren auch deutscher Vertriebspartner für die italienischen Cattaneo-Krane. Deren Programm umfasst aktuell sieben Modelle vom 22-m-Zimmererkran mit fest angebautem Fahrwerk bis zu Kranen mit 41 m Ausladung. Generell werden Cattaneo-Krane im 2-Strang-Betrieb gefahren, serienmäßig sind doppelte Endschalter und eine akustische Warnanlage für Überlast. Hub-, Dreh- und Katzfahrwerk sind frequenzgeregelt, die Funkfernsteuerung kommt wahlweise von HBC oder Abitron. Erst kürzlich präsentierte BKL den CM 90S4 mit 41 m Ausladung sowie den 27-m-Kran CM 271S1 mit 80 km/h-Achse, die nun auch von der Hydraulik eines Traktors gelenkt werden kann. Der CM 271S1 schafft 700 kg bei 27 m Ausladung – eine übliche 1.200-kg-Steinpalette reicht er immerhin 17,5 m weit. Wahlweise wird eine 25-km/h-Achse oder ein nachlaufgelenktes 80 km/h-Fahrgestell in Sattel- oder Deichselversion verbaut.

Terex Vor etwa 20 Jahren hatte Terex den italienischen Kranbauer Comedil und dieser wiederum den auf Schnelleinsatzkrane spezialisierten Hersteller Ferro übernommen. Somit steckt in den größtenteils verzinkten Maschinen, die sich tausendfach in allen Klimazonen der Welt bewährt haben, italienisches Kran-Know-how. Mit derzeit fünf Modellen deckt das Terex-Programm den Lastmomentbereich zwischen 12,6 und 40 mt ab. Bei 16 bis 40 m Ausladung und 600 bis 1.000 kg Tragkraft an der Spitze – bzw. maximal zwischen 1,6 und 4 t.

F.B.Gru | Maier-Krane Über die M. Maier, Verleih und Kranmontagen im oberbayerischen Hohenlinden ist F.B.Gru in Deutschland vertreten. Der italienische Hersteller mit 50-jähriger Erfahrung im Kranbau produziert hydraulisch montierbare Untendreher von 20 bis 36m Ausladung – alle mit FU-geregelten Antrieben. Ergänzend zu den Kranen der GA- und GA-compact-Reihe wurde vor einigen Jahren die GX-Serie eingeführt, die der Hersteller wegen ihrer ungewöhnlich knappen Transportabmessungen und enormen Anpassungsfähigkeit als Problemlöser für extrem enge und verwinkelte Baustellen anpreist. Mit seinem vierteiligen Ausleger kommt der GX251 auf lediglich 7,3 m Transportlänge, und bei Bedarf kommt man mit nur 1,7 m Ballastdrehradius aus. Der insgesamt 24,30 m lange Ausleger ist in 2–mSchritten auf (horizontale) Hakenhöhen zwischen 10 und 24 m zu bringen, durch teilweises Einklappen oder Steilstellen des Auslegers sind insgesamt 48 Arbeitskonfigurationen möglich.

Condecta Die schweizerischen Condecta-Schnelleinsatzkrane der Euro-Baureihe mit teleskopierbarem Gitterturm sind – wie einige Wettbewerber – komplett feuerverzinkt. Mit sieben Modellen werden 32 bis 45 m Ausladung abgedeckt, zwischen 15 und 30 m Hakenhöhe bei 1,5 t Spitzentraglast. Die Turm- und Auslegermontage erfolgt hydraulisch, der Hubbetrieb läuft durch die stufenlosen, elektronisch gesteuerten Antriebe ruckfrei und präzise. Bei den vier neuen HD-Modellen mit 24 bis 28 m Ausladung (jeweils 800 kg Spitzentraglast) sind Vorder- und Hinterachse des Straßenfahrwerks nicht am Turm, sondern am Chassis befestigt. Dadurch kann der Turm schon beim Einrangieren in die Baustelle um 45° hochgestellt werden, um Hindernisse wie Hecken oder Baukörper zu umfahren. Die spitzenlosen Balkenausleger dieser Kranreihe erleichtern auf Baustellen mit mehreren Kranen das Überschwenken bzw. die Windfreistellung.

Arcomet Der belgische Kranvermieter hat auch eine Reihe von eigenen Schnelleinsatzkranen im Programm. Beispielsweise den A50 Eco, der mit seinem 50-m-Ausleger zu den größten Modellen am Markt zählt. Mit sieben Hakenhöhen, aufbaubar bis 36 m und dabei 1,5 t Spitzentraglast (maximal 8 t) können die FU-Antriebe je nach örtlicher Baustromversorgung mit Stromstärken von 32, 40 oder 63 Ampere betrieben werden. Statt der üblichen Seilabspannung gibt es Teleskopstangen, für die nachträgliche Installation von Arbeitsbereichsbegrenzung und Kollisionsschutzsystem ist der Schaltschrank vorgerüstet.

San Marco | Kaiser-Krane Seit über zehn Jahren fungiert Kaiser Krane im niederbayerischen Osterhofen-Altenmarkt als offizieller Händler von San Marco mit einem aus 13 Typen bestehenden Programm an Schnelleinsatzkranen von 18 bis 45 m Ausladung. Dabei habe Kaiser auch eigene Impulse und Detailverbesserungen in die Kranentwicklung eingebracht – besonders stolz ist man auf den SMH 270 Z, den meistverkauften im Kaiser-Programm. Grundlage ist ein San Marco SMH 270 mit 2.000 kg Maximaltraglast, der mit drei Auslegerstellungen auf 12,4 m, 25 und 27 m Ausladung kommt – mit 700 kg Tragkraft an der Spitze. Bei 15° Steilstellung steigt die Hakenhöhe von 18 auf 24 m. Die komplette Antriebstechnik ist stufenlos frequenzgesteuert. Durch sein gebremstes Straßenfahrwerk, das während des Betriebs am Kran verbleibt und durch die hydraulischen Abstützungen ist dieser mit Vollballast verfahrbare Zimmererkran besonders schnell umzusetzen und aufzustellen – eine zweite Zugdeichsel erleichtert das Einrangieren.

Eurogru Die Firma begann 1962 in Frankfurt als Importeur der Edilmac-Turmdrehkrane und entwickelte dann eigene Modelle für den deutschen Markt, die in der Regel bei verschiedenen Zulieferern nach Eurogru-Vorgaben produziert werden. Derzeit gibt es die Baureihen DS, E und SM. Die DS-Modelle sind kleine Krane für Dachdecker oder leichtere Bauaufgaben, die als Anhänger komplett mit Ballast und Zubehör mit 80 km/h zu transportieren und sehr leicht mittels Hydraulik aufzustellen sind. Vollhydraulisch montiert werden auch die Krane der Serie E, während die Serie SM mit Gitterturm – sie stehen für mehr Hakenhöhe und Tragkraft – per Seilzug aufgestellt werden. Mit einkletterbaren Turmschüssen ermöglicht das teleskopierbare Turmsystem bis 35 m Hakenhöhe.

KSD | Pekazett Als Nachfolger der Pekazett-Krane produziert KSD-Krane am alten Standort in Zweibrücken heute vier Typen zwischen 25 und 48 m Ausladung. Alle Schnelleinsatzkrane von KSD haben Gittertürme. Während das Spitzenmodell komplett mit FU-Antrieben bestückt ist, sind bei den kleineren Typen teils nur Hub- und Drehwerk mit dieser stufenlosen Technik ausgestattet. Kürzlich wurde der TK4515 – bei unveränderter Typenbezeichnung – auf 48 m Ausladung mit 1.200 kg Traglast an der Spitze aufgewertet, bei unverändert 6 t maximaler Traglast, 22 bzw. 28m Hakenhöhe und 2,5 m Drehradius. Alle KSD-Krane werden per Einseiltechnik aufgestellt und automatisch abgespindelt.

Harald Späth